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Rosenkranz und Fasnachtstanz Walliser Frauenleben Herausgegeben von Susanne Perren, geschrieben von Franziskus Abgottspon, German Escher, Elisabeth Joris, Christa Mutter, Susanne Perren, Luzius Theler, fotografiert von Bernhard Lochmatter
2004, 4. Auflage 2007, 200 Seiten, 15 Fotos, Pappband ISBN 3-85791-466-1 |
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Die eine war Klosterfrau – und zog
dann doch ein Leben in der Pariser Society vor. Die andere war versiert als
Schmugglerin, listig, lustig und charmant. Und Gertrud erst – sie gebar
achtzehn Kinder. Wäre da noch Marie, die Bäuerin und Magd, die sich mit
siebzig ihr Eigenheim baute. Gemein ist ihnen und den andern, dass sie ein
Bild des Wallis zeichnen, wie man es nicht erwarten würde: originell,
erfrischend eigen, gelegentlich ein bisschen durchtrieben, immer aber
unverblümt, willig und direkt. Charakterstark. Eine Hand am Rosenkranz, ein
Bein im Fasnachtstanz. Die Walliser Frauen berichten vom kargen Leben, das
sie nicht als solches empfinden und gerade deshalb die Lebensbühne Wallis
erstaunlich offen Ein Dutzend Porträts von Frauen aus verschiedenen Regionen des Wallis gibt Einblicke in das Leben eines ganzen Jahrhunderts. Die AutorInnen |
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Inhalt Vorwort von Klara Obermüller Selina Mittner-Zurbriggen, Schmugglerin,
Bäuerin, Mutter, Saas-Almagell Rosmarie Mathier, Weinbäuerin, Salgesch Emma Leiggener-Imboden, Bäuerin, Mutter, Milchfrau,
Ausserberg Maria Ritz, Bäuerin, Sakristanin, Niederwald Genoveva Squaratti, Mutter, Bäuerin, Zwischbergen Marie Claude Morand, Museumsdirektorin, Troistorrents Florentina Gottsponer-Zeiter und Anna Burgener-Zeiter,
Schwestern, Bäuerinnen, Mütter, Handwerkerinnen, Visperterminen Adele Bayard, Haus- und Geschäftsfrau, Visp Gertrud Imboden, Hausfrau, Bäuerin, Wirtin, Hohtenn Marie Metry, Lehrerin, Albinen Mirjam Lauber, Psychosynthese-Beraterin, Brig/Zürich Edith Kopf-Schwestermann, Klosterfrau, Lehrerin, Gattin,
Brig/Paris Heidi Wenger, Architektin, Brig Glossar |
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Zu Tanz mit dem Grenzwächter Sie sei die Jüngste, die im Saas eine Tracht trage, sagt Selina Mittner-Zurbriggen, stolze sechsundachtzig Jahre jung. Sie sitzt, zeitgemäss kombiniert, mit einer schwarzen, modernen Sonnenbrille auf der Veranda vor der Stube und rückt ihr Lumpi zurecht. Farben und Blumenmuster des Kopftuches sind so, wie sie dem Saastal eigen sind und in Paris in schrillen Modesommern wieder aufkommen – jenseits einer geläufigen Kombination. Grelles Maisgelb bedruckt mit kleinen grün-roten Blumenblüten; eine dicke rote Bordüre, bestickt mit kunterbunten Blumen. Kombiniert wird das Tuch mit einer blauen Schürze mit rosa Blümchen, darunter ein schwarzes Schlutti. Alles gängige Teile der Saaser Alltagstracht. Mittags sitzt sie vor der Stube auf der Terrasse. Abends vor der Küche. Blickt auf den Postplatz, sieht, wer kommt und geht. Selina Mittner, geborene Zurbriggen, weiss, was im Dorf läuft. Mit sechsundachtzig Jahren und ohne das Haus zu verlassen. Das ist mitunter eine Kunst, die man Saaser Frauen generell zugestehen muss. Täglich kommt ihre Cousine vorbei, trinkt einen Kaffee mit ihr und geht wieder. Networking