Märchen aus dem Tessin

 

Herausgegeben, übersetzt und mit einem Nachwort von Pia Todorović Redaelli

2006, 320 Seiten, Pappband

ISBN 3 85791 501 3

Rd_tri.gif (202 Byte) Pia Todorović Redaelli

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Kurze Inhaltsangabe

Was man sich beim Maisschälen alles erzählt (hat)

«Vor vielen, vielen Jahren lebte ein armer Fischer mit seiner Frau und seinen zwölf Kindern. Die waren alle Faulpelze und hatten keine Lust zu arbeiten.»

Was man sich da nicht alles erzählt hat, wenn die Zeit lang wurde in den Ställen, am Feuer, beim Maisschälen: Der Teufel wird von listigen Frauen hereingelegt, der Wolf vom Fuchs und der liebesbedürftige Pfarrer von Bäuerin und Bauer, die kein Geld für neue Kleider haben oder der Herrgott schaut bei Dörflern vorbei und prüft ihre Gastfreundschaft.

Es sind Fabeln und Legenden nach klassischer Art, Märchen von Brüdern, faulen Mädchen, Zauberern und Räubern – darunter Variationen von bekannten wie Aschenputtel –, aber auch lustige Schwänke und Schildbürgergeschichten, die an den Decamerone erinnern.

Pia Todorović Redaelli, geboren 1951, Studium der Romanistik und Slavistik in Basel, Perugia und Petersburg. Promotion mit einer Arbeit über Kinderverse der italienischsprachigen Schweiz. Befasst sich seit vielen Jahren mit Märchen. Lebt als freischaffende Übersetzerin in Lugano.

Textprobe

Der Herrgott auf Besuch

An einem bitterkalten Dezemberabend kam der Herrgott zu einem Bauern, um sich aufzuwärmen. Die ganze Familie saß am Feuer, der bucklige, hässliche Vater, der einen bösen Blick hatte, die Mutter und fünf Kinder. Im Kamin brannte ein großes Feuer.

«Dieses Feuer ist mehr wert als hundert Scudi», rief der Herrgott. Er setzte sich und rieb sich die Hände. Dann sagte er zum wenig sympathischen Hausherrn: «Guter Mann, wie viel bin ich Euch für das Feuer schuldig?»

«Hundert Scudi, Ihr habt es ja selbst gesagt!», antwortete der Bucklige.

«Gut, du Bösewicht, ich gebe dir die hundert Scudi. Aber zur Strafe verwandle ich dich in einen Esel!»

Und der Herrgott ging weiter. Die Prophezeiung erfüllte sich. Der Bucklige verwandelte sich in einen Esel.

Zu der Zeit baute man im Dorf gerade ein großes Haus. Der Bucklige, der nun ein Esel war, musste auf seinem Rücken so viele Steine tragen, bis er die hundert Scudi abverdient hatte, um die er den Herrgott betrogen hatte. Dann wurde er wieder ein Mensch, aber sein Buckel war noch größer.

Noch heute sagt man, wenn man einen Buckligen sieht: «Das ist einer von denen, die vom Herrgott hundert Scudi verlangt haben!»

Pressestimmen / Rezensionen

Rd_tri.gif (202 Byte) Literatur-Report vom 2. April 2006
Rd_tri.gif (202 Byte) netzmagazin.ch 143, Mai 2006
Rd_tri.gif (202 Byte) ekz Informationsdienst Juni 2006
Rd_tri.gif (202 Byte) Club Ticket 21, März 2006
Rd_tri.gif (202 Byte) Blick vom 7. Oktober 2006
Rd_tri.gif (202 Byte) Tessiner Zeitung vom 21. Dezember 2007

«Darunter sind Variationen bekannter Motive, die durch die Einbettung in die sozialen Verhältnisse der Region eine ganz eigene Färbung erhalten. Sie widerspiegeln eine oft von Entbehrungen geprägte bäuerliche Welt mit ihren Lebensgewohnheiten und Vorstellungen und bezaubern durch ihre Frische und Lebhaftigkeit.» literatur-report.de

«Eine sorgfältige, wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Edition.» literatur-report.de

«Eine sehr schöne Sammlung von Tier und Zaubermärchen, Schwänken und Legenden aus dem Schweizer Süden, die alle etwas ziemlich Spezielles haben.» Club Ticket

«Beeindruckend an den Märchen aus dem Tessin ist ihre Vielfalt.» Tessiner Zeitung

«In Verbindung mit der kargen, bäuerlichen Tessiner Welt bekommen die Mächen einen ganz eigenen Charme und Unterhaltungswert.» 20 minuten

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