![]() |
Da und fort. Leben in zwei Welten Interviews, Berichte und Dokumente zur Immigration und Binnenwanderung in der Schweiz Herausgegeben von Heinz
Nigg 1999, 300 Seiten,
etwa 60 Abbildungen, broschiert |
||
|
|
|
|
|
|
Erstmals wird der Reichtum der Migrationskultur in der Schweiz aus der Perspektive von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen erfassbar. Fremd angekommen: Sie sind ausgewandert aus Italien, Deutschland, aus den Bergregionen der Schweiz, aus Ungarn, der Türkei und aus dem ehemaligen Jugoslawien. Wie erlebten ImmigrantInnen ihre Einwanderung in die Schweiz? Welche Gründe führten zur Auswanderung? Wie sehen sie sich in einer zunehmend multikulturellen Schweiz? Wie haben BinnenmigrantInnen in den fünfziger und sechziger Jahren ihren Wegzug in die Städte erlebt? Fotos, Abbildungen von persönlichen Gegenständen sowie Gesprächsprotokolle werden im vorliegenden Materialienband als Dokumente eines interkulturellen Forschungsprozesses präsentiert. Dazu kommen biographische Interviews mit Migrantinnen und Migranten sowie Recherchen zu Aspekten der Migration und deren Einflüsse auf die urbane Schweiz. Der Herausgeber: Heinz Nigg, geboren 1949, Studium der Sozialwissenschaften. Arbeitet freiberuflich als Videoschaffender, Ausstellungsmacher, Lehrbauftragter für Inland-Ethnologie und Vermittler von Medienkunst. |
|||
|
|
|||
|
Inhalt Kalivanakan bom dia Guten
Morgen! Das Land, aus dem wir kommen Bilder und Gerüche aus der Kindheit Warum wir weggingen Die Grenzüberschreitung Das Land, in dem wir ankommen Was wir von der Schweiz wussten Erste Eindrücke Die neue Arbeit Klimawechsel Alltag Weggegangen um zu arbeiten Man spricht (Schweizer)deutsch Wir und die Schweizer: Freunde? Grenzübergreifende Geselligkeit Die Familie und die Landsleute hier und dort Was die Schweiz für uns tat, was wir für die Schweiz taten Frauenleben, Männerleben Wie es immer war Veränderungen Wohin wir gehören Anpassungen ohne Selbstverleugnung Der rote Pass Abwehr Bleiben oder zurückkehren? Versuche und Hoffnungen Zweite Heimat, zwei Heimaten Die Schweiz von heute und
morgen: Einst und jetzt Was anders wurde Was anders werden sollte 14 Interviews Charly O., geb. 1928, aus Turtmann im Wallis/Schweiz Vendramina Z., geb. 1938, aus Treviso/Italien Edda P.-S., geb. 1928, aus Poschiavo in Graubünden/Schweiz Judith M., geb. 1920, aus Budapest/Ungarn Ruth D., geb. 1935, aus Hagen in Westfalen/Deutschland Pellegrino T., geb. 1941, aus Kampanien/Italien Djuro K., geb. 1936, aus Bosanksa Gradiska/Serbe aus Bosnien Anna J., geb. 1973, aus Zürich/Schweiz, Eltern aus Ungarn Sait T., geb. 1949, aus Erzincan/Türkei Rrahim K., geb. 1955, aus Grejkovc/Kosova Thea W., geb. 1958, aus Gosheim auf der Schwäbischen Alp/Deutschland Mükerrem G., geb. 1965, aus Ankara/Türkei Bajram A., geb. 1956, aus Rezallë/Kosova Senka K., geb. 1961, aus Mojkovac/Serbin aus Montenegro 9 Plakate Fakten und Analysen Migrationspolitik Das Schweizer Ausländerrecht 18601978 Migrations- und Integrationspolitik der
90er Jahre Biografische Migrationsforschung Migrationsbedingte Belastungssituationen Die Stadt im Spiegel der Binnenmigration Brennpunkte Erfahrungen mit Fremdenfeindlichkeit Vom Esskulturkonsum zur Esskonsumkultur TürkInnen und KurdInnen in der Schweiz Zur Situation der Serbinnen und Serben in
der Schweiz Anstatt eines Nachworts Fremd angekommen. Ausgewandert sind sie aus Italien, Deutschland, aus den Bergregionen der Schweiz; aus Ungarn, der Türkei und aus dem ehemaligen Jugoslawien. Welche Gründe führten zur Auswanderung aus ihrem Herkunftsland? Wie erlebten die ImmigrantInnen ihre Einwanderung in die Schweiz? Wie haben Schweizer selbst den Wegzug aus den Berg- und Randregionen in die urbanen Zentren erlebt, und welche Parallelen können zur Immigration aus dem Ausland gezogen werden? Im Rahmen von Biografie-Workshops haben sich über siebzig Migrantinnen und Migranten aus sieben Ländern während eines halben Jahres mit ihrer Migrationsgeschichte auseinandergesetzt. Viele Gruppengespräche wurden auf Tonband aufgezeichnet. Einige Workshop-TeilnehmerInnen hielten ihre Erinnerungen schriftlich fest. Ergänzt wurden die schriftlichen und mündlichen Dokumente durch ein- bis zweistündige Video-Interviews, die mit je zwei TeilnehmerInnen pro Workshop durchgeführt wurden. Die 14 geschnittenen Video-Interviews sowie die von den Workshop-TeilnehmerInnen zusammengetragenen Gegenstände, Fotos und Dokumente, die sie an die verschiedenen Etappen ihrer Migration erinnern, wurden für eine Wanderausstellung aufgearbeitet, die im Museum für Gestaltung in Zürich im Oktober 1999 ihren Anfang nahm. Entstanden ist das Projekt «Da und fort. Leben in zwei Welten» aus der Einsicht, dass Beschäftigung mit Migration nur dann Sinn macht, wenn In- und AusländerInnen gemeinsam über Migrationsprozesse nachdenken, um zu einem besseren Verständnis von