![]() |
Marina Widmer und Kathrin Barbara Zatti Zwischen Birchermüesli und Lebensphilosophie Dagmar Liechti-von Brasch,
1911–1993, Chefärztin der ca. 280 Seiten, mit Abbildungen, Pappband ISBN 978-3-85791-567-3
|
||
|
|
|||
|
Dagmar Liechti-von Brasch, geboren 1911 in Estland, kommt nach dem frühen Tod der Mutter mit ihren Geschwistern nach Zürich, wo sie in der Familie ihres Onkels Max Bircher-Benner ein neues Zuhause findet. Sie studiert Medizin und wird Assistenzärztin in der Klinik des Onkels, dem Erfinder des «Birchermus», auch Apfeldiätspeise genannt. Nach seinem Tod 1939 übernimmt Dagmar Liechti-von Brasch, mittlerweile Mutter von vier Kindern, vorübergehend die Leitung der Klinik, ab 1949 wird ihr diese Aufgabe ganz übergeben. Es gelingt ihr, der Klinik zu neuem Aufschwung zu verhelfen und den ganzheitlichen Ansatz weiterzuentwickeln. Marina Widmer und Kathrin Barbara Zatti zeichnen Leben und Wirken der Ärztin Dagmar Liechti-von Brasch nach. Deren Schwierigkeiten, Beruf und Familie gerecht zu werden, klingen nur allzu vertraut und aktuell. Dass es ihr trotzdem gelungen ist, medizinische Pionierarbeit zu leisten, ist nicht nur im historischen Kontext bewundernswert. |
|||
![]() Marina Widmer, geboren 1956, Soziologin. Geschäftsleitung des Archivs für Frauen- und Geschlechtergeschichte Ostschweiz. Mitherausgeberin von «blütenweiss bis rabenschwarz. St.Galler Frauen. 200 Porträts» und der Monografie zu Elisabeth Gerter, «Nicht die Welt, die ich gemeint». Lebt und arbeitet in St.Gallen. |
|||
Kathrin
Barbara Zatti, geboren 1958, Historikerin, Sozialtherapeutin. Mitautorin
der Biografie von Elisabeth Pletscher, «Es gibt Dinge, die brauchen Zeit».
Lebt und arbeitet seit 2005 als Autorin, Fotografin und Fachfrau für
Traumatransformation in Trogen. |
|||
|
|
|||
|
Inhalt |
|||
|
Vorwort Werdegang 1911–1939 Schwarzhof Erinnerungen an die Mutter Der gefleckte Panther Onkelpapa Max Entscheidung Aussenseiterin Der kleine Revolver Ansporn und Bedrohung Lehrzeit in London Tod von Onkel Max Das Erbe 1939–1993 |
|||
|
Im März 2004 findet im Zurich Development Center am Zürichberg ein dreitägiges Symposium aus Anlass der 100-Jahr-Feier der Bircher-Benner-Klinik statt. Wo sich jetzt in dem topmodern umgebauten riesigen Komplex an privilegierter Lage hoch über dem Zürichsee mit Blick auf die Alpen Manager zu Seminarien treffen, liessen sich einst Patientinnen und Patienten aus der ganzen Welt im Sanatorium «Lebendige Kraft» mit der revolutionären Ordnungstherapie von Max Bircher-Benner behandeln. Die Klinik holte viele berühmte und bekannte Menschen nach Zürich, Thomas Mann beispielsweise beschreibt in seinem Tagebuch die «hygienische Zuchtanstalt» mit Augenzwinkern, auch Erika und Klaus Mann suchten die Bircher-Benner-Klinik auf. Zu Zeiten Max Bircher-Benners war Hermann Hesse ebenso Patient der Klinik wie später der englische Schatzkanzler Sir Stafford Cripps und der tunesische Präsident Habib Bourgiba, als Bircher-Benners Nachfolgerin Dagmar Liechti-von Brasch das Sanatorium leitete. Hundert Jahre nach der Gründung der Klinik befasst sich ein hochkarätig besetztes wissenschaftliches Symposium, moderiert von Dr. Eberhard Wolff, dem Leiter des Bircher-Benner-Archivs, hauptsächlich mit dem Therapiekonzept Max Bircher-Benners, seiner Ernährungslehre, deren Auswirkungen und seinem Beitrag zur Entwicklung der alternativen Medizin. Der Name des Klinikgründers, Pioniers, Ernährungsrevolutionärs, des Familien- und Firmenpatriarchen – zu Recht als einer der grössten Zürcher Ärzte und Menschenfreunde gewürdigt – ist allgegenwärtig. Hingegen erwähnt nur gerade die Schauspielerin Maria Becker, die anschaulich ihre Erfahrungen und ihre Genesung in der Klinik schildert, Bircher-Benners Nichte Dagmar Liechti-von Brasch, die als Chefärztin von 1947 bis 1980 das Erbe des Onkels erfolgreich weitergeführt hat. Ohne sie, das lässt sich aus der Rückschau sagen, wäre vermutlich in der zweiten Hälfte der 1940er-Jahre das Ende der stolzen Tradition der Klinik besiegelt gewesen. Was die «begnadete Ärztin» geleistet hat – auch wenn sie «nur» Birchers medizinisch-therapeutische Errungenschaften umgesetzt und erweitert hat – ist aussergewöhnlich, typisch und untypisch zugleich für eine Frau in einer Zeit, wo weibliche Berufstätigkeit als die unvermeidbare Ausnahme angesehen wurde. Zwar stand sie selten am Herd, doch war Dr. med. Liechti-von Brasch nicht nur eine herausragende Ärztin und Leiterin einer grossen, renommierten Privatklinik mit internationaler Ausstrahlung, sie war auch Ehefrau und Mutter von vier Kindern. Dass die Feier von hundert Jahren Bircher-Benner-Klinik ohne die Würdigung der langjährigen