Markus Schürpf

Albert Winkler

Fotografien 1950–1975

Vorwort Bernhard Giger

 

2011, 96 S., 93 Fotos + Abbildungen, Duplex + 4farbig

sFr. 38., € 31.50

ISBN 978-3-85791-645-8

 

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Kurze Inhaltsangabe

Albert Winkler ist ein zu Unrecht vergessen gegangener Schweizer Fotograf. Er schuf soziale wie Wirtschafts- und Industriereportagen und war zugleich der Fotograf der Berner Künstlerszene. Diese Monografie beleuchtet seine Biographie als vielseitigen Fotografen der Nachkriegszeit und trägt allen Schaffensbereichen Rechnung. Albert Winklers Werk sind geprägt von hohen ästhetischen Ansprüchen. Seine Bildsprache lässt Anlehnungen an den Humanen Realismus und den italienischen Neorealismo erkennen, und in den Reportagen kommt eine Sachlichkeit sondergleichen zum Ausdruck.Winkler porträtiert die Schweiz von innen - von Reportagen über «Käseteileten», Wasserrohrverlegungen oder eine Sprachheilschule über die Berner Künstlerszene um Harald Szeemann bis zu den Auftragsarbeiten für SBB, Post oder die Von-Roll-Werke.
Albert Winkler, geboren 1923 in Zürich. Nach Abschluss der Fotografenlehre folgten Reisen im Nachkriegseuropa und acht Jahre Arbeiten für Fotoateliers, hauptsächlich Porträts und Sachaufnahmen. 1953 Niederlassung in Bern, selbständiger Fotograf. Der Vater zweier Töchter verstarb 1978.
Markus Schürpf, 1961 geboren, Studium der Kunstgeschichte, Ethnologie, Architekturgeschichte an der Universität Bern.

Text

Bernhard Giger

Die Welt zeigen, wie sie ist

Ein Bergsteiger war Albert Winkler nicht. Aber der Berg scheint ihn angezogen zu haben wie die tollkühnen Männer, die in den 1950er Jahren, noch wenig gesichert und schlecht ausgerüstet, durch steil hochschiessende Felswände Gipfeln entgegenkletterten, die sie manchmal erreichten, oft aber auch nicht. Schwer zu sagen, was ihn gelockt hat, Abenteuerlust, extreme Erfahrungen, ein Gefühl von Freiheit. Vor Ort jedoch, am Eiger, am Matterhorn oder bei Einsätzen mit dem damals legendären Gletscherpiloten Hermann Geiger, war Albert Winkler zuerst und vor allem als Fotoreporter, er war dort, weil er einen Auftrag hatte, und nicht, weil ihn die Leidenschaft getrieben hat.

Bergsteigen war noch kein Breitensport. Die Bergsteiger galten als einsame Helden im Kampf gegen die Mächte und Launen der Natur, sie boten den Thrill und die Tragödien, aus denen gute Schlagzeilen gemacht sind. Albert Winkler wusste das zu nutzen, als Fotograf, aber ganz einfach auch physisch. Er muss damals, Mitte dreissig, über eine beneidenswerte Form verfügt haben: Als am 10. August 1957 eine internationale Rettungskolonne erfahrener Bergleute in Grindelwald aufbrach, um die Italiener Claudio Corti und Stefano Longhi aus der Eigernordwand zu retten, schloss Winkler sich ihnen kurzentschlossen an. Sie meinten, er gehöre dazu, und luden ihm eine Stahlseilrolle auf den Rucksack, in dem sich die Fotoausrüstung befand. So kam Albert Winkler, der Berichterstatter der «Schweizer Illustrierten », fast beiläufig zu einer Eigerbesteigung und war zugleich der weltweit einzige Fotoreporter, der in 3970 Metern Höhe Aufnahmen der spektakulären Rettung Claudio Cortis machen konnte, während Longhi nicht überlebte und in der Wand hängen blieb. Die Bilder der Rettung wurden nicht nur in der «Schweizer Illustrierten» abgedruckt, sie erschienen u.a. auch in «Life», «Paris Match», «Stern» und «Epoca».

Daheim in der Enge

Die Reportage der Corti-Rettung hätte ein idealer Einstieg in eine internationale Karriere sein können. Doch die Möglichkeiten eines Schweizer Fotoreporters der 50er Jahre waren begrenzt. Wer nicht fest für eine Fotoagentur arbeitete, sondern wie Winkler freischaffend war, konnte von der Reportagefotografie allein nicht leben und war auf Aufträge aus der Werbung angewiesen. Bei einem Ereignis wie der Corti-Rettung dabei sein und Bilder davon in die ganze Welt verkaufen zu können, war die Ausnahme. «Life» war nicht der Alltag, die Eigernordwand auch nicht, der Alltag war «Meyer’s Modeblatt», eine ins richtige Licht gerückte Druckmaschine, die wetterfeste Uniform des Pöstlers oder das neue Kursbuch der SBB. Winkler wusste das, er war realistisch genug, nicht abzuheben, auch wenn die Sehnsucht nach Welt ihn manchmal vielleicht fast zerrissen hat. Er kannte die Welt, als die Grenzen gegen 1950 wieder offen waren, ist er durch Europa gestreift, Spanien, Italien, Paris, dem Rhein entlang hinauf in den Norden. In Italien hat er Reispflanzerinnen fotografiert und eine stolze Fischerfamilie auf Capri, in Paris Verliebte, auf dem Rhein einen melancholischen Schiffer und in Stockholm junge, selbstbewusste Frauen, die rauchen und Vespa fahren.

(…)

 
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Empfangsstation für Gastarbeiter, Wallis, um 1960

Die Rettung Claudio Cortis aus der Eigernordwand, Eigergrat, 11. August 1957 Jugenderziehungsheim Erlach, um 1960
Tonaufnahme im Radiostudio Bern, um 1958 Rolf Iseli im Atelier, um 1965 Im Materiallager des Schweizerischen Roten Kreuzes, um 1960

Pressestimmen / Rezensionen

Rd_tri.gif (202 Byte) Der Bund, 11. Juli 2011
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«Man hätte in den Fünfziger- und Sechzigerjahren auch ganz andere Bilder machen können. Solche etwa wie Hans Steiner, ein anderer in Vergessenheit geratener Berner Fotograf, den das Lausanner Musée de l’Elysée eben erst ans Licht holte. Steiner fotografierte die moderne, die urbane Schweiz, und er war stets zur Stelle, wo sich Fortschritt und Tatkraft zeigten. Dagegen Winkler: stets zur Stelle, wo die Leute so charmant undynamisch sind. Und während Steiner die Vorgeschichte der Gegenwart fotografierte und sie in draufgängerische Perspektiven rückte, tritt einem hier die unaufgeregte Schönheit einer Zeit entgegen, die es nicht mehr gibt: Hier lebt die Schweiz noch in den Gewissheiten der Vorkriegsjahre, auch wenn der Umbruch bereits begonnen hat.

Dieser Winkler war ein Humanist, ein Menschenfreund; auf Gesellschaftskritik hatte er es so wenig abgesehen wie auf verklärende Romantik. Gerade darum können einem seine Ansichten aus dem Landesinnern so sympathisch sein.» Der Bund

 
 

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