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Pietro De Marchi Der Schwan und die Schaukel / Il cigno e l’altalena Gedichte und Prosastücke 1990–2008 Italienisch und deutsch 2009, Ausgewählt und übersetzt von Christoph Ferber Mit einem Nachwort von Fabio Pusterla 216 Seiten, gebunden ISBN 978-3-85791-580-2
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Pietro De Marchis Poesie richtet den Blick auf Alltägliches und Absonderliches in der Welt, aber die grossen Themen wie Leben und Tod scheinen immer darin auf, sie werden sichtbar in der Konfrontation von Schönheit und Schmerz. Oft durchzieht eine leichte Ironie seine Gedichte, in der Gegenüberstellung von traumatischen Ereignissen und Alltäglich-Banalem kann der Ton aber auch bitter werden. Doch im Gesamten überwiegen heitere, manchmal auch humoristische Töne. Ob eine Erinnerung an die Kindheit oder eine Beobachtung in der Natur, immer erzählt De Marchi die Welt in lautlich wie formal subtiler Sprache, immer erscheint uns die Welt im Gespräch zwischen Klang und Bedeutung, zwischen Rhythmus und Sinn. Die 92 Gedichte und Prosastücke für dieses Buch hat Christoph Ferber aus den beiden Bänden «Parabole smorzate» und «Replica» ausgewählt und übersetzt. Einige bisher unveröffentlichte Gedichte und Texte ergänzen die Ausgabe. |
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Gegen den Ansturm der Zeit Zur Lyrik von Pietro De Marchi Auszug aus dem Nachwort von Fabio Pusterla In der Einfuhrung zu Parabole smorzate (Gedampfte Parabeln), der ersten Gedichtsammlung von Pietro De Marchi, hat Giorgio Orelli sofort im Begriff arguzia (von arguto: scharfsinnig, schlau, geistvoll, witzig) das charakterisierende Element dieses mit auserwahlter Kost genahrten Autors erkannt. Die auserwahlte Kost (wortlich: roba scelta) sind die vielen und erlesenen Werke der Weltliteratur, die De Marchi weitgehend metabolisiert hat und dem Leser auf originelle Weise, unverhohlen und eben scharfsinnig, zuruckerstattet. Der Scharfsinn ist vor allem Scharfsinn des Blicks, Ironie, die mit ihrem sanften Licht die Szenarien oder Abgrunde erhellt, in die De Marchi sich einschleicht und die er mit einem Lacheln zu ergrunden sucht, einem angesichts der vielfaltigen und widerspruchlichen Aspekte der Wirklichkeit teils heiteren, teils bitteren Lacheln. Aber gleichzeitig ist es auch Scharfsinn des Wortes, ernstes und stets knisterndes Spiel mit den Silben, mit der Modulation von meist halblauten, aber insistierenden Frequenzen, welche sozusagen von unten die Sprache eroffnen, sie in Bewegung setzen und manchmal zum Sieden bringen.Parabole smorzate war denn auch das erste offizielle Buch von De Marchi; fur seine Freunde aber war er als Lyriker seit langem kein Unbekannter mehr, hatten doch die Erfahrungen, die in den Jahren zuvor herangereift waren, in verschiedenen, meist entlegenen und leichten , eben weniger offiziellen Veroffentlichungen Platz gefunden. Es handelte sich um Texte, die sich mit grosser Freiheit in einer Vielfalt von stilistischen Registern bewegten, die sowohl scherzhaft-komisch, als auch serios-tragisch sein konnten. Dieser Vorgeschichte verdankt sich die heitere arguzia der Parabeln, welche den Leser mit einer uberraschenden Palette poetischer Losungen konfrontieren: diese fuhren vom Kehrreim uber das Scherzgedicht, das kindliche (oder volksetymologische) Wortspiel bis hin zu Regionalismus und Dialekt. Doch all diese Ingredienzien beschranken sich nicht aufs Vorfuhren einer technischen Bravour (oft in festem Versmass und mit Reim) oder auf die Prasentation eines Kaleidoskops von Figuren und Bildern; De Marchis Scharfsinn will anderes: Er versucht, den zerbrochenen Spiegel der Welt, mit all ihren Lichtpunkten und schrecklichen Wunden, wieder zusammenzufugen, wobei aber die Dramatik weitgehend verheimlicht oder gar aufgelost wird. Die Abschwachung, die Verhullung, die gedampfte Parabel des Tennisspielers, der damit den Rhythmus seines Gegners zu brechen sucht, die Antwort auf die Rohheit der Welt mit Scharfsinn und einem alles entwaffnenden, freundlichen Lacheln: Es sind dies die Facetten von De Marchis Scharfsinn, der sogar eine Art zu leben wird, eine Art, das eigene und das Leben der anderen zu betrachten: Anteil nehmend, mit Mitleid aber auch Mitfreude , und doch heiter und aus einer Distanz, die dem Ich nur wenig Raum gewahrt. Brauchen wir das Ich, so