Daniel de Roulet

Die Tänzerin und der Chemiker /
La danseuse et le chimiste

Neun undisziplinierte Begegnungen zwischen Kunst und Wissenschaft
Neuf rencontres indisciplinées entre artistes et scientifiques.

Zwillingsbuch französisch und deutsch, in Zusammenarbeit  mit Editions Labor et Fides, Genève)

Deutscher Text übersetzt von Maria Hoffmann-Dartevelle

116 Seiten, Klappenbroschur

ISBN 3 85791 417 3

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Rd_tri.gif (202 Byte) Stimmen

Kurze Inhaltsangabe

Können sich Wissenschaftlerinnen und Künstler über etwas unterhalten – abgesehen vom Wetter? Die Stiftung Science et Cité hat im Rahmen der Expo. 02 neun dieser unmöglichen Dialoge organisiert, und Daniel de Roulet hat sie beobachtet: Wie Tänzerin und Chemiker über ihren disziplinären Schatten springen, Maler und Arzt den Rahmen sprengen, Biologin und Regisseurin experimentieren, Soziologin und Theaterdirektor aus der Reihe tanzen, Künstlerin und Zoologe ins Offene treten …

Rd_tri.gif (202 Byte) Die Teilnehmenden

Textprobe

Inhalt

Vorwort
von Charles Kleiber

Die Tänzerin und der Chemiker
Anna Huber und Kurt Wüthrich

Die Videofilmerin und der Philosoph
Marianne Müller und Hans Saner

Die Theologin und der Filmemacher
Ruth Baumann-Hölzle und Stefan Haupt

Der Architekturkritiker und der Literaturkritiker
Andreas Ruby und Peter von Matt

Die Biologin und die Regisseurin
Marisa Jaconi und Anne Bisang

Die Architektin und die Philosophin
Inès Lamunière und Luce Irigaray

Die New Yorker Künstlerin und der Zoologe
Katia Bassanini und Denis Duboule

Die Soziologin und der Theaterdirektor
Claudia Honegger und Michael Schindhelm

Der weisse Maler und der schwarze Arzt
Paul Viaccoz und Souleymane Mboup

Postskriptum

Vorwort

Die Bindung zwischen Wissenschaft und Gesellschaft ist unzureichend. Jeder Sechste auf dieser Erde ist ein Chinese, der indische Subkontinent zählt fast eine Milliarde Einwohner, und in der Schweiz sind Chinesisch, Sanskrit und Asiatische Studien nur kleine Fachgebiete. Über eine Milliarde Menschen beten zu Allah, der Islam hält uns in Atem, und seine Geschichte, seine Vielfalt, seine Texte, seine Sprache werden im stillen Kämmerlein gelehrt. Wir befinden uns auf einem langen Marsch nach Europa, aber Europa als Zivilisation und politischer Raum entzieht sich der Kenntnis der Mehrheit unserer Studenten, die sich eines Tages zum Beitritt werden äussern müssen. Die Hauptursachen der Sterblichkeit in der Welt sind Lungen-, Durchfall- und perinatale Krankheiten; dennoch befasst sich die Forschung im Wesentlichen damit, die Spuren des Alters zu beheben. Denn Wissenschaft und Technik entwickeln sich in eine Richtung, die entweder der Zahlungsfähigkeit jener entspricht, die von ihnen profitieren – und nach dieser Logik ist ein industrialisierter Weisser allemal viel teurer als ein Schwarzer, ein Gelber oder ein «in Entwicklung befindlicher» Weisser – oder im Sinne der gegenwärtigen Wissensorganisation und Wahrung der inneren Gleichgewichte an unseren Hochschulen. In jedem Falle trägt diese Entwicklung den Fragen der Gesellschaft nicht genügend Rechnung. «Ich habe Antworten», sagt die Wissenschaft zur Gesellschaft, «hast du Fragen?» – «Ich habe Kunden, hast du Vorschläge?», sagt die Wirtschaft zur Wissenschaft. Die Bindung zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu stärken bedeutet also, den Prozess, bei dem verschwommene, teilweise unbewusste Fragen, Zweifel und Ängste in der Gesellschaft auftauchen und sich als zukünftige Studienobjekte anbieten, konsequent zu überdenken. Die Bindung zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu stärken, bedeutet auch, jenes Wissen zu erarbeiten, das für die Unternehmen unentbehrlich ist, welche – muss man noch daran erinnern? – unseren Wohlstand gewährleisten, also auch die Möglichkeit, öffentliche Politik und Hochschulen zu finanzieren. Die konsequente Beschäftigung mit den drängenden Fragen und dem notwendigen Wissen stellt also eine Suche im Dienst der Gesellschaft dar. Sie muss frei, gründlich, fordernd und systematisch sein und die Zivilgesellschaft, die Wirtschaft und die Wissenschaft mit einbeziehen. Bei dieser Beschäftigung wird die Wissenschaft ihre Unabhängigkeit und ihre Autorität, ihre Autonomie und ihre Nützlichkeit behaupten, und zugleich wird dabei der Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft konkrete Ge-stalt annehmen.

