Karin Frei

Gute böse Stiefmutter

Sieben Porträts und ein Leitfaden

2005, 192 Seiten, Pappband

ISBN 3 85791 479 3

 

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Kurze Inhaltsangabe

Die ewig Zweite im Patchwork

Die Stiefmütter, die im Märchen als die Bösen schlechthin dargestellt werden, haben auch heute noch gegen Vorurteile und alte Mythen anzukämpfen. Trotz grosser Verbreitung der Patchworkfamilien ist das Stiefmutterdasein weitgehend tabuisiert, nicht zuletzt, weil sich die Frauen selber tabuisieren.

In sieben Porträts erzählen Frauen von der harten Lebensschule als zweite Mutter. Ihr Alltag ist spannungsgeladen, emotional, schwierig – und bereichernd, ein Balanceakt mit typischen Mustern und klassischen Gefühlsverwirrungen.

Der zweite Teil des Buches dokumentiert die Geschichte des Begriffs «Stiefmutter» und gibt nach Stichworten geordnet einen Überblick über die häufigsten Herausforderungen, denen sich eine Stiefmutter stellen muss. Christiane Brunner, Genfer Ständerätin und mehrfache Stiefmutter, legt den Finger auf Schwachstellen in der Familien- und Sozialpolitik. Hinzu kommen zahlreiche Tipps für Stiefmütter und Frauen, die es werden (wollen).

Karin Frei ist 1969 in der Innerschweiz geboren. Sie studierte an der Universität Zürich Europäische Ethnologie, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte sowie Völkerrecht. Seit 1992 arbeitet sie als Redaktorin bei Schweizer Radio DRS. Karin Frei ist Mutter und Stiefmutter und lebt mit ihrer Familie in Zürich.

 

Textprobe

Inhalt

Die Frau hinter der Stiefmutter

Grimm und Co. – oder Wie wir zu unseren Familienidealen kamen

Eine böse Mutter darf nicht sein
Das 19. Jahrhundert:Wiege unserer Familienideal
Die Grimms zementieren das Negativbild
Die böse Stiefmütter – eine uralte Geschichte
Das Idealbild und die Wirklichkeit
Patchwork als die Familienform der Zukunft

Sieben Stiefmütter und ihr eindrücklicher Alltag

Esther Rüedi: Und immer wieder kamen die Behörden
Emma Berger: Wer A sagt, muss auch B sagen
Sandra Badener: Der Chef und seine Sekretärin
Mara Halter: Bei den Verwandten haute er mich regelrecht in die Pfanne
Bianca May: Und über Nacht waren es plötzlich acht
Bettina Holzer: Sie lebte in Saus und Braus und wir mussten rechnen
Anna Lienert: Wir blieben zwei Familien und verwischten keine Grenzen

Die Frau, die nie die Mutter sein kann

Die Stiefmutter – ewige Nummer zwei?
Die Stiefmutter und ihre Liebe zum Stiefkind
Die Erwartungen an die Stiefmutter
Meine Kinder – deine Kinder
Der klare Blick der Stiefmutter

Herausforderung Familie

Die Kinder mischen ganz schön mit

Das Stiefkind als Opfer?
Die Stiefkinder gegen die Stiefgeschwister
Kinder im Loyalitätskonflikt
Die Konkurrenz Stiefkind – Stiefmutter
Das Stiefkind und seine allerbeste Mutter

Die grosse Zurückhaltung des Partners

Der Partner zwischen Familie und Beruf
Der Partner schützt seine Kinder

Die Ex und der Haussegen

Wenn die Ex überfordert, krank oder weg ist
Die gute Beziehung zur Ex
Die schlechte Beziehung zur Ex
Die Auseinandersetzungen mit der Ex
Die Ex am längeren Hebel
Wenn die Ex-Partner andere Erziehungsvorstellungen haben
Wenn die Ex schlecht über das neue Paar spricht

Die Verwandten und die neue Familie

Wenn die Verwandten der Stiefmutter auf die Finger schauen
Wenn die Mutter der Stiefmutter Vorbehalte hat
Wenn die Verwandten zwischen Kindern und Stiefkindern unterscheiden

Herausforderung Gesellschaft

Wann mischen die Nachbarn mit?
Lehrerinnen und Ärzte fragen nach der Mutter
Wenn die Behörden eingreifen – Damoklesschwert sexuelle Ausbeutung
Rechte und Pflichten im Gesetz
Geld ist nicht alles – aber viel
Gut Ding will Weile haben
Emotionale Extremsituationen wie Hochzeit oder Weihnachten

Die typischen Stiefmuttersyndrome

Überforderung
Hemmungen
Schuldgefühle
Eifersucht
Verbitterung

Was die Stiefmutter unternehmen kann

Reden, reden, reden
Hilfe holen – Therapeuten und Freundinnen
Ein Tapetenwechsel kann Wunder wirken

20 Tipps, mit denen das Stiefmutterdasein lustvoll wird

Wer trägt die Verantwortung?

