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Friedrich Glauser erhält eine Gasse in Zürich |
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Einweihung der Friedrich-Glauser-Gasse
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Pressebulletin Stadt Zürich vom 2. Mai 2001 Auf Antrag der Strassenbenennungskommission hat der Stadtrat beschlossen, zwei noch unbenannte Strassen in der Altstadt nach den beiden Schriftstellern Robert Walser (1878–1956) und Friedrich Glauser (1896–1938) zu bezeichnen: Die Wegverbindung zwischen der Glockengasse und St. Peterhofstatt wird mit Robert-Walser-Gasse und jene zwischen der Zähringer- und Niederdorfstrasse mit Friedrich-Glauser-Gasse benannt. ... Der Schriftsteller Friedrich Glauser hat in den Jahren 1916 und 1917 in Zürich unter anderem an der Zähringerstrasse 40 gewohnt. Er legte am Institut Minerva die Maturaprüfung ab. Während eines Semesters studierte er an der Universität Zürich Chemie. Der literarische Durchbruch gelang Friedrich Glauser mit dem Kriminalroman
«Wachtmeister Studer» erst 1936, zwei Jahre vor seinem Tod. Die meisten seiner zum Teil früher entstandenen Romane wurden erst
nach seinem Tod veröffentlicht. Heute aber werden seine Geschichten um den Berner Polizeiwachtmeister
Jakob Studer als frühe Beispiele des zur Zeit so populären gesellschaftlichen Kriminalromans genannt, in
einem Atemzug mit den Maigret-Romanen von Georges Simenon. Die Werke Glausers wurden in den
90er-Jahren im Limmat-Verlag neu herausgegeben. Das Niederdorf könnte man sich auch als Schauplatz
eines Wachtmeister-Studer-Falls vorstellen. Die zu benennende Gasse liegt seinem ehemaligen Wohnort Friedrich Glauser, viele Jahre vom Morphium abhängig, starb nach zahlreichen Klinikaufenthalten am Tag, an dem die Hochzeit mit seiner Lebensgefährtin Berthe Bendel hätte stattfinden und seine Bevormundung hätte aufgehoben werden sollen, an einer Überdosis Schlaftabletten. |
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Referat von Stadträtin Esther Maurer Medienkonferenz «Ein Leben am Rand» – das ist eine sehr kurze, aber zweifelsohne auch sehr treffende Beschreibung von Friedrich Glausers Leben. Es dauerte nur 42 Jahre: von 1896 bis 1938 und spielte sich in vielerlei Hinsicht «am Rand» ab – für eine kurze Zeit aber auch im Zentrum von Zürich. Glauser wohnte und lebte in den Jahren 1916 und 1917 als rund 20jähriger in Zürich – unter anderem an der Zähringerstrasse. Er legte am Institut Minerva seine Matura-Prüfung ab und während eines Semesters studierte er an der Universität Zürich Chemie. Sein Logis wurde ihm von der Zimmerwirtin gekündigt, weil er oft noch gegen 22.00 Uhr einen «Freund habe empfangen wollen». Die Wirtin gab an: «Glauser brachte auch Weiber auf das Zimmer». Andere Hausleute sagten, dass sie gesehen hätten, dass Glauser «nachts spät Weiber aus dem Haus hinaus gelassen habe» – und «Glauser schuldet mir noch Fr. 7.15.» Oder: «Am Vormittag stand er fast nie auf. Vor 24.00 nachts kommt er nie heim, gelegentlich auch erst um 3.00 Uhr morgens ...» «Item» – wie Glauser zu schreiben pflegte: Allem Anschein nach machte der kluge und sensible junge Mann auf Frauen durchaus Eindruck, und Frauen waren immer auch ein Thema für ihn – allen voran seine Mutter. Im Kreis von Bohemiens und Anthroposophen lernte Glauser 1919 in Ascona eine Reihe von Frauen kennen, die in diesen Kreisen eine bedeutende Rolle spielten. Keine dieser Frauen konnte Glauser allerdings von seinem «Mutterideal wegbringen». Der Dichter selbst sperrte sich dagegen, denn kaum nahm eine Beziehung