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Hannes Binder & Friedrich Glauser «Nüüd appartigs …» Sechs gezeichnete Geschichten 2005, 480 Seiten, Pappband, Fadenheftung
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Binders gesammelte Glauser-Kollektion 1988 erschien mit grossem Erfolg der «Krimi-Comic» «Der Chinese» von Hannes Binder nach dem gleichnamigen Roman von Friedrich Glauser. 1990 folgte ein zweiter, «Krock & Co.» («Die Speiche»). Unter dem dritten Band «Knarrende Schuhe» stand: «Bilder-Krimi». Dann ging Wachtmeister Studer ins Tessin, wohin ihn Friedrich Glauser gar nie geschickt hatte: «Eine Fiktion». Auf den weiteren Bänden fehlten die Gattungsbezeichnungen. In «Glausers Fieber» von Binder schreibt Friedrich Glauser «Die Fieberkurve», die eigentlich seinen eigenen Fieberverlauf anzeigt, und im bislang letzten Buch tauchen Glauser und Studer als Kippfiguren am Himmel von Tegna auf. In 17 Jahren Auseinandersetzung mit Friedrich Glauser hat sich Hannes Binder zunehmend von Vorlagen gelöst, von Glauser selbst hat er sich nie lösen können. Im dadaistischen Showdown des neusten Werks muss die Frage erlaubt sein: Ist Hannes Binder eine Erfindung von Friedrich Glauser? Enthält – Dada, Text Friedrich Glauser |
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Durch Zufall Hinter der Universität liegt ein großer Garten, in ihm ein Herrenhaus und ein alter, kleiner Pavillon. In diesem Pavillon bewohnte der Maler Mopp drei Parterreräume: ein großes Atelier in der Mitte zwischen zwei kleineren Räumen, deren einer als Schlafzimmer diente, mit einem alten Empirebett, von einer gelben Steppdecke bedeckt, deren anderer als Bibliothek gedacht war, mit einem Minimum an Büchern. Überhaupt schien der Maler Mopp dem Gesetz des Minimums zu unterliegen: seinen langen Namen Max Oppenheimer hatte er auf die notwendigsten Buchstaben reduziert, seine Arbeitszeit betrug täglich eine Stunde, und auch sein Schlaf war auf sechs Stunden beschränkt: von drei bis neun Uhr morgens. Durch Zufall hatte ich ihn kennengelernt, am Ende des zweiten Kriegsjahres. Damals existierte noch das Café des Banques am Beginn des Rennweges: eine gute Kapelle spielte jeden Abend klassische Musik. Ich saß dort oft allein. Einmal setzte sich ein auffallendes Paar an meinen Tisch: der eine trug Reitanzug, sporenklirrende Stiefel und war dazu mit einer Reitpeitsche bewaffnet: mit dieser schlug er auf den Tisch, blinzelte mir zu und sagte laut und deutlich: «Schlagt den Bürger tot!» Der andere sah aus wie ein dekadenter germanischer Apoll, eine blonde Haartolle stand über einer faltenlosen weißen Stirn, sein großer, gelenkiger Körper war in einen Anzug von weichem blauem Stoff gehüllt. «Nicht doch!» sagte er mit gezierter Stimme zu seinem Gefährten. Dann ließ er sich sanft auf die gepolsterte Bank gleiten und blätterte ungeduldig im dritten Band des Romanes der Herzogin von Assy von Heinrich Mann. Der Sporenklirrende bestellte einen «Berliner», der blonde Apoll einen Himbeersirup mit Kirsch. Wir sprachen einige Worte zusammen, dann stellte sich der Reitersmann vor: «Mopp.» Der andere brummte unverständliche Worte. Später erfuhr ich, er behaupte, ein unehelicher Sohn des österreichischen Kaisers zu sein (damals war dieser Kaiser sehr alt und hieß Franz Joseph II.). Der Blonde empfahl sich bald und ließ mich mit Mopp allein. Ich erinnerte mich gut an seinen Namen, den ich oftmals in den Schaufenstern der Kunsthandlung unter einer Radierung von Busoni gesehen hatte. Mopp schleppte mich ins Terrasse mit, drückte mir dort die letzte Nummer der Aktion in die Hand und versprach, mich wieder abzuholen, wenn er mit seinen Besprechungen fertig sei. Ich war sehr stolz und