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Christof Dejung, Thomas Gull, Tanja Wirz Landigeist und Judenstempel Erinnerungen einer Generation 1930–1945 Mit Fotoporträts von Hans Peter Jost 2. Auflage 2005, EA 2002, 504 Seiten, Pappband
weitere Informationen zum Buch und zum Projekt bei Archimob |
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Das Gedächtnis der Kriegsgeneration Elise Scherer-Leu führte zur Zeit des Zweiten Weltkriegs den
Bauernhof ihrer Familie im luzernischen Meggen, während ihr Mann im Dienst
war: «Angst vor dem Krieg hatten wir nicht, für so etwas blieb uns gar keine
Zeit. Wir wussten nicht, wohin mit der Arbeit.» Kurt Bigler überlebte als
einziger seiner Familie die Deportation aus Deutschland. 1942 flüchtete der
damals 17-jährige in die Schweiz: «Wie ich über die Grenze kam? Im
Stacheldraht hatte es ein Loch, ich bin durchgeschlüpft.» «Nach der Arbeit der unabhängigen Expertenkommission Schweiz/ZweiterWeltkrieg vervollständigt das Projekt ‹Archimob› unser Wissen über die Vergangenheit der Schweizerinnen und Schweizer. Es erschliesst uns neue Gebiete der Erinnerung, indem es sich für die Erfahrungen und Empfindungen der Menschen interessiert, die den Krieg erlebt haben.» Ruth Dreifuss, Bundesrätin Christof Dejung, Thomas Gull und Tanja Wirz sind HistorikerInnen und JournalistInnen. Sie haben im Rahmen von «Archimob» unzählige Videoporträts gemacht. Hans-Peter Jost ist freier Fotograf und lebt in Italien. Ab Herbst 2003 präsentiert «Archimob» seine Arbeit im Rahmen einer Wanderausstellung. Weitere Informationen auf http://www.expo-archimob.ch. |
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Inhaltsverzeichnis Das Gedächtnis einer Generation «Frontenfrühling» und Faschismus «Wir haben rübergeschaut ins Gelobte Land» Kriegsbeginn und erste Mobilmachung «Unsere Familie war damals dem Herrgott dankbar,
dass Mussolini Ordnung machte» Patriotismus und geistige Landesverteidigung «Ohne Kartoffeln und Gemüse wären wir nie durchs
Leben gekommen» Frauenrollen und Frauenrealitäten «Wir haben im Aktivdienst nicht nur gsoldätelet» Tage der Ungewissheit im Frühling 1940 «Aber, gopfriedstutz, unsere Mutter! Was wird aus
der?» Polen, Franzosen und Russen als Militärinternierte in der Schweiz «Ich wollte nach Frankreich gehen, um zu kämpfen» Das Reduit «Ich dachte: Jetzt musst du auf tutti gehen» Soldatenalltag und Frauenhilfsdienst «Der deutsche Konsul hat alle meine Papiere
verbrannt» Rationierung, Schwarzmarkt und Anbauschlacht «In der Untersuchungshaft wurde ich anständig
behandelt» Flüchtlinge und Flüchtlingspolitik «Die Nazis urinierten in die Konfitüre» Antisemitismus in der Schweiz «Es hiess, die Mütter dürften nicht mit den Kindern
zusammen sein» In anderen Ländern «Man roch die Henkersmahlzeit» Transitverkehr und wirtschaftliche Kooperation mit dem Ausland «Ein amerikanischer Diplomat fragte mich einmal, was
Neutralität sei» Verdunkelung und Kriegserlebnisse «Du denkst irgendwann: Drück doch ab, dann ist
Schluss» Das Ende des Krieges Die Diskussion um die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg
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«Hier wird klar, dass Erinnern kein Zustand ist, sondern Bewegung und mit
Geschichte ebenso viel zu tun hat wie mit Gegenwart. Erinnerungen werden
gemacht und zwar im Moment des Erzählens und aus ihm heraus. Das allerdings
schmälert nicht ihren Wert für die Forschung – für eine andere Forschung als
die, mit der Bergier beauftragt war: die 557 Interviews sind ein Weg, um an
die Deutungen in den Köpfen der Menschen zu kommen, an die Vorgänge, in
denen sich individuelle Erfahrungen verbinden mit gemeinsamen
Geschichtsbildern.» Daniel die Falco, Der kleine Bund «Abgesehen von der Erfahrungs- und Erinnerungsvielfalt steht eine andere Beobachtung im Gegensatz zum gerne vermittelten Bild: das Land bildete nämlich ganz offensichtlich trotz der äusseren Bedrohung keineswegs einen geschlossenen Block.» Georg Kreis, Tages-Anzeiger «Eines zeigt sich dabei rasch: Wahrheit ist ein Plural, tatsächliches Geschehen und persönliches Erleben sind zwei Währungen. Entsprechend lassen sich auch die Erinnerungen der Aktivdienstgeneration nicht pauschalisieren.» Beat Mazenauer, Schweizer Feuilleton-Dienst «Die Bedeutung der vorliegenden Erinnerungen besteht darin, dass sie Atmosphärisches vermitteln und damit Verständnis für die Unbilden der Zeit. (...) Solche Erfahrungen erklären den Nimbus, den manche Angehörige der Aktivdienstgeneration gegenüber den später geborenen beanspruchten, die es leichter hatten.» Thomas Maissen, Neue Zürcher Zeitung «Als 1996 die Schweiz wegen ihres Verhaltens im Zweiten Weltkrieg unter Beschuss geriet, fühlte sich die «Aktivdienstgeneration» missverstanden – dieser Eindruck entstand zumindest auf den Leserbriefseiten. Das Buch zeigt nun, dass es diese einheitliche Meinung der Generation nicht gibt.» Marcel Hänggi, NZZ am Sonntag «Denn: wir alle erleben Geschichte – und nicht nur die grossen Staatsmänner machen sie, sondern auch wir.» Peter Exinger, SonntagsBlick «Die von den Direktbetroffenen erzählte Geschichte (oder besser: Geschichten) ist eine sehr persönliche und subjektive. Und das macht auch den Reiz des Buches aus: Es ist, wie wenn der Vater oder die Grossmutter von damals erzählen. (...) Durch den Originalton wird die Geschichte unmittelbar, die empfundenen Emotionen – vorab die damals herrschende Unsicherheit und Angst – greifbar. Eine Wirkung, die ein herkömmliches Geschichtsbuch kaum zu erzielen vermag.» Jean-Pierre Gubler, Der Landbote «Fazit: Es ist ein Buch über eine Generation mit oft quälenden Erinnerungen an ein Land, das sich in einer unbequemen Lage nicht von seiner besten Seite zeigte.» Daniela Bühler, Neue Luzerner Zeitung |
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