Was aus Sicht der Politikerin Christiane Brunner anders laufen müsste

… und die Glücksmomente gibt’s …

Literatur
Links

… und die Glücksmomente gibt’s …

Gäbe es für die Stiefmutter ein Anforderungsprofil, würde es dem einer Kaderfrau entsprechen. Flexibel, vielseitig, kommunikativ und belastungsfähig muss sie sein. Zudem ein Organisationstalent mit überdurchschnittlicher Sozialkompetenz und selbständig. Darüber hinaus braucht sie, um an ihrer Aufgabe nicht zu scheitern, eine grosse Portion Humor, genügend Selbstvertrauen sowie die Fähigkeit, sich im entscheidenden Moment zu distanzieren. Mit anderen Worten: Sie ist eine Familienmanagerin, vollbringt einen ständigen kommunikativen Balanceakt zwischen Kindern, Stiefkindern, Partner, Verwandten und Umfeld. Dies geschieht in einem Familienmodell, das mit unzähligen Konfliktsituationen aufwartet. Diese Konflikte treten in verschiedensten Kombinationen auf und hängen auch voneinander ab. Lasten oder Unannehmlichkeiten, die damit verbunden sind, fallen oft wieder auf die Stiefmutter zurück.

Kurz:Die Stiefmutter hat oft eine Rolle, in der sie fast nur verlieren kann. Die Mehrbelastung, die vielen Konflikte sowie die alten Familienideale und mit ihnen die gesellschaftlichen (und persönlichen) Erwartungen haben Folgen:Erfolgsdruck, übertriebene Perfektionsansprüche, Überforderung, Hemmungen, Schuldgefühle, Eifersucht, Frustrationen, Verbitterungen darüber, dass kaum je jemand dankbar ist für ihre Leistungen, und nicht zuletzt Selbsttabuisierungen.

Es ist gut möglich, dass man nach der Lektüre dieses Buches denkt, keine Frau im vollen Besitz ihrer geistigen Kräfte wird sich dazu hergeben, die Rolle einer Stiefmutter freiwillig zu besetzen, wenn sie weiss, was auf sie zukommt. Und wenn doch, hält sie sich für Superwoman, ist eine weltvergessene Idealistin oder aber eine hoffnungslose Romantikerin, die vor lauter Liebe mit völliger Blindheit geschlagen ist.

Es stimmt: Es wird viel gelitten im Stiefmutteralltag. Die Hürden und die Konflikte sind gross, ebenso die Gefahr, dass das Stiefmutterprojekt wieder zerfällt. Jene Frauen, die diesen Alltag meistern, sind nicht einfach per se gestandene Persönlichkeiten mit Powerfrauenqualitäten. Aber sie durchlaufen eine Lebensschule, die reich an Erfahrungen und Wissen macht und die Powerfrauenqualitäten fördert: Die Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle und mit sich selbst trägt dazu bei, dass sie genau wissen, was sie wollen und was nicht. Sie lernen, ihre Bedürfnisse zu formulieren und durchzusetzen. Sie lernen, zwischen verschiedenen Welten und Befindlichkeiten zu vermitteln und wahre Logistikketten zu organisieren.

Und nicht nur das. Der Stiefmutteralltag kann durchaus auch beglückend sein. Charlotte Meier sagt: «Wir sind eine Grossfamilie. Die Ideen und die Welt dieser vielen Leute, die da zusammenkommen, sind eine Bereicherung.» Anna Lienert stimmt zu: «Was bei einem spontanen Abendessen abläuft, was da an Austausch und Fröhlichkeit kommt, ist grossartig! Das sind die Momente, in denen ich am glücklichsten bin und in denen ich das Gefühl habe, ich bekomme etwas geschenkt.» Auch sei die Befriedigung enorm, die sich einstellt, wenn man den Stiefmutteralltag erfolgreich gemeistert hat, fügt Sandra Badener bei. Und Iris Abel fasst zusammen: «Der Stiefmutteralltag ist sehr vielfältig, sehr farbig und mit sehr grossen Höhen und totalen Tiefs verbunden – das Leben halt.»