scheint uns De Marchi zu sagen, aber nehmen wir es nicht allzu ernst, benutzen wir es in erster Linie fur das, was es wert ist: als Ausgangspunkt, als privilegiertes Observatorium. Allein schon der Titel Gedämpfte Parabeln hatte dem Leser einiges suggerieren mussen. Die Metapher, oder vielleicht besser die Allegorie aus der Welt des Tennisspiels wird sofort, in einem der ersten Gedichte des Bandes, dem Titelgedicht, explizit. Die zweite Strophe, deren kadenzierter Rhyhtmus mit ihren kurzen, akzentuierten Silben das Toc toc des Balls wiedergibt, lautet: Du aber brich seinen Rhythmus Doch der Sinn des Bildes kompliziert sich, wenn man bedenkt, dass das Beschwichtige oder Dampfe auf einen Passus aus Alessandro Manzonis Verlobten hinweist, welchen De Marchi dem Gedichtband als Epigraph vorausstellt: oder er beschwichtigt, oder lasst einfach aus, je nachdem wie es ihm scheint, es diene besser der Sache (I Promessi Sposi, Kap. xxvii). Die Stelle ist bedeutsam, denn sie kann auch als Reflexion uber das Schreiben, uber die Rolle des Schriftstellers gelesen werden. Manzoni erzahlt da, wie der Bauer, der nicht schreiben kann sich jemandem anvertraut, der die Kunst des Schreibens beherrscht, einem Literaten , der die Aufgabe ubernimmt, zu interpretieren und aufs Papier zu bringen, wobei naturlich auch geandert, missverstanden, gekurzt oder auch nur an die Gepflogenheiten des Schriftverkehrs angepasst werden kann. De Marchi will uns also sagen, dass der Dichter vielleicht nur ein Mittelsmann ist, jemand, der die Wirklichkeit nur beschreibt (oder besser: schreibt ), aus ihr also etwas Schriftliches macht. Aber da die Wirklichkeit sich nicht selber sagen oder erzahlen kann, geht er das Risiko ein, sie zu verraten, zu falschen; durch die Distanz, die er notgedrungen einnehmen muss, riskiert er aber auch, zeitweise sich selbst, seine eigene Zentralitat aufzugeben. (…) |
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«Die Entdeckung einer Welt in der Welt, wieder mit Sprachkraft und Einfühlungsvermögen herausragend übersetzt von Christoph Ferber, dazu ein Nachwort, kenntnisreich und umfassend von Fabio Pusterla.» Kunstportal Baden-Württemberg |
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«Pietro De Marchi zeigt sich als klangsensiblen Poeten, der alltägliche Beobachtungen zu Versen von schlichter Schönheit verdichtet. Der Ton ist bisweilen herb, öfter aber von leiser Ironie durchzogen. Kindheitserinnerungen wechseln sich ab mit Naturbetrachtungen, im scheinbar Banalen spiegeln sich Zeit und Tod. Die zweisprachige Ausgabe lädt zu gedanklichen Expeditionen in eine faszinierende Welt der Lautmalerei ein.» NZZ am Sonntag «Pietro de Marchi verzaubert das Alltägliche, indem er es festhält und damit aus dem Alltag heraushebt, es in Beziehung setzt zu Erinnerungen, fortführt in kindlich-skurrile Phantasien oder weitet zu einer transzendenten Dimension. Der Band enthält eine Vielfalt metaphorischer stills, deren Symbolgehalt sich wie natürlich ergibt aus den sparsam zusammengefügten Elementen – und aus dem, was verschwiegen wird. De Marchis verknappte Zeilen wirken wie Notizen, aufgeschrieben aus einer plötzlichen Eingebung, die Offenbarungscharakter hat. Wir kennen jene Augenblicke, in denen ‹etwas› klar zu werden scheint. Der Dichter hält dieses Etwas in Skizzen fest; unprätentiös steht es da und vibriert dennoch nach im Resonanzraum des Gemüts. Epigramme, Annagramme – de Marchi spielt gewieft mit der Sprache. Er beherrscht den Vers, ohne sich ihm unterzuordnen; er verwendet Reim, Binnenreim, Assonanz, ohne mit den rhetorischen Mitteln zu protzen. Understatement überall. Christoph Ferber hat mit feinem Gefühl für den Rhythmus, Sprachwitz und sanft ironischen Tonfall des Autors übersetzt. Man lässt sich gerne bezirzen von diesem Buch.» Neue Zürcher Zeitung «Bereits der Titel, ‹Der Schwan und die Schaukel›, lässt die Stimmung einer vollendeten Poesie des Wesentlichen aufkommen. Wenn man sich in die Lektüre vertieft, wird sich der Leser von dieser Stimmung umflossen fühlen. Eine Musikalität, eingefasst in den Gedanken, der fliegt, eine durchlittene Sanftheit, eine leise Ironie, die weder dem Dichter noch dem Leser wehtut; das sind die Besonderheiten von Pietro De Marchi, eines Literaten, mit dem man nicht anders als im Einklang sein kann.» Tessiner Zeitung |
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