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Hannes Binder Der Venediger
2007, 72 Seiten, Pappband ISBN 978-3-85791-534-5
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«Nein, sagte der Vater, davon habe er nichts gehört, aber von seinem Reisläuferdienst her bei den Gonzaga in Mantua wisse er um einen anderen Venediger, einen Maler: ‹Quello, che non finisce›, habe man ihn genannt. Der sei durch seine Bilder, die nicht zu vollenden schön gewesen seien, seinerzeit zu Geld und Ehre gekommen. Das ging dem jungen Sebastian Casser nicht mehr aus dem Kopf. Beim Melken, beim Misten, beim Käsen, immer musste er daran denken.» Hannes Binder verknüpft in seinem Buch, das keinen Anspruch auf historische Genauigkeit erhebt, die im Alpenraum bekannte Sage der Venediger, die sommers in den Alpen Steine suchten, diese zu Gold machten und damit ihre stolze Stadt bauten, mit der erfundenen Geschichte des Sebastian Casser aus Altdorf, der um 1600 nach Venedig reist und bei Tintoretto Malergeselle wird. Nach dem Tode seines Meisters heiratet er 40-jährig zur Rettung des Familienunternehmens die 70-jährige Tochter Tintorettos. Das einzige von Casser erhaltene Bild ist in der Kirche San Giorgio über dem Ausgang zu sehen. Die Nachwelt stuft es als mittelmässiges Gemälde ein, es ist unsigniert. Hannes Binder präsentiert in seiner bekannten Federmesser-Schabkartontechnik eine Text-Bild-Collage. Er mischt Wirklichkeitsfragmente (aus der Architektur der Stadt Venedig und der Biografie Tintorettos) mit der Venediger-Sage zu einem filmischen Bilderbogen. Es ist ihm eine faszinierende Mixtur gelungen, ein intelligentes Lese- und Schauvergnügen. |
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Und als in Altdorf der grosse Viehmarkt stattfand,drängte es ihn, sich vorerst im Steinstossen mit den andern zu messen. Das umworbenste Mädchen im Tal war die Vrene. Sebastian kannte sie von Kindsbeinen an. Unerreichbar war sie bis anhin für ihn geblieben, sie wollte er besonders beeindrucken.
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«Die bewährte Zusammenarbeit zweier kongenialer Partner Klaus Merz (Text) und Hannes Binder (Bilder, ‹Illustrationen› traut man sich gar nicht zu sagen) macht daraus wieder einmal ein bibliophiles Kleinod. Dem Zürcher Hannes Binder gelingt eine ganz unverwechselbare Synthese von altmeisterlicher Anmutung und abgründigen Visionen.» Der Standard «Die Geschichtemit einer lustigen Schlusspointe lebt sehr von den vielen Zeichnungen Binders. Es ist eine faszinierende Schwarz-Weiss-Welt, mit kräftigen Figuren, klaren Darstellungen und recht viel Melancholie. Man kann sich fast nicht satt sehen daran.» P.S. «Eine so hübsche wie arglose Geschichte.» NZZ am Sonntag «Seit je geht von der Schabtechnik des Hannes Binder eine expressive Kraft aus.» Schweizer Illustrierte «Der
Zeichner Hannes Binder und der Schriftsteller Klaus Merz haben ihre
fruchtbare Zusammenarbeit mit ‹Der Venediger› fortgesetzt; und Binders
Schabkartontechnik schient wie erfunden für genau diesen Stoff. Merz' und
Binders sprachlich lakonische Erzählung über Casser, den Bergler, der in
Vendig sein Glück machen will, wird konterkariert von Binders ganz und gar
nicht trockenem grafischen Stil: raffinierte Visionen voller realistischer
Details, ein Zwischenreich zwischen Gegenwart und Vergangenheit, Symbolismus
uns Sachlichkeit. Binder-Bilder wie man sie kennt, die aber besser nicht
passen könnten zu dem hübschen historischen A-Part mit der psychologischen
Grundierung.» Tages-Anzeiger «Das schlanke Werk bietet hochdramatisch wechselnde Schauplätze zwischen den Alpen und der Lagunenstadt, dazu eine packende Lebensgeschichte, deren Vergangenheit unsere Gegenwart erreicht: Rätselhaft-Mystisches ereignet sich, als ein Schweizer Sennbursche der Fama folgt, nach der sich Steine dort unten in Venedig in Gold verwandeln liessen. Hannes Binder setzt diese alte Geschichte, die zudem noch durch unglückliche Liebe vertieft wird, mit modernen Methoden der sequentiellen Illustration um. In ihr sind Simultanhandlungen in einer Bildebene verschmolzen, filmische Rück- und Überblendungen, visionäre Sturz- und Fallperspektiven. Abwechslungsreiche Seitengliederung durch Panels unterschiedlichen Formats sorgen für Tempo und kontrastreiche Dauerspannung. Ein Augenschmaus für heutige Kinogänger.» Eselsohr |
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© Limmat Verlag |