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Aus dem Vorwort von Manfred Papst
(…) Das Besondere an Bortliks Gedichten ist, dass sie zwei Welten
zusammenbringen, die eigentlich nicht zusammenpassen: Die Welt des Sports –
meistens des Fussballs — und die Welt der
«klassischen» deutschen Lyrik, wie sie viele von uns aus dem Schulunterricht
kennen, etwa aus dem hellgrauen Ziegel «Deutsche Gedichte» von Echtermeyer/Wiese.
Als Lyrik-Enzyklopädist würde Bortlik sich nicht bezeichnen. «Ich komme von
Wilhelm Busch her», sagt er bescheiden, aber das ist nur ein Teil der
Wahrheit. Seine Gedichte füllen ganz verschiedene Vorlagen mit sportlichem
Inhalt. Goethe, Hölderlin und Matthias Claudius, Eichendorff und Heine, aber
auch Rilke hat er sich schon vorgenommen. Auf allzu Entlegenes ist er nicht
aus: «Der Witz ist ja, dass die Leute das Vorbild erkennen oder zumindest
erahnen», sagt er. Wer die Verse «In jüngeren Tagen war ich des Abends froh
/ An dem der Fussball rollte. Doch nun zuviel / Des runden Leders raubt mir
Ruhe …» liest, kann vielleicht nicht auf Anhieb sagen, dass es sich um den
Beginn einer alkäischen Odenstrophe handelt, aber er merkt doch, dass da ein
hoher, antikisierender Ton ins Stadion kommt, und wenn er «Der weiche Gang
geschmeidig starker Schritte / Der sich im allerkleinsten Kreise dreht»
liest oder hört, heult er begeistert auf: Das kennt er, das ist Rilkes
Panther-Gedicht, das hat er in der Schule auswendig lernen müssen. Am
exaktesten ist die klassische Form wohl in Matthias Claudius’ Nachtlied
getroffen, das bei Bortlik «Saisonbeginn» heisst und das man sogar singen
kann.
Die Verschränkung von Hochkultur und Sport hat Bortlik schon früh
fasziniert. Und in beiden Sphären kennt er sich aus. «Wenn ich nicht gerade
Sportgedichte schreibe, fahre ich meine drei Kinder zu Sportanlässen»: So
umschreibt der Autor und Hausmann seinen Alltag. Selbst spielt er Fussball
in einer Veteranenmannschaft. Seit er denken kann, ist er ein Sportfan
gewesen. Nur vor wenigen Disziplinen, etwa dem Eiskunstlaufen, kommt sein
Enthusiasmus zum Stillstand. Als Bub hat er jede freie Minute den Ball ans
Garagentor seiner Grossmutter gebolzt.
Aufgewachsen ist der Hüne mit Jahrgang 1952 in einem Bauerndorf südlich
von München, beim TSV 1880 München Ost – nicht zu verwechseln mit dem
berühmten Verein 1860 München — hat er
angefangen Fussball zu spielen. Mit 13 ist er in die Schweiz gekommen, ins
Niemandsland zwischen Aarau und Luzern. «Ich habe innerhalb eines halben
Jahres Schweizerdeutsch gelernt, um nicht unnötig aufzufallen», erinnert er
sich, «und sofort wieder Fussball gespielt, um akzeptiert zu werden.»
Dem Sport ist Bortlik auch in den bewegten WG-Jahren treu geblieben. Auf
einem kleinen portablen Fernseher hat er heimlich die Fussball-WM geschaut,
die seinen Kommilitonen als kapitalistisch oder imperialistisch galt. Dass
er dann den Mut fasste, Fussball nicht nur zu spielen und zu gucken, sondern
auch zu besingen, hat mit dem Schriftsteller Ror Wolf zu tun. «Er hat mir
den Mut gegeben, in Versen über Fussball zu schreiben», sagt er. «Wolfs
Weltmeisterschaftsgedichte und Endspielstanzen sind für mich ganz grosse
Dichtkunst.» … |