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Aurelio Buletti Nicht jedes Staunen ist ohne Stimme / Non ciascuno stupore è senza voce Gedichte 1970–2009 Ausgewählt und übersetzt von Christoph Ferber und mit einem Nachwort von Giovanni Orelli 112 Seiten, gebunden ISBN 978-3-85791-601-4 |
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«Der Poet ist kein Snob, der die Wirklichkeit verachtet / nein, er will sagen, wie sie ihm erscheint», schreibt Aurelio Buletti. Das ist sein Credo, seine Ästhetik, seine Lyrik. Sie ist von verspielter Leichtigkeit, elegant und doch im Alltäglichen verhaftet; sie soll ein Vergnügen sein, und sie soll den Dialog aufnehmen mit den Leserinnen und Lesern, sie zu unverhofften Gedankensprüngen verführen. Buletti liebt die epigrammatische Kürze, die verblüffende Wende, die ironische Reflexion, die aphoristische Prägnanz. Seine Gedichte handeln von der Liebe, der Zeit, der Zerbrechlichkeit des Lebens und vom Schreiben selbst. Und bei aller Verspieltheit und Ironie sucht er doch eine Orientierung am Leben, dem sein Schreiben dienen soll: «Wenn ich dem Leser irgendwie nützlich sein könnte, wäre ich sehr glücklich.» |
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Vorbemerkung Aurelio Bulettis Gedichte entziehen sich jeder Etikettierung. Man konnte von Momentaufnahmen des Menschlichen sprechen, von kurzen, intensiven, meist ironisch-verspielten Reflexionen eines Meisters der Kleinkunst, von Versaphorismen, die das Paradoxe ebenso lieben wie das Gewohnliche, das Wahrscheinliche wie das Unwahrscheinliche. In einem Gedicht (Innumerevoli pagine) erzahlt uns der Autor von einem unwahrscheinlichen , womoglich improvisierten Kellner. Ein ebensolcher Schreiber mochte er sein, immer dabei, sich zu unterbrechen , alles aufzugeben, zu fliehen. So hat denn Buletti (im Gegensatz zu etlichen, auch weniger begabten Dichtern der Schweiz) jahrzehntelang uberhaupt nichts unternommen, um sich Publizitat zu verschaffen. Ein scheuer Mensch, der das Inkognito liebt, das er aber nun, nachdem er das Pensionsalter erreicht hat und rund ein Dutzend schmale Buchveroffentlichen vorweisen kann (alle ubrigens in Klein- oder Kleinstverlagen erschienen), nicht mehr ganz bewahren kann. In den letzten Jahren ist man, zumindest in der Schweiz, doch auf ihn aufmerksam geworden (auch in Italien kennt ihn seit langerem ein kleiner Kreis von Aficiondos, sein zweiter Lyrikband ist ubrigens in Sardinien erschienen). Dieser Aufmerksamkeit verdankt sich ein (eher widerwillig gegebenes) Interview in Viceversa Literatur (2007) sowie ein langerer Aufsatz von Gilberto Isella in den Quaderni Griogionitaliani (2006, Nr. 3). Ein Band mit ins Deutsche ubersetzten Erzahlungen und Kurzgeschichten ist zwar schon 1989 in Zurich erschienen, die Gesamtubersetzung der drei ersten Gedichtbande liegt seit 1998 in franzosischer Sprache vor, aber von einem Durchbruch kann immer noch nicht die Rede sein. Liegt das vielleicht daran, dass Buletti doch eher ein Dichter fur Liebhaber ist? Oder gar ein Liebhaber-, ein Sonntags -Dichter? Man konnte wirklich meinen, viele seiner Gedichte seien an einem Sonntag geschrieben worden (und sind es wohl auch, denn Buletti war wahrend der Woche mit seinen Schulern 6 beschaftigt), denn sie kommen frisch, friedlich und schon frisiert daher, quasi im Sonntagskleid, und strahlen Sonne und Warme aus, und warum auch nicht: Liebe, nicht zuletzt Liebe fur Gio, seine Ehefrau und Muse, der er das Gedicht Fragen , eines der schonsten dieser Auswahl, widmet: Wer hat dir Zoccoli
gemacht, Hier gelingt es Buletti, zumindest seinem Staunen eine Stimme zu geben, dem Staunen eines Dichters, der das Staunen des Kindes bewahrt hat und der sicher um einiges weniger ironisch ist als seine Muse, der ich diese Ubersetzungen widmen mochte. Der Abend, den ich in ihrer und ihres Mannes Gesellschaft verbringen durfte, ist mir unvergesslich und hat mir eigentlich erst den Schlussel zu Aurelio Bulettis Poesie gegeben. Dafur sei Giovanna Roncoroni Buletti ebenso bedankt wie Anne Broger, die diesen Band liebevoll lektoriert hat. Christoph Ferber |
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