Barbara Kopp

Die Unbeirrbare

Wie Gertrud Heinzelmann den Papst und die Schweiz das Fürchten lehrte

2003, 320 Seiten, etwa 20 Abbildungen, gebunden

ISBN 978-3-85791-442-3

 

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Kurze Inhaltsangabe

Ausgerechnet eine Schweizerin verlangte vom Zweiten Vatikanischen Konzil die Weihe von Priesterinnen. Im eigenen Land hatte Gertrud Heinzelmann nicht einmal das Frauenstimmrecht, gleichwohl erwartete sie vom Papst Gleichberechtigung. Damit brach sie 1962 ein religiöses Tabu und verursachte weltweit Schlagzeilen.

Aufgewachsen in einer liberalen Kaufmannsfamilie, wollte sie schon in den 1930er Jahren zum Zürcher Frauenstimmrechtsverein. Sie wurde Bergsteigerin, Anwältin und erste Schweizer Ombudsfrau. Prägend waren die emanzipierte Mutter, die aristokratische Grosstante und der erfolgreiche Onkel in Brasilien. Ungewöhnlich war ihre Beziehung mit einem Priester, der einst ein amerikanischer Radiostar war, am Konzil als Berater teilnahm und für ihre Sache eintrat.

Barbara Kopp lernte Gertrud Heinzelmann in ihren letzten Lebensjahren kennen. Mit Lust am Erzählen zeichnet die Autorin ein reichhaltiges Zeitbild und das farbige Porträt einer Vordenkerin von internationalem Format.

Barbara Kopp, 1964 in Zürich geboren, studierte Germanistik und Geschichte. Sie arbeitet als Journalistin und realisierte für das Schweizer Fernsehen den Dokumentarfilm «Gertrud Heinzelmann Pionierin aus Berufung». Er wurde an den Solothurner Filmtagen 2001 gezeigt und von deutschsprachigen Fernsehanstalten ausgestrahlt.

 

Textprobe

Inhalt

 

Mit Fenster gegen die Berge

Die Gymnasiastin geht ihren Vorlieben nach, die nicht dem entsprechen, was in Zeiten von Wirtschaftskrise und aufkommendem Faschismus von jungen Frauen erwartet wird.

 

Die Sippe und ihr Selbstbewusstsein

Eine katholische Familie demonstriert aristokratische Herkunft und liberale Gesinnung. Die Mutter erzieht ihre Älteste zu Enthaltsamkeit, zu kritischem Denken und Selbstbestimmung.

 

Revolutionäre Stimmung beim Kartoffelanbau

Die Doktorandin der Rechtswissenschaften ringt im Zweiten Weltkrieg mit der katholischen Kirche und verfasst ihre Grundsatzerklärung. Sie überschätzt ihre Kräfte und bricht zusammen.

 

Vom «Ochsen» zum «Hirschen»

Bedingungslos kämpft die Juristin für das Frauenstimmrecht, doch die Schweizer Männer sagen Nein zur Gleichberechtigung. Von der zweiten Heimat ihres Onkels verspricht sie sich das grosse Glück.

 

Im Jardim Botânico

Die brasilianische Utopie hält nicht stand. Beschieden ist der Schweizerin aber eine zukunftsweisende Begegnung mit einer Bernburgerin, die bei der Erklärung der Menschenrechte dabei war.

 

Der Bildersturm für die halbe Menschheit

Wieder in der Schweiz, fordert die Unbeirrbare vom Zweiten Vatikanischen Konzil die Zulassung von Frauen zum Priestertum. Ihre avantgardistischen Forderungen gehen um die Welt.

 

Eine Freundschaft mit Vorbehalten

Die Vordenkerin freundet sich mit dem Konzilsmitarbeiter der amerikanischen Bischöfe an, der in jungen Jahren ein Radiostar war. Die beiden streiten unversöhnlich und mögen sich trotzdem leiden.

 

Standfestigkeit im Gegenwind

Die Kirchenkritikerin findet in Deutschland endlich Gleichgesinnte, die mutig mit ihr weiterkämpfen. Im Petersdom versuchen die Konzilsväter, sich der lästigen Frauenfrage zu entledigen.

