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Das folgende Interview mit Ysuf Yesilöz führte Hans Schill in der Hauptstadt (vom 14. Mai 1998) |
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Yusuf Yesilöz wurde 1964 in einem kurdischen Dorf in Mittelanatolien (Türkei) geboren. 1987 flüchtete er in die Schweiz. Er ist mit einer Schweizerin verheiratet, arbeitet als Übersetzer und führt den eigenen arArat-Verlag, in dem er kurdische Literatur auf Deutsch veröffentlicht. 1996 wurde er bei der Einreise in die Türkei wegen der Hersausgabe der kurdischen Literaturgeschichte von Mehmet Uzun verhaftet. Dank des sofort einsetzenden breiten Protests kam er nach drei Wochen frei. In diesem Frühjahr ist im Rotpunktverlag seine Erzählung "Reise in die Abenddämmerung" erschienen, in der er die Flucht einer kurdischen Mutter mit ihren zwei Kindern aus der Türkei beschreibt. Er lebt in Winterthur. DIE HAUPTSTADT Herr Yesilöz, ist Fremdsein für Sie noch ein Thema? Sie leben schon seit 1987 in der Schweiz... YUSUF YESILÖZ Ja, natürlich. Dem Fremdsein begegne ich jeden Tag. Nach diesem Interview werde ich nach Luzern fahren, es kann gut sein, dass ich im Zug mit meinem Fremdsein konfrontiert werde. Es wird ein ewiges Thema für mich bleiben. Ist es auch ein Thema, das Sie in Ihrem Schreiben aufnehmen? Bis jetzt handelten meine Geschichten immer in meiner Heimat, in meinem Dorf. In meiner Erzählung "Reise in die Abenddämmerung" geht es um die Kurdenpolitik der Türkei, in "Steppenrutenpflanzen", von der ein Ausschnitt in der Anthologie "Küsse und eilige Rosen" abgedruckt ist, um meine Kindheit, in einer weiteren Erzälung um eine Frühlingsdürre und eine Tauschheirat in ebendiesem Dorf. Nun merke ich aber, ich muss von meinem kurdischen Dorf wegkommen, ich muss hierher, in die Schweiz kommen. Im Moment bin ich am Recherchieren für eine Fortsetzung von "Reise in die Abenddämmerung", die in der Schweiz handeln wird. Sie schreiben in Deutsch. War der Übergang von der türkischen zur deutschen Sprache für Sie leichter, weil auch das Türkische für Sie als Kurde schon eine Fremdsprache ist, eine "Sprache der Kolonialisten"? "Reise in die Abenddämmerung" habe ich noch auf Türkisch geschrieben und dann selbst übersetzt. Seitdem schreibe ich direkt auf Deutsch, weil ich in der Schweiz lebe und auch hier meine Texte veröffentlichen will. So habe ich den gleichzeitig schwierigsten und einfachsten Weg gewählt. Es ist natürlich sehr schwierig in Deutsch zu schreiben, Deutsch bleibt eine Fremdsprache, der Wortschatz wird kleiner. Aber Sie haben recht, die Erfahrung, eine komplett neue Sprache lernen zu müssen, zwangsweise, habe ich ja schon einmal gemacht, als ich mit sieben Jahren in die Schule kam. Bis dahin konnte ich kein Wort Türkisch. Dennoch hasse ich die türkische Sprache nicht, sie ist ja nicht nur die Sprache eines Regimes, sondern mit ihr verbindet sich eine ganze Kultur. Ich lese auch sehr gerne türkische AutorInnen, auch viele Klassiker der Weltliteratur, Gorki, Dostojewskij, Tschechov, habe ich zuerst auf Türkisch gelesen. Glauben Sie, dass die gewählte Sprache ihre Geschichten beeinflusst? Auf Türkisch würden die Geschichten wohl sprachlich etwas breiter werden, epischer, reicher, es gäbe mehr Nebensätze. Aber durch die Übersetzung würde dafür anderes verlorengehen. Der Kern der Geschichten verändert sich sicher nicht, egal ob ich auf Kurdisch, auf Türkisch oder auf Deutsch schreibe. Sie wollen im deutschen Sprachraum veröffentlichen. Bemühen Sie sich dennoch um ein Erscheinen Ihrer Bücher in der Türkei? Ja. Ein Verlag in der Türkei, der auch kurdische Literatur herausgibt, wollte die Erzählung "Reise in die Abenddämmerung" schon letztes Jahr veröffentlichen, fürchtete sich dann aber wegen einigen Passagen im Text. Aber ich bin zuversichtlich, dass noch im Verlaufe dieses Jahres ein Text von mir in der Türkei erscheinen wird. Yusuf Yesilöz liest am Freitag 22. Mai um 14 Uhr an den Solothurner Literaturtagen, die dieses Jahr unter dem Motto "Wandern und Wohnen. Vom Schreiben zwischen Sprachen, Ländern, Kulturen - auf der Suche nach einem eigenen Ort" stehen. © Die Hauptstadt, Bern |
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© Limmat Verlag |