ließ mir alles gefallen. Es war das erste Mal, daß eine «Berühmtheit» sich mit mir abgab. In jener längst verfallenen Zeit hatte das für einen Zwanzigjährigen einige Bedeutung. Um Mitternacht kam mich der Maler abholen. Er bot mir an, eine Tasse Tee bei ihm zu trinken. Erst jetzt, im weißen Licht der Bogenlampen, wurde mir sein Gesicht deutlich. Eine kränkliche, käsige Gesichtsfarbe, die Haut wie aufgeblasen, dazu sonderbar geschlitzte Augen, die ziemlich ausdruckslos vor sich hin starrten. Wulstige Lippen über einem formlosen Kinn. Die Sprache näselnd, bewußt salopp, deutlich wienerisch gefärbt. Und während des ganzen Weges, dann während das Wasser zum Tee auf der Spiritusflamme langsam zu zischen anfing, strömten die Anekdoten, immer im gleichen Tonfall, nach der Pointe ein kurzes Schnaufen, das ein Lachen vorstellen sollte und eine Einladung zum Mitlachen. Anekdoten über Heinrich und Thomas Mann, über Wedekind: Wedekind hat eine Frau geheiratet, die nicht sehr gebildet ist. In ihrem Beisein wird in einem Gespräch mit Freunden der Name Goethe erwähnt. Dazu Wedekind: «Das war nämlich, mein Kind, ein großer deutscher Dichter.» Kurzes Schnaufen. (…) |
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«Endlich sind Hannes Binders kunstreiche Glauser-Illustrationen in einem Buch versammelt, inklusive einer neuen.» Tages-Anzeiger «Für LiteraturliebhaberInnen wie auch für Comicfreunde ein sommerliches Muss.» WochenZeitung WoZ «Diese opulente Sammlung von sechs ganz verschiedenen Arten von Geschichten ist ziemlich sicher das schönste Schweizer Buch des Jahres.» 20 minuten «Mit seinen kräftigen Schabkarton-Bildern schafft es Binder immer wieder aufs Erstaunlichste, Glausers sensible, mit unaufdringlicher Psychologie verfassten Geschichten adäquat ins Bild zu setzen..» Schweizer Familie «Was Hannes Binder hier zusammenfügt, atmet Glausers Geist. Die Vermischung der Geschöpfe des Autors mit jenen seines kongenialen Zeichners geht bis zur UNUNTERSCHEIDBARKEIT: Ein Vexierbild. Ein Band, der vor lauter Druckerschwärze riecht – und in Wort und Bild in die Schwärze der menschlichen Seele stürzt.» St. Galler Tagblatt «In den vergangenen 17 Jahren hat Binder dem Werk und der Person Glausers sechs grosse Arbeiten gewidmet, die jetzt beim Limmat Verlag in einem prächtigen Band versammelt wurden. Binders Glauseriana gewissermassen.» züritipp «Mit seinen Illustrationen in Schwarzweiss trifft Hannes Binder genau Ton und Stimmung von Friedrich Glausers Krimis. Auch die von Glausers eigenem Leben.» Programmzeitung «Ein intelligentes Lese- und Schauvergnügen.» Programmzeitung «Es ist ein schön exotischer Wälzer geworden, zum einen, weil die düster-schwarzen Bilder einen einmaligen, unverwechselbaren Stil haben, zum anderen, weil die Sprache für Nichtschweizer man Rätselhaftes birgt..» Der Standard, Wien «‹Nüüd appartigs...› ist ein nicht eben billiges, aussergewöhnlich schönes und sorgfältig gemachtes Buch. Auf dem dicken, eierschalenfarbenen Papier gewinnen die Zeichnungen eine fast dreidimensionale Plastizität. Die grosse Menge an Druckerschwärze, die für die Wiedergabe der Schabkartons nötig ist, sorgt für einen intensiven, anregenden Duft. Und auch als Zeugnis einer künstlerischen Entwicklung ist der Sammelband reizvoll.» Süddeutsche Zeitung «Im 480 Seiten dicken Wunderwerk ‹Nüüd appartigs ...› sind Romane und Geschichten versammelt, aber auch frei flottierende Bildergeschichten nach Glauser-Motiven wie ‹Wachtmeister Studer im Tessin›, ‹Glausers Fieber› oder ‹Dada›. Gerade Letztere ist ein atemberaubender Bilderbogen von höchster Kunstfertigkeit. Dada geht hier in den Surrealismus über.» Strapazin |
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