 

Eine leichte Verschiebung

Die Suffragette steht auf dem Höhepunkt ihrer beruflichen Laufbahn. Sie treibt die Frauenstimmrechtlerinnen weiter an, doch müde geworden, geht sie zu den jungen Feministinnen auf Distanz.

 

Geographie einer Behausung

Spät sieht die Pionierin die Frauen im Genuss des Stimmrechts. Die Diskriminierung durch die katholische Kirche kränkt sie weiterhin. Am Ende bleiben vier Buddhas und die Maria mit ihrem Kind.

 

Verzeichnis der Dialektworte und fremdsprachigen Ausdrücke

Dank, Quellen- und Literaturverzeichnis

Namenregister

 

Standfestigkeit im Gegenwind

Die Kirchenkritikerin findet in Deutschland endlich Gleichgesinnte, die mutig mit ihr weiterkämpfen. Im Petersdom versuchen die Konzilsväter, sich der lästigen Frauenfrage zu entledigen.

Am Abend vor der Konzilseröffnung gibt Weihbischof Walther Kampe aus Limburg, der Presseverantwortliche der deutschen Bischöfe, eine Orientierung für die deutschsprachigen Medienvertreter. Er hält vor vollem Saal, etwa zwei Hundert Journalisten sind gekommen, eine Rede zum bevorstehenden Konzil, langatmig und wenig konkret, danach gibt er das Wort an die Zuhörer weiter, Administratives und Organisatorisches soll geklärt werden. Im Publikum, mehrheitlich Männer in Krawatte und dunklen Anzügen, meldet sich eine junge Frau und stellt ihre Frage: «Sind auch Frauen zum Konzil eingeladen worden?»

Augenblicklich wird es still, ganzen Sitzreihen stockt der Atem, Köpfe drehen sich um. «Was für eine törichte und überflüssige Frage!», wird aus Recklinghausen das «Echo der Zeit» seiner katholischen Leserschaft zu bedenken geben. Oder der «Feuerreiter» aus Köln wird verständnisvoll erklären: «Sehr viele Journalisten sind nicht katholisch und fragen deshalb viele Dinge, die für den Katholiken selbstverständlich sind.» Die Frage verweist auf die Möglichkeit, dass auch Äbtissinnen und Nonnen zu Konzilssitzungen eingeladen werden könnten, wenn doch Vertreter von Männerorden als Zuhörer zum Petersdom Zutritt haben und selbst orthodoxe und protestantische Geistliche zur Konzilsbeobachtung berufen wurden. Einen Moment lang geschieht nichts im Saal, bis der Presseverantwortliche Walther Kampe sich gefasst hat und der Fragestellerin Trost spendet: Beim Dritten Vatikanischen Konzil, antwortet er, dann seien möglicherweise auch Frauen unter den Geladenen. Das Publikum bricht in Lachen aus, und das «Echo der Zeit» wird, um keine Zweifel unter seiner Leserschaft aufkommen zu lassen, beruhigend melden: «Die Fragestellerin war befriedigt, dass ihr wenigstens die Hoffnung auf ein neues Konzil gelassen wurde.»

Nach der Konferenz stellt sich der jungen Frau Placidus Jordan vor, der unter den Journalisten gesessen hatte, und erzählt ihr von Gertrud Heinzelmanns Eingabe. Die habe sie gelesen, habe sie, Josefa Theresia Münch, zum Pater gesagt, und natürlich wisse sie auch, dass Frauen nicht zum Konzil eingeladen seien, schließlich besitze sie ein Universitätsdiplom in katholischer Theologie. Sie habe bloß die Journalisten auf diesen Missstand aufmerksam machen wollen.

