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Wolfgang Bortlik Hektische Helden Roman
2002, 150 Seiten, gebunden |
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Satire gegen Rechts Zum wievielten Mal remittiert nun Buchhändler Helfenstein die rechtslastige Zeitschrift «Okzident»? Am liebsten hätte er die ekelhafte Ware in den Abfall geworfen. Auf dem Weg nach Hause verhindert er als Ritter der Handtasche einen Raub und wird dafür vom überwältigten Junkie in die Hand gebissen. Die Profilaxe heißt Crixivan und Combivir. Er schluckt sie mittels Whisky. Das Ergebnis ist ein willkommenes leichtes Delirium. Schließlich wurde der Ärmste von seiner Freundin verlassen. Dann entdeckt er auch noch, dass sein ehemaliger Studienfreund Rockwenzel Schriftleiter des «Okzident» ist. Ein alter Genosse! Dem muss auf den Grund gegangen werden. Im delirischen kleinen Wirbelsturm drehen sich ein ländlicher Financier der Rettung des moralischen Abendlandes, ein städtischer Anwalt samt engagierter Schlägertruppe, dubiose und kuriose Liebesaffären, ein parlamentarischer Waschlappen auf rechten Schleichwegen sowie andere Verschwörer und weitere Retter. Nach einer kleinen Irrfahrt des Buchhändlers kann der Showdown beginnen … |
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Was hätte Rockwenzel nicht für einen Schuss Rum in das Gebräu gegeben. Aber die Frau ihm gegenüber, Hölle, er brauchte sie bloß anzusehen und schon kochte es hoch in seinem Unterleib. Frau Helene Burckhardt-Hallauer stellte die Teetasse ab, erhob sich, kam äußerst lasziv auf Rockwenzel zu und kniete sich vor ihn hin. «Heute bin ich dran, mein Lieber, lehn dich zurück!» Eine Viertelstunde später lag Rockwenzel wieder auf seinem Bett und dachte, dass es so nicht weiter ging mit Helene. Er konnte diese Frau nicht ausstehen, wie sie ihn verrückt machte, seit drei Jahren jetzt schon oder mehr. Sein Handtelefon heulte auf. Also, da sei ein Zitat im neuen «Okzident», das könne keinesfalls stimmen! Niemals, denn da heiße es im Original keineswegs Urnengang, sondern Waffengang, schnappte eine halbhohe Altmännerstimme am anderen Ende der Leitung. Der Alte! Moment, Moment. Rockwenzel schnippte die zerschmetterte Stechmücke vom Umschlag und blätterte nach. Oho, ein Artikel vom Präsidenten der «Vereinigung für eine unabhängige Schweiz», einem gewissen Fick oder Fack. Der war also nicht ganz bibelfest, Pech für ihn! Der alte Hallauer würde ihn fertig machen. «Waffengang heißt das im Original», koberte der Alte
weiter, «Waffengang, nicht Urnengang!» «Wohl um Demokratie, was?», heulte der Alte erneut auf. «Um die Brüllmasse, Volk genannt, um politische Rechte für den Pöbel, für das Ungeziefer, die Quecken, die Quitten, die, ach was!» Der alte Hallauer dreht langsam durch, dachte
Rockwenzel, als er unter der Dusche stand. Das war ja nicht mehr nur das
Ancien Regime, der Ständestaat, sondern die politische Diktatur, die der
mittlerweile befürwortete. Wahrscheinlich heulte er jetzt gerade Dr.