Chefärztin über die Bühne ging, blieb nicht ohne Folgen. Die drei Töchter übernahmen die Initiative, das Wirken von Liechti-von Brasch aufzuarbeiten. Die vorliegende Biografie ist das Ergebnis davon. Dagmar Liechti-von Brasch begann ihrerseits Ende der 1980er-Jahre mit autobiografischen Aufzeichnungen auf Tonband und führte diese in Form von Gesprächen zu Beginn der 1990er-Jahre mit der finnischen Schriftstellerin Kirsti Manninen – sie ist die Schwester von Matti Aukia, dem Mann von Liechtis jüngster Tochter Ruth – fort. Die Essenz ihrer persönlichen, beruflichen wie auch spirituellen Erfahrungen finden sich, ganzheitlich verwoben, in ihren Memoiren, die mehrere hundert Seiten Gesprächstranskriptionen umfassen. Mit Kirsti Manninen erarbeitete Dagmar Liechti-von Brasch bis kurz vor ihrem Tod die ersten beiden Kapitel ihrer Autobiografie. Nach deren Durchsicht schrieb sie am 20. Oktober 1992 an die finnische Freundin: «Zu unserem Buch: Ich habe ein Stück – so aus Distanz – gelesen und als persönliches Dokument wieder miterlebt. Da wurde mir aber klar, dass es nicht nur Einzelschicksal, sondern Zeitbild mit historischem Hintergrund sein muss. Es braucht einen Rahmen, d.h. Recherchen – mit der Entwicklung der Klinik, der Geschichte, der Politik. Es braucht Interviews mit Patienten & Mitarbeitern, Politikern jener Zeit u.s.w. Nur so hat das Buch und mein persönliches Leben einen soliden Hintergrund.» Der Wunsch von Dagmar Liechti-von Brasch begleitete uns bei unserer Arbeit: Ihre Biografie soll auch ein «Zeitbild» sein. Wir haben das Material, ihre Lebenserinnerungen, bearbeitet, rund um die Klinik recherchiert, mit ehemaligen Mitarbeiterinnen gesprochen, Ärztinnen der Klinik, Krankenschwestern, Patientinnen, Patienten und Freundinnen, die drei Töchter und eine der Enkelinnen von Dagmar Liechti-von Brasch interviewt. Abgesehen von den autobiografischen Aufzeichnungen fehlt ein Nachlass weitgehend. Nur Fotos und einzelne mehr zufällig erhalten gebliebene Dokumente, wie zum Beispiel Tagebücher von ihren Reisen, standen uns zur Verfügung. So sahen wir uns auch mit grossen Lücken konfrontiert. Das Bircher-Benner-Archiv in Zürich ist auf Max Bircher-Benner und dessen Familie ausgerichtet und beschränkt sich auf Patientendossiers. Weiteres Material aus der Bircher-Benner-Klinik befindet sich in Privatbesitz und ist nicht erschlossen. Bis anhin fehlen eine historische Untersuchung über das Wirken von Ärztinnen in der Schweiz und über die Bircher-Benner-Klinik. Aufgrund des Materials haben wir die Biografie in zwei Teile gegliedert. In einem ersten Teil, mehrheitlich von Kathrin Barbara Zatti verfasst, zeichnet sie unter dem Titel «Werdegang» Kindheit, Jugend und Ausbildung von Dagmar Liechti-von Brasch nach. Diese Ausführungen basieren hauptsächlich auf dem autobiografischen Material, ergänzt durch die wenigen Dokumente, die erhalten geblieben sind. Eine wertvolle Quelle sind die vielen Fotos aus jener Zeit, die auf einer anderen Ebene einen Zugang zu Dagmar Liechti-von Brasch ermöglichen. Zitate aus den autobiografischen Aufzeichnungen sind im Haupttext in Anführung gesetzt, auf den Nachweis in den Anmerkungen haben wir hingegen verzichtet. Wenn andere Quellen verwendet wurden, sind diese in den Anmerkungen nachgewiesen. Unterstrichene Begriffe und Namen verweisen auf zusätzliche Informationen im Anhang. Ihre Arbeit als Ärztin und Chefärztin der Klinik 1939–1980, die Lebensphase als Ehefrau und Mutter, das Frauenbild, von dem sie sich leiten liess, die Jahre nach ihrem endgültigen Rücktritt werden im zweiten Teil geschildert. Dagmar Liechti-von Brasch sieht sich in erster Linie als Nachfolgerin von Max Bircher-Benner. In ihrer Arbeit, die sie ganz in den Dienst der Patientinnen und Patienten stellt, nimmt sie sich als Person zurück. Die autobiografischen Texte, die sich auf diese Zeit beziehen, schildern immer weniger ihre persönliche Entwicklung und stellen zunehmend ihre medizinischen Erfahrungen und Überzeugungen dar. Für den zweiten Teil, hauptsächlich von Marina Widmer geschrieben, stützen wir uns deshalb neben den autobiografischen Tonbandaufzeichnungen auf Recherchen in Archiven und, um die Geschichte der Klinik aufzuarbeiten, auf Gespräche mit ehemaligen Krankenschwestern, Angestellten und Ärztinnen der Klinik sowie auf Gespräche mit ihren Töchtern und einem Schwiegersohn. Marina Widmer, Kathrin Barbara Zatti |
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
«Der Stärke dieser Frau kann man sich lesend kaum entziehen.» Neue Zürcher Zeitung «Ein faszinierendes
Buch über eine aussergewöhnliche Zürcherin des 20. Jahrhunderts.»
Tages-Anzeiger |
|||
|
|
|||
|
© Limmat Verlag |