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still & stark Die heiligen Frauen von Mariastein Eine etwas andere Wallfahrt zu Maria in der Felsengrotte Herausgegeben vom Verein Frauenstadtrundgang Basel Mit Texten von Béatrice Acklin, Sabine Bieberstein, Irina Bossart, Sabine Brändlin, Marina Coray, Regula Grünenfelder, Li Hangartner, Monika Hungerbühler, Silvia Letsch, Franziska Loretan, Karin Ricklin, Antonia Schmidlin, Edith Schweizer, Luzia Sutter, Doris Strahm, Silvia Strahm, Regula Tanner, Christina Tuor, Cornelia Vogelsanger und Bettina Volz
2003, 168 Seiten, etwa 55 Abbildungen, broschiert ISBN 3 85791 416 5 |
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Neben Maria gibt es zahlreiche andere Frauen im Bildprogramm von Mariastein. Bildnisse erinnern an Märtyrinnen, Äbtissinnen, Kirchenlehrerinnen, Eremitinnen, Mystikerinnen, Kirchenpolitikerinnen, Regentinnen und Klostergründerinnen, aber auch an biblische Frauenfiguren und weibliche Allegorien. Die weiblichen Heiligen künden von einer reichen und alternativen, aber allzu oft vergessenen Tradition. «still & stark» porträtiert die heiligen Frauen aus kulturgeschichtlicher und theologischer Sicht. Gleichzeitig begleitet und dokumentiert das Buch einen Abschnitt des alten Pilgerweges von Flüh zur Felsgrotte in Mariastein. Stationen sind der Magdalenenbrunnen, der Kreuzweg, die St.-Anna-Kapelle, die Basilika, die Reichensteinsche Kapelle und das Höhlenheiligtum. «still & stark» ist die zehnte Publikation des Vereins Frauenstadtrundgang Basel und begleitet den 25. Rundgang. 1997 wurde der Verein mit dem Chancengleichheitspreis «Das heisse Eisen» der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft ausgezeichnet. Im Limmat Verlag ist lieferbar: Ansichtssache. Neun Frauenstadtrundgänge durch Basel.
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Inhalt Die heiligen Frauen von Mariastein Einführung in einen heiligen Ort Weg von Flüh (Tramhaltestelle) zur Anna-Kapelle Maria aus Magdala Veronika Töchter Jerusalems Anna Vorplatz, Fassade und Vorhalle Weisheit/Sophia Glaube und Hoffnung Agatha und Apollonia Basilika Gertrud Scholastika Philomena Katharina von Siena Kunigunde Theresa von Avila Ursula Verena Reichensteinische Kapelle Odilia Edel- und Erentrudis Grotte Eva Elisabet (Lk) Elisabeth von Thüringen Maria Maria im Stein O Wunder! Historischer Abriss |
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Maria im Stein Wispering Words of Wisdom Cornelia Vogelsanger Maria ist nicht der Mittelpunkt des christlichen Glaubens – auf den, Christus, zeigt sie vielmehr. Dennoch ist sie unvergleichlich. Keine Gestalt des Christentums ist so oft abgebildet worden, keiner wurden so viele Lichter angezündet, so viele Kirchen geweiht, keine ist so häufig erschienen, bis heute. Marias Stellung im Christentum ist untrennbar mit der Ausformulierung des Glaubens verbunden, mit dem Dogma und der Opposition gegen Dogmen. Oft hat man sich mit ihr beschäftigt, um dem Wesen ihres Sohnes näher zu kommen. Oft war man sich über sie nicht einig. Sie darf offiziell nicht Göttin sein, doch wird ihr schon früh der Titel Gottesmutter verliehen – was ihre Einzigartigkeit für Jahrtausende festschreibt, denn damit wird sie zu einer religionsgeschichtlichen Kategorie für sich. Göttinnen gibt es unzählige, aber eine Gottesmutter, die über eine irdische Biographie mit irdischen Daten und Lokalitäten verfügt und gleichzeitig im Himmel thront – davon gibt es nur Eine, das gibt es so nur im Christentum. Sie steht über den Engeln und turmhoch über den heiligen Frauen, die wie sie stark sind im Ertragen und im Schweigen, im Empfangen und Hergeben. Von den antiken Göttinnen – den Jungfrauen, Grossen Müttern, jungfräulichen Müttern, Schmerzensmüttern, von den Himmelsköniginnen, Kriegerinnen, Herrscherinnen der Tiefe und des Todes, von den Herrinnen des Lebens und der Fruchtbarkeit – von allen borgt sie sich etwas und schmilzt all das Geborgte