Pressestimmen / Rezensionen

Rd_tri.gif (202 Byte) NZZ am Sonntag vom 13. März 2005
Rd_tri.gif (202 Byte) Frankfurter allgemeine Zeitung vom 18. April 2005
Rd_tri.gif (202 Byte) Schweizer Bibliotheksdienst, April 2005
Rd_tri.gif (202 Byte) Literatur Report
vom 4.–11. April 2005
Rd_tri.gif (202 Byte) St. Galler Tagblatt vom 21. April 2005
Rd_tri.gif (202 Byte) La Quotidiana vom 26. April 2005
Rd_tri.gif (202 Byte) Fritz und Fränzi vom Juni 2005
Rd_tri.gif (202 Byte) Tagblatt der Stadt Zürich vom 15. Juni 2005
Rd_tri.gif (202 Byte) Tages-Anzeiger vom 30. Juni 2006
Rd_tri.gif (202 Byte) Frauenbunt 7/8 2005
Rd_tri.gif (202 Byte) Elternbildung 3, Oktober 2005
Rd_tri.gif (202 Byte) Aargauer Zeitung vom 29. August 2006 (Interview)
Rd_tri.gif (202 Byte) Bieler Tagblatt vom 13. Oktober 2006 (Interview)
Rd_tri.gif (202 Byte) Tages-Anzeiger vom 2. Februar 2008
 

Stimmen

«Abgesehen vom kurzen und kompakten Schlussteil, in dem zur Prosa quasi die Theorie nachgeliefert wird (Die typischen Stiefmuttersyndrome) vertraut die Autorin ganz den Erzählungen der sieben Frauen. Das ist die grösste Stärke dieses rundum gelungenen Buches: Nirgends in den Geschichten wird kommentiert, nie ein Urteil gefällt, es gibt weder Zuspitzungen noch Erklärungen. Getragen von einer schnörkellosen, präzisen Sprache, lesen sich die sieben Porträts wie kurze Romane: spannend. (...) ein helvetisches Short Cuts, bei dem es nicht nur Happy Ends gibt. Dennoch: Unter dem Strich macht das Buch Mut für diese moderne Familenform.» NZZ am Sonntag

«Karin Frei rät: Die Stiefmutter sollte vorab darüber nachdenken, was es für sie bedeutet, in einer Patchworkfamilie zu leben. Wir ergänzen: Die zukünftige Stiefmutter sollte sich einmal die wenigen therapeutischen Bücher über die Stiefmutter anschauen, und sie sollte das vorliegende Buch lesen, das ohne Theorie auskommt und ganz auf die Erfahrungen der interviewten Frauen setzt. Wer das Buch gelesen hat, der hat einen guten Eindruck davon, was es heißt, den Part der Stiefmutter in einer Patchworkfamilie zu übernehmen.» Frankfurter Allgemeine Zeitung

«Nur jede dritte Ersatzmutter wird von den Kindern anerkannt. Dies ergab kürzlich eine Umfrage in Deutschland: Das Kinderbarometer Hessen befragte 2200 Schüler der vierten bis neunten Klasse zu ihrer Lebenssituation. Vergleichbare Zahlen für die Schweiz gibt es nicht. Wie schwierig das Dasein einer Stiefmutter auch hierzulande sein kann, zeigt die DRS-1-Radio-Jounalistin Karin Frei in ihrem Buch auf..» Aargauer Zeitung

«‹Stiefmutter›, ‹Stiefvater› und ‹Stiefkind› sind grässliche Ausdrücke. Das Wort ‹stieve› bedeutete im Mittelalter ursprünglich ‹verwaist, beraubt› und erhielt im 17. Jahrhundert die Bedeutungen ‹hart, vernachlässigend, ungerecht›, schreibt Karin Frei in ihrem hilfreichen Buch ‹Gute böse Stiefmutter›. Als sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit der Industrialisierung das Familienideal der Zweielternfamilie durchsetzte mit der klaren Aufgabenteilung zwischen Mann und Frau, haben die Gebrüder Grimm die Urversion vieler Märchen verändert und etwa bei Schneewittchen die eifersüchtige leibliche Mutter durch eine Stiefmutter ersetzt. Gleiches soll bei Hänsel und Gretel passiert sein. Heute scheuen wir uns vor dem Wort, haben aber noch keine andere Bezeichnung gefunden für den ‹Mann meiner Mutter›, die ‹Freundin meines Vaters›, das ‹Kind meines Partners›. Die Sprache zeigt die Hilflosigkeit der Gesellschaft gegenüber der heute weit verbreiteten Lebensform und spiegelt wohl auch die vielen Schwierigkeiten, die in einer Patchworkfamilie zu bewältigen sind.» Tages-Anzeiger

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