würde man es heute nennen. Im Volksmund heisst das gesunde Neugier und sich gegenseitig auf dem Laufenden halten. Das hält man den Bewohnerinnen und Bewohnern des Saastals landauf, landab zu. Man versteht nur einzelne Wörter, wenn die Frauen miteinander parlieren und bisweilen gar tuscheln. Verschworene Gespielinnen. Es hat etwas Unbeschwertes, Gelassenes, wenn Selina Mittner an früher denkt. Nichts von dem harten Alltag, den die karge Landwirtschaft im Saastal ihnen abverlangte. «Die schönste Zeit, mein Lebtag lang, hatte ich in Zermeiggern.» Am 13. Juni 1918 kommt sie in diesem kleinen Weiler bei Saas-Almagell zur Welt. Vier ältere Schwestern, ein jüngerer Bruder. Zwölf Familien leben in der idyllischen Siedlung. Sie wird ihnen 1961 enteignet werden, genauso wie die Distelalp, die als Sommerresidenz höher und weiter hinten im Tal liegt. Beide – Weiler und Alp – sind unersetzliche Heimat für sie, und beide müssen dem Bau des Mattmarkstauwerkes weichen. Die Distelalp dem Stausee, Zermeiggern dem Ausgleichsbecken und der Zentrale des Kraftwerkes Mattmark. Immer wieder kehrt Selina Zurbriggen in Gedanken an diese trauten Orte zurück. «Wir haben uns sehr gewehrt. Sie bezahlten uns, bezahlten aber schlecht. Doch die vier Gemeindepräsidenten des Tales haben sich damals für das Kraftwerk entschieden.» Die Mutter, Hebamme und Bäuerin, bewirtschaftete zusammen mit den Kindern die Alp, hütete Vieh und bestellte die Gärten im Weiler. Der Vater, Bergführer und Zimmermann, sorgte für ein bescheidenes Einkommen. «Wir hatten vierzig Kühe in Pacht auf der Alp. Wildheu fürs Vieh gab es zu wenig dort. Wir Mädchen gingen faxu, Kräuter, Disteln und Wildheu sammeln, trockneten diese und gaben sie den Kühen zum Lecken.» Mit Sicheln seien sie als junge Mädchen die kargen, felsigen Berghänge emporgeklettert und hätten das Wildheu (die Faxe) geschnitten. Im Winter gab es Heimarbeit für die Schulmädchen. Der Vater sägte Holz für den Häuserbau, die Mutter und ihre Töchter spannen und strickten. «Fremde brachten die Wolle in grossen Säcken. Zum Teil hatten wir aber auch eigene Wolle. Wir haben sie gesponnen und nach St. Gallen eingeschickt oder Socken und Mützen gestrickt. Aber bezahlt haben auch diese schlecht.» Zwei Franken pro Sockenpaar. |
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| Pressestimmen / Rezensionen | |||
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«Ein kleines Denkmal für eine heroische Frauengeneration. (…) Zusammengehalten werden die Frauenschicksale von einer Klammer, die zwar konkret in Schwarz-Weiss daherkommt, aber von subtiler Eindrücklichkeit ist, nämlich von den Bildern von Bernhard Lochmatter. Freilich kommt auch ‹Rosenkranz› nicht ohne eine gewisse Portion Exotismus aus. Dieser liegt aber weniger in der Auswahl der portätierten Frauen als vielmehr in der Tatsache, dass diese Generation eben die letzte ist, welche die versunkene Welt der bergbäuerlichen Kargheit noch am eigenen Leib erfahren und miterlebt hat.» Walliser Bote «All die Clichées von rückständigen Berglerinnen und unterwürfigen Kirchgängerinnen bewahrheiten sich aber nicht: Die Frauen äussern frei ihr weltoffenes Gedankengut und betonen auch ihre Selbständigkeit.» Luzerner Zeitung |
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