ein in ihr unverwechselbares Bild, das sich durch die Zeit erstaunlich wenig verändert; Maria bleibt immer erkennbar. So knapp und verhalten die neutestamentlichen Berichte über sie ausfallen, sie zeigen eine Frau, die wenig (dafür Bemerkenswertes!) gesprochen und die in verschiedenen Lebensaltern ungewöhnliche Seelenstärke bewiesen hat. Lässt sich diese biblische Maria, der so viele gelehrte und fromme Männer so viele Worte gewidmet haben, überhaupt mit der Maria der Kirchengeschichte zusammenbringen, oder handelt es sich um zwei ganz verschiedene Gestalten? Ist die Maria der Volksfrömmigkeit vielleicht nochmals eine andere (eine Dritte)? Oder sind alle drei Ausdruck der gleichen lebendigen Kraft, die auf ganz verschiedene Weisen in Erscheinung tritt, sich zeigt, wann und wo sie will (heute auf einer Wiese, am Himmel oder in einem Baum, morgen mitten in Kairo) – wem sie will (häufig Kindern und ungebildeten Menschen, auch Muslimen, Hindus oder Protestanten, und nur selten hohen geistlichen Persönlichkeiten), die sich nicht an Grenzen hält und sich nicht kontrollieren lässt, nicht einmal von der katholischen Kirche? (Kein Wunder, dass diese von den zahlreichen, ja überbordenden Marienerscheinungen nur eine geringe Anzahl offiziell anerkennt. ) Das Lächeln im Stein Maria hat verschiedene Gesichter, und sie verfügt über mancherlei Orte. Mariastein ist ein Ort am Abgrund. Hier lässt man sich fallen – und wird aufgefangen. Wer in Gefahr ist, kann sich «in den Stein verloben», das bedeutet: ein Gelübde an Maria tun. «In den Stein gehen» aber heisst hinuntersteigen aus der grossen hellen Kirche, dem Rand der Felswand entlang über 59 Stufen hinab in die dunkle, nackte Gnadenhöhle. Da wartet die lächelnde Maria mit dem lächelnden Kind. Sie war nicht von Anfang an da, sondern am Anfang steht eine Legende von einem Knäblein, das aus der Höhle ins Tal hinunterstürzte und unverletzt von einer wunderschönen Frau aufgefangen wurde, die von Engeln begleitet und hell wie die Sonne war. Sie gab sich als Muttergottes zu erkennen und sprach den Wunsch aus, in dieser Höhle verehrt zu werden. Dies gilt als das erste Fallwunder von Mariastein. Die Höhle wurde in eine Kapelle umgewandelt, erstmals bezeugt ist diese 1434. Das Gnadenbild, das heute frei an der nackten Felswand hängt, kam später. Es handelt sich um eine bemalte Steinskulptur aus der Übergangszeit vom Spätmittelalter zur Renaissance, eine sitzende Madonna mit ihrem Kind, deren steinernes Gewand sich bereits barock bauscht wie in einem Windstoss, der von unten kommt. Das lächelnde, entrückte Gesicht und das unruhig bewegte Kleid stehen in einem seltsamen Gegensatz. Solche Einzelheiten bleiben allerdings dem Betrachter verborgen, weil Mutter und Kind seit der Barockzeit prächtige gestickte Seidenkleider, Schmuck und Kronen tragen, die ihre Haltung verändert erscheinen lassen. Was man erkennt, sobald man sich an das Halbdunkel gewöhnt hat, ist das Lächeln der beiden. Sie hat die Augen halb geschlossen, und so scheint es, als lächle sie nach innen, während das Kind eher uns anlächelt. Pater Dominikus Ginck, der im 17. Jahrhundert im Auftrag seines Oberen das 680 Seiten umfassende Mirakelbuch von Mariastein verfasst hat (266 Wunder sind da aufgeführt), liefert uns eine Beschreibung des Gnadenbildes: «So ist dieses [Bild] braunlecht (bräunlich), doch etwas mit Rosen- oder Leibfarb undermengt und lächelndem Angesicht, also dass selbiges ohne sonderbare Hertzens Erquickung nicht kann angesehen werden … Auf dem rechten Arm halt sie ihr Jesus Kindlein, über die massen lieblich und holdselig seine Äuglein gegen dir schiessend, in der Schos tragt sie die Weltkugel, die linke Hand darob haltend als eine getrewe und hochmächtige Beschützerin ihres Reichsapfels, ist kurtz zu sagen, sehr anmüthig, süss, lieblich und trostreich anzusehen.» (…) Fallwunder: Mirakelbild von 1543 (zum vergrössern anklicken)
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