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Remo Fasani Der reine Blick auf die Dinge Gedichte Italienisch und Deutsch Ausgewählt und übersetzt von Christoph
Ferber 2006, 190 Seiten, gebunden ISBN 3 85791 500 5 |
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Der Laut aller Laute, das Schweigen Remo Fasanis Gedichte kommen aus der Stille, aus der Stille einer Landschaft, aus der Stille, wenn die Elemente in der Schwebe ruhen, vor dem Sturm, nach dem Schnee. Aber auch aus der Stille eines Ichs, das entrückt vom Getriebe der Welt die Bedrohungen zu bannen versucht, in Bildern einer in wenigen Strichen gezeichneten Natur: «Doch eng wird dieser Himmel / zwischen den Gipfeln; / über den Abgründen stehen / die Tannen in dunkler Phalanx.» Mit diesem zweisprachigen Gedichtband wird der Lyriker Remo Fasani erstmals einem deutschsprachigen Publikum vorgestellt. Das Buch umfasst einen Querschnitt durch sein Schaffen von den ersten Gedichten im Jahr 1944 bis in die Gegenwart und enthält einen grossen Teil der bisher unveröffentlichten «Novinari» (Neunzeiler), sein «Vermächtnis». |
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Worte der Stille im Lärm der Welt von Georges Güntert Der nach Mexiko ausgewanderte, dem Buddhismus nahestehende toskanische Schriftsteller Carlo Còccioli berichtet in seinem Tagebuch Piccolo karma von seiner Erfahrung mit den grossen lateinamerikanischen Erzählern – García Márquez, Vargas Llosa, Carlos Fuentes – alles weltberühmte Autoren, deren Romane jahrzehntelang die Bestsellerlisten anführten, was Còccioli sehr wohl wusste. Dennoch überwiegt in seinem Kommentar nicht die Bewunderung, sondern die Kritik, die umso ernster zu nehmen ist, als sie auf das Ganze zielt: «Vielleicht ist dies gute Literatur», schreibt er, «doch ich finde daran nichts Faszinierendes. Es fehlt die Auseinandersetzung mit dem Grund unseres Daseins, dem einzigen, was zählt: il mistero dell’essere.»1 Die Erfahrung der eigenen Existenz nicht nur im gesellschaftlichen Umfeld, sondern primär im Hinblick auf das Sein: Darum kreist im Wesentlichen die Dichtung des aus dem Misox stammenden, heute in Neuchâtel lebenden Remo Fasani (geboren 1922), der als ehemaliger Literaturprofessor, als Übersetzer und als Lyriker auf ein erfülltes Leben zurückblicken darf. Sein Lebensweg hat ihn, den einstigen Bauernjungen, früh aus dem engen Gebirgstal hinausgeführt, zuerst nach Norden – an das Lehrerseminar Chur und an die Universität Zürich –, dann aber auch nach Süden in die Wiege der Italianità, durfte er doch das akademische Jahr 1950/1951 in Florenz verbringen. Hier wie dort hatte er das Glück, grossen Lehrerpersönlichkeiten zu begegnen: In Zürich studierte er bei Jakob Jud, Theophil Spoerri, Emil Staiger, Fredi Chiappelli und Reto Bezzola, bei dem er über Manzoni promovierte; in Florenz waren es so bedeutende Philologen und Literaturkenner wie Attilio Momigliano, Giuseppe De Robertis, Bruno Migliorini sowie der Kunsthistoriker Roberto Longhi, die ihn prägten. Daneben bot sich ihm die Gelegenheit, das Florentiner Literatenmilieu kennen zu lernen, in dem schon damals Mario Luzi die herausragende Gestalt war. Mit Cristina Campo (eigentlich: Vittoria Guerrini, 1923–1977), die ihn mit den Schriften Simone Weils bekannt machte und ihn in die Kunst der alten Meister, besonders Masaccios, einführte, verband ihn bald eine enge Freundschaft, die auch in seinem Werk Spuren hinterlassen hat. Der Titel unseres Bandes, Der reine Blick auf die Dinge, nimmt einen an Cristina Campo erinnernden Vers wieder auf.2 Im Geiste des Autors hätte der Titel indes auch ganz anders lauten können, beispielsweise «Meditationen» oder «Worte der Stille