Die folgenden Texte fassen neun Begegnungen zusammen, die im Sommer 2002 auf den Arteplages der Schweizerischen Landesausstellung stattgefunden haben. Bei jeder dieser Begegnungen hat sich ein Wissenschaftler oder eine Wissenschaftlerin mit einer Persönlichkeit aus Kunst und Kultur unterhalten. Eine Stunde lang haben sie sich unter einer Zeltkuppel in der intimen Atmosphäre einer ersten Begegnung vor einem wohlwollenden Publikum präsentiert.

Können Wissenschaftler und Künstler auch noch über etwas anderes reden als das Wetter? Sind sie fähig, von ihrer Arbeit oder von der Arbeit ihres Gegenübers zu sprechen? Finden sie bei einem sol-chen Austausch die richtigen Worte?

Die Stiftung Science et Cité ist es gewohnt, Treffen zu fördern. Seit vier Jahren organisiert sie Runde Tische, «Wissenschafts-Cafés», und baut Netzwerke auf. Höhepunkt dieser Bemühungen war ein Festival, das im Jahr 2001 ein Publikum von 300 000 Personen erreicht hat. Diesmal ist die Stiftung zur einfachsten Form des Dialogs zurückgekehrt: zwei Personen und ein Moderator.

Neunmal wurden zwei Personen eingeladen. In den meisten Fällen hat die eine die andere ausgewählt, ohne sie jemals gesehen zu haben. Die eine kannte die Werke der anderen, ihren Ruf oder ihre phänomenalen Honorare. Die eine träumte von einem Streitgespräch, die andere trieb reine Neugier an.

Dreimal wurden an drei verschiedenen Seen die Bedingungen für den Dialog geschaffen. Nur ein Zelt, Stühle und die Ruhe eines Sonntagmorgens am Wasser.

Das Überraschendste an diesen Begegnungen war, dass die Verständigung nicht so ablief, wie man es sich anfangs vorgestellt hatte. Die Positionen waren nicht im voraus festgelegt, sondern entwickelten sich im Lauf des einstündigen Gesprächs. Da trat nicht die Wissenschaft als Ganzes gegen die Künste als solche an. Da stand nicht die Gemeinschaft aller Künstler der geballten Gemeinschaft der Wissenschaftler gegenüber. Es war vielmehr ein persönlicher Austausch, angefüllt mit Augenblicken faszinierten Staunens und zahlreichen Zweifeln. Zwei Biographien berührten sich für einen Moment.

Unterschiedliche Positionen wurden diskutiert, Erfahrungen stiessen aufeinander, man teilte Unsicherheiten. Um den Ablauf dieser Begegnungen wiederzugeben, schien ein freier Ton geboten, eine fröhliche Disziplinlosigkeit, ein frecher Blick. All das steckt in den nachfolgenden Seiten

Charles Kleiber
Staatssekretär
Präsident der Stiftung Science et Cité

Stimmen zum Buch
Pressestimmen

«Diese Dialoge fängt de Roulet meisterhaft ein. Dabei beschränkt er sich bei weitem nicht auf die Diskussionsthemen, sondern fängt die Atmosphäre der sonntäglichen Matinees ein. Die Stimmung im Publikum kommt ebenso zur Geltung wie die Präsentation der Gesprächspartner auf der Bühne, ihre Kleidung, ihre Gestik. Er beschreibt, wie das Gespräch oft harzig in Gang kommt — jeder Partner ist auf seine Kunst oder Wissenschaft und darauf, wie sie beim Gegenüber ankommen, fixiert — und lässt den Leser an den oft verblüffenden Wendepunkten teilnehmen. Weit mehr als ein Expoerinnerungswert, eine intellektuelle Freude und Diskussionsgrundlage für Menschen jeden Alters.» Schweizer Biblitheksdienst

 

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