(…)

Pressestimmen / Rezensionen

Rd_tri.gif (202 Byte) Stimmen
Rd_tri.gif (202 Byte) Tages-Anzeiger vom 9. Oktober 2003
Rd_tri.gif (202 Byte) Schweizer Buchhandel 16/2003
Rd_tri.gif (202 Byte) Orientierung vom 15. Oktober 2003
Rd_tri.gif (202 Byte) Neue Luzerner Zeitung vom 21. Oktober 2003
Rd_tri.gif (202 Byte) Zürcher Unterländer vom 2. Januar 2004
Rd_tri.gif (202 Byte) forum vom 4/11. Januar 2004
Rd_tri.gif (202 Byte) WochenZeitung WoZ vom 15. Januar 2004
Rd_tri.gif (202 Byte) Limmatthaler Tagblatt vom 20. Januar 2004
Rd_tri.gif (202 Byte) Passagen (Frauenfragen) 1.2004
Rd_tri.gif (202 Byte) St. Galler Tagblatt vom 3. März 2004
Rd_tri.gif (202 Byte) Frauen bunt vom März 2004
Rd_tri.gif (202 Byte) Der Reussbote vom 22. März 2005
Rd_tri.gif (202 Byte) Freiburger Nachrichten vom 22. April 2005
Rd_tri.gif (202 Byte) Heilige Texte: Autorität und Sprache. Jahrbuch der Europäischen Gesellschaft für theologisch Forschung von Frauen 2004
Rd_tri.gif (202 Byte) VIP-Tip in der Berner Zeitung vom 29. Juni 2006 von Simonetta Sommaruga

Stimmen

«Nun gibts die Biografie der Frauenstimmrechts-Aktivistin, Pionierin der feministischen Theologie, ersten Ombudsfrau des Landes; Journalistin Barbara Kopp schildert den Weg einer Frau, die mit persönlicher Isolation und seelischen Schmerzen für ihren Aufstand bezahlte und doch bis zum Tod 1999 nie kapitulierte. Weil Heinzelmann in ihren Begrenztheiten gezeigt wird – die 68erinnen etwa waren der Bürgerlichen von aristokratischem Habitus zu linksfrech –, resultiert das herbe Porträt einer an der Retardiertheit der Schweiz leidenden Schweizerin.» Facts

«Unlängst ist von Barbara Kopp eine packende Biographie über Gertrud Heinzelmann erschienen, die auf subtile Weise zeigt, wie erbarmungslos die Geschlechter-Apartheid in der Schweiz des 20. Jahrhunderts Frauenleben zerstören konnte. Für Gertrud Heinzelmann (1914–1999), Anwältin, erste Schweizer Ombudsfrau und Bergsteigerin, Frauenstimmrechtskämpferin und Fürsprecherin des Frauenpriestertums, war die doppelte Entmündigung in Staat und Kirche so unerträglich, dass sie nicht nur ihr Geschlecht, sondern auch ihre Geschlechtlichkeit verwünschte. Und doch hat die Einzelkämpferin viel für die Sache der Frau erreicht und massgeblich zur Einführung des Frauenstimmrechts beigetragen.» Yvonne Denise Koechli, Berner Zeitung

«Die Autorin Barbara Kopp schrieb über diese starke Frau ein ebensolches Buch. Ihr Schreibstil führt den Leser fliessend und fundiert durch die Stationen eines Frauenlebens. Die Schweizer Geschichte wäre ohne Heinzelmann um einiges ärmer, und der Buchmarkt ebenso ohne dieses schönen Buches.» Der Bote vom Untersee

«Gertrud Heinzelmann litt persönlich stark unter der dreifachen Diskriminierung als Gläubige, als Berufsfrau und als politisch rechtlose Intellektuelle. Bis zu ihrem Tod 1999 lebte sie ein selbstauferlegtes Zölibat. Die Journalistin Barbara Kopp hat Heinzelmann 1998 und 1999 bei Interviews für ein Filmporträt kennen gelernt. Aus den Gesprächen, dem umfangreichen Nachlass der Frauenrechtlerin und ihrer Familie sowie Recherchen zum politischen und religiösen Hintergrund entstand ein spannendes Porträt der unbequemen Feministin.» Neue Luzerner Zeitung

«Barbara Kopp hat mit viel Akribie und unter Beizug von unzähligen Dokumenten die Lebensgeschichte dieser ungewöhnlichen Frau nachgezeichnet. Ein Glück, gibt es Frauen wie Barbara Kopp.» Schweizer Buchhandel

«Barbara Kopp hat ein aufwühlendes Buch geschrieben. Ich empfehle es allen, die an Orten wie dem Freiamt aufgewachsen sind..» Simonetta Sommaruga

 

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