unterschiedlichen Erfahrungshintergründen und Werthaltungen zu kommen. Im Vorfeld und parallel zu den Workshops haben sich zwanzig Studierende des Ethnologischen Seminars der Universität Zürich mit «Migration und Urbanisierung in der Schweiz von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart» befasst. Ein Teil ihrer Arbeit wurde in die vorliegende Publikation aufgenommen, um die von den MigrantInnen geleistete Selbsterkundung in einen weiteren Kontext zu stellen. In der schweizerischen Öffentlichkeit erfuhr die kontroverse Debatte über Integration oder Ausgrenzung von asylsuchenden AusländerInnen in den letzten Jahren eine Verschärfung. Dabei verstellte die Stereotypisierung des «Asylanten» als einer tendenziell kriminellen, gewalttätigen, parasitären Person den Blick auf die realen Verhältnisse der AusländerInnen in diesem Land: Denn zweifellos hätte die Schweizer Bevölkerung ohne den wirtschaftlichen und kulturellen Beitrag der ArbeitsmigrantInnen und Flüchtlinge ihren heutigen hohen Lebensstandard nicht erreichen können. Auch die Urbanität der Schweizer Städte ist nicht zuletzt ein Produkt kultureller Vielfalt die in der Migration, und zwar der internen wie der internationalen, ihre Wurzeln hat. Der Migration ein persönliches Gesicht geben heisst, MigrantInnen selber zu Wort kommen zu lassen. Sie verleihen ihrer Erfahrung der Wanderschaft, der Flucht und des Lebens in der Fremde selbst Ausdruck in ihren eigenen Worten und Bildern. Von einem solchen Coming-out der Migrantinnen und Migranten in diesem Land können alle, In- und AusländerInnen, in ihrem unmittelbaren Alltag profitieren. Darüber hinaus schärft die Beschäftigung mit Migrationsgeschichte den Blick auf die Wandelbarkeit der gesellschaftlichen Verhältnisse: Der Mythos von statischen Ethnien, Nationen und Kulturen, die auf scheinbar festen, ewigen, ja «heiligen» Werten beruhen, wird durch die Wirklichkeit dynamischer Gesellschaften widerlegt.
Der Herausgeber dankt allen TeilnehmerInnen und LeiterInnen der Workshops «Migrantinnen und Migranten erzählen» für ihr grosses Engagement sowie allen, die unentgeltlich bei der Transkription der Tonbandaufnahmen und der Herstellung der Workshop-Broschüren mitgewirkt haben. Ebenso danke ich allen TeilnehmerInnen der Lehrveranstaltung «Die Stadt im Spiegel der Migration», die mit ihren Diskussionsbeiträgen und Recherchen den Migrationsdiskurs bereichert haben, sowie Bruno Hohl, Kurt Reinhard, Pellegrino Tremonte und Bonaventura van Eerd für Ideen und Kritik. Ein weiterer Dank geht an alle MitarbeiterInnen der beteiligten Institutionen und an alle freien MitarbeiterInnen an diesem Projekt für die tadellose fachübergreifende Zusammenarbeit. Den Geldgebern danke ich für die grosszügige Unterstützung von Buch, Ausstellung und Video-Interviews. Ein grosses Merci an Angela Cadruvi für Inspiration und Auseinandersetzung! |
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
«Gesammelt wurden die Schilderungen im Rahmen von Workshops, die das Amt für Soziokultur des Sozialdepartements der Stadt Zürich durchführte. Über siebzig Migrantinnen und Migranten aus sieben Ländern nahmen daran teil. Ihre Aussagen sind auf rund 200 Seiten im Originalton dokumentiert. Geordnet sind sie in einem ersten Teil nach Themenbereichen wie «Alltag» oder «Warum wir weggingen». In einem zweiten Teil finden sich 14 ausführliche Interviews. Wiederkehrende Themen sind das Lebensgefühl der Migranten zwischen alter und neuer Heimat, die Erfahrungen mit Fremdheit und Veränderungen, die Wahrnehmung der Schweiz und der Schweizer. Die vielen persönlichen Erlebnisse machen die Lektüre spannend und lebensnah; im Spiegel fremder Augen lässt sich die Schweiz aus einer ungewohnten Perspektive neu entdecken. Abgerundet wird das Buch durch einen theoretischen Teil. Er enthält Fakten und Analysen zur internationalen Migration, zur Schweizer Ausländerpolitik und zur biographischen Migrationsforschung. An Stelle eines Nachwortes beschreibt die aus Serbien stammende Olga S. in knappen Worten ihren Familien- und Bekanntenkreis. Kreuz und quer vermischen sich hier die Nationalitäten - und unwillkürlich stellt sich die Ahnung ein, dass Migration im Zeitalter von Globalisierung und Flexibilität, wie sie die Einpeitscher der Wirtschaft fordern, von der Ausnahmesituation wohl immer mehr zum Normalfall wird.» Basler Zeitung |
|||
|
«Fragen der echten Zugehörigkeit begleiten die Menschen ihr Leben lang. Die einen fühlen sich nach der Einbürgerung als Schweizer, die anderen an beiden Orten beheimatet. Eine dritte Gruppe fühlt sich nirgends verwurzelt. Assimilation, Integration, multikulturelle Koexistenz? Das Zusammenleben fordert. Information über hier gängige Normen und Werte muss am Anfang stehen und auch die Bereitschaft, die nötige institutionelle Unterstützung seitens der Schweiz zu gewähren. |
|||
|
|
|||
|
© Limmat Verlag |