Fickfack die Ohren voll über das Sakrileg, ein Zitat von Robert de Traz
oder Emil Sonderegger oder von welcher Ikone der elitären Rechten dieser
Knittelvers auch immer war, gefälscht zu haben. Dann aber fiel
Rockwenzel bei der peniblen Säuberung seines Intimbereichs plötzlich
ein, dass es äußerst nett gewesen wäre, wenn Helene sich bei ihm in der
Dusche befunden hätte. Helene fühlte sich gut. Es war erstaunlich, wie viel Spaß es ihr immer noch mit Rockwenzel machte. Vor allem, wie viel Spaß es ihr machte, ihren Mann zu betrügen. Bald drei Jahre ging das jetzt schon mit Edgar, und niemand hatte etwas bemerkt. Nicht einmal ihr Vater, das misstrauische, paranoide alte Stinktier. Helene erschrak über ihren Gedankengang. Das war Rockwenzels Einfluss, diese Respektlosigkeit, mit der er die Ehe der Tochter seines Arbeitgebers brach, mit der er das einzige Kind seines Mentors, hm, nun ja, man konnte es nicht anders sagen: vögelte. Am liebsten wäre Helene umgekehrt und hätte sich in Edgars Arme geworfen, aber ihr Töpferkurs ging ja nur bis vier Uhr und Vater erwartete sie sicher zum Fünfuhrtee. Sie zog ihre hochhackigen Schuhe aus und tappte vergnügt über das kühle Laub zum Gehölz, hinter dem ihr Roadster stand. |
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«Bortliks geraffte, rasante Schilderungen zeigen Biss.» Aargauer Zeitung «Die fein ziselierten Macken der skurrilen Protagonisten bilden den höchst vergnüglichen Rahmen für ein ernstes Thema: den auch in der Schweiz vorhandenen Rechtsradikalismus.» Lesen & Leute «Rasante und witzige Prosa mit politischem Hintergrund, mit einer gehörigen Portion jener selbstironischen und komisch illusionslosen Nostalgie, die Bortliks lange Prosa so lesenswert macht.» Berner Zeitung |
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Rezensionen |
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WochenZeitung WoZ vom 10. Oktober 2002 Rechte Eidgenossen (...) Als Helfenstein bemerkt, dass
sein ehemaliger Studienkollege und Kampfgenosse Edgar Rockwenzel als
Schriftleiter für den «Okzident» arbeitet, gibt es für den Buchhändler
kein Halten mehr. Sofort macht er sich gemeinsam mit seinem neuen
Saufkumpanen, dem Penner «Killer», auf den Weg nach Königslautern, einem
Kaff rheinaufwärts, in dem die hallauersche Villa, die Rockwenzel und
den «Okzident» beherbergt, steht. Rockwenzel, dem Alkohol ebenfalls
nicht abgeneigt, hat sich unterdessen ein hübsches Leben auf dem Lande
eingerichtet, für dessen Annehmlichkeiten der Altlinke sogar die
faschistoiden Texte der braunen Postille in Kauf nimmt und mehr oder
weniger gewissenhaft korrigiert. Die Grenzen zwischen rechts und links
weichen zunehmend auf, vor allem wenn es um den individuellen Frieden
geht. Einem ehemals linksradikalen, Steine werfenden Rockwenzel
beispielsweise sind das Verhältnis zur Tochter und der Weinkeller des
Rechtsaussen-Millionärs Hallauer Bortlik geht schonungslos mit den rechten Eidgenossen ins Gericht, macht sich aber auch über die linken Genossen lustig, die ihre politische Gesinnung wohlmöglich doch nur dem guten russischen Wodka verdanken. Der Autor nimmt seine Figuren sehr genau unter die Lupe, zeichnet ihre Charaktere nach - überzeichnet sie schliesslich gnadenlos und unterstreicht damit lediglich die Gültigkeit und Existenz seiner Figuren. Bortliks präzise Beobachtungsgabe verschont niemanden und lässt kaum ein gutes Haar an seinen Protagonisten. Dabei bleibt «Gut» und «Böse» doch immer überschaubar, und Bortliks hektische Antihelden dürfen sich im Kampf gegen die braune Gefahr profilieren. Der Autor hält seinen leichten, geradezu amüsierten Erzählton durch und verzichtet weitgehend auf den moralischen Zeigefinger, was die Lust an der Lektüre noch erhöht. In Anbetracht von Bortliks gründlicher Recherche, die in der skurrilen Satire «Hektische Helden» permanent die Dimension der Realität durchblicken lässt, bleiben einem die Lacher aber schliesslich doch des Öfteren im Halse stecken. |
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© Limmat Verlag |