ernsthaftere Formen an, reagierte er mit Zaudern, als ob die Treue zur Mutter dadurch gefährdet wäre. Ihrem Ideal am nächsten kam wohl die Pflegerin Berthe Brendel, die er 1933 in der Anstalt Münsigen kennen lernte, weswegen sie später den Dienst quittieren musste. Die Beziehung aber hielt stand. In seiner Zeit mit Berthe hat Glauser den grössten Teil seiner Werke geschrieben. «Weißt» schrieb er ihr einmal über seine «empfindliche Stelle», «das Einzige, worüber ich mich manchmal beklagen möchte, ist, dass meine Mutter früh gestorben ist, als ich vier Jahre alt war». Neben der Prinzipienstrenge des Vaters und all seiner amtlichen Stellvertreter gerann die vermisste Mutter zum Idealbild, das seinen Schatten gleichsam auf alle Frauen warf. Sie linderten die ungestillte Sehnsucht und das «ewige Alleinsein». Ein Grossteil seiner Erzählungen und sieben Romane rang sich Glauser in phasenweise hektischer und ungeordneter Produktivität innerhalb weniger Jahre ab. Vor allem die fünf Kriminalromane um den rührigen Wachmeister Studer begründeten in dieser Zeit seinen Ruhm, der bis heute vorhält. Mit gutem Grund wurden sie auch verfilmt. Ein wahrhaftig grosser Roman ist «Gourrama», in dem Glauser seine Jahre in der Fremdenlegion schildert. Gourrama ist eine packende Studie über Randexistenzen, die ihrem alten Leben den Rücken zuwenden und im Trupp der Trostlosen Zuflucht suchen. Eine grell vibrierende Parabel für eine Existenz, in dem die Grenzen zwischen Überdruss, Erschöpfung und Gewaltausbrüchen zerfliessen. Nirgends lässt Glauser seine künstlerische Meisterschaft heller aufblitzen, als wenn er mit wenigen Worten und knappen Gesten ihre Charaktere und ihr Lebensumfeld skizziert. In solchen Momenten wird die schwindelnde, klamme existentielle Angst, die allenthalben umgeht und die «armen Cheiben» zur «Dummheit» verführt, fast handgreiflich spürbar. Auch der ausgestossene Bürgersohn Glauser erfuhr sie, doch im Unterschied zu jenen vermochte er sie zu beschreiben und so ein Stück weit von sich weg zu schreiben. Was blieb, war seine Solidarität mit jenen, die dem bürgerlichen Ordnungssinn mit ihrer subproletarischen Widersetzlichkeit trotzten. Seine eigene Situation beurteilte er sehr viel pragmatischer und irgendwie schüchterner als die Protagonisten seiner Romane. «Die Zahl der Internierungen, der Entwöhnungskuren, der verschiedenen Katastrophen in meinem Leben, deren Dauer und Daten aufzuzählen, ist unwichtig. Notweniger scheint mir zu sein, kurz aufzuzählen, was ich noch erhoffe.» Mit diesen Worten leitet Glauser 1934 einen Lebenslauf zuhanden seiner «reichhaltigen» Krankengeschichte ein. Seit zwei Jahren hielt man ihn fest in Strafanstalten und psychiatrischen Institutionen – und eben wieder war ein Antrag auf Entlassung abgelehnt und dafür die unbefristete Internierung bestätigt worden. Dennoch bekundete er mit «scheuer Zuversicht», dass er die «Frage der Anpassung» wohl lösen werde, wenn es ihm nur gelinge, konzentriert zu schreiben und seine Erfahrungen zu «verwerten». In Berthe erkannte er «einen sicheren Punkt in seinem unsicheren Leben». Sie verstand und akzeptierte seine Launen, aber zur Hochzeit am 7. Dezember 1938 sollte es nicht kommen: Am Abend zuvor brach Glauser unter ungeklärten Umständen zusammen und verstarb kurz danach. Eine Flucht im letzten Moment, um der Mutter die Treue zu bewahren? Selbst Berthes Fürsorglichkeit vermochte Glauser nicht zu «retten». Seine Versuche, vom Morphium wegzukommen, scheiterten schon deshalb, weil er die Droge brauchte, um der seit Mitte der Dreissigerjahre gestiegenen