im Lärm der Welt». Das Gedicht Ars poetica, in dem ein «florentinisches Mädchen» auftritt, erleichtert uns den Zugang zu Fasanis Poetik: Ars poetica Florentinisches Mädchen, Du verstandest; doch wolltest du, getreu Dass das dichterische Wort, einmal dem Lärm des Alltags enthoben, aus der Stille zu uns spricht und gerade durch sein Entrücktsein an Bedeutungskraft gewinnt, ist eine Erkenntnis, die der junge Fasani bei Ungaretti und bei den Hermetikern (Quasimodo), seinen ersten Vorbildern, vorfinden konnte. Diese wiederum verstanden sich als Schüler Leopardis. Wer je ein Gedicht des reifen Leopardi – beispielsweise A Silvia – gelesen hat, weiss, warum der Dichter zu einer Toten spricht und sie nur durch die Kraft der Sprache wieder aufleben lässt. Leopardis Worte erklingen aus der Tiefe des Schweigens, als hätten sie das Totenreich durchquert. Das Gespräch mit einer Toten ist indessen nur ironisch denkbar: in der Literaturtheorie bezeichnet man diese Sprechsituation als ironische oder ästhetische Distanz. (…) |
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«Die nun erscheinenden Gedichte reichen von 1942 bis in die Gegenwart. Christoph Ferber hat sie mit Sorgfalt übersetzt. Das Hauptgewicht liegt auf Fasanis Gedanken- und Naturlyrik; aber auch seine polemischen Attacken sind mit schönen Beispielen vertreten. Die Bündner Berglandschaft ist für Fasani vom ersten bis zum jüngsten Gedichtband ein Leitmotiv geblieben; vor allem das obere Misox seiner Kindheit mit den düsteren Tannenwäldern, den kleinen und grossen Wasserfällen, der imposanten Burgruine von Mesocco und der mythischen Hochebene des Piano di San Giacomo. Später wird das Oberengadin zum bevorzugten Ort, wo Fasani im Hotel Waldhaus in Sils Maria jeden Sommer seine Ferien verbringt und die Landschaft des Hochtals erwandert. (…) Als Nachtrag bleibt zu erwähnen, dass dieser Band auch 40 von 99 Novenari enthält, die bisher nur zum kleinsten Teil veröffentlicht urden. Es handelt sich um neunzeilige Gedichte mit jeweils neun Silben pro Zeile. Fasani sind in dieser äusserst strengen Form Gedichte von grosser Präzision und Anmut gelungen.» Neue Zürcher Zeitung «Seine Gedichte sind (für deutschsprachige Leser) eine wundervolle Entdeckung! Die schönsten, die späten vor allem, kreisen allein um einige Nuancen des Lichts, der Zeit, um lautlose Geräusche, leuchtenden Alpennebel, Konturem im Nichts. Und um die dünne, fast schon verlorene Grenze zwischen dem Leben und dem Tod.» Die Zeit «Dank des übersetzerischen Brückenschlags ist nun ein Teil des beeindruckenden poetischen Werks des Misoxer Dichters auch einer der deutschsprachigen Leserschaft zugänglich.» Mittelland Zeitung «Wie die von Christoph Ferber übersetzte zweisprachige Auswahl zeigt, lassen sich Fasanis Gedichte nicht auf die Schweiz eingrenzen, sondern gehören zur grossen italienischen Literatur. ... Ein gewaltiges Werk ist für das deutschsprachige Publikum erschlossen und doch nicht seines Geheimnisses beraubt worden.» Mittelland Zeitung «Noch ehe Sten Nadolny die Langsamkeit in der Literatur erfand, war
Fasani schon vor Ort und widersprach einem kurzfristigen Denken und dem
Absehen von Verantwortungsethik. Das wird in ‹Einem Nuklearforscher›
besonders deutlich: ‹doch die Jahrtausende, die unsere Nachkommen /
bedrohen, die Schuldlosen, die wir vielleicht / einem Massentod weihen,
erwähntest du kaum ...› «Fasani gelingt es mit minimalem Aufwand, Bilder vor uns hinzustellen, die kraftvoll sind, und doch nicht bedrohen; die Bedrohung zeigen, aber sie nicht bannen, aber sie auch als Möglichkeit hinstellen, damit umzugehen.» Kunstportal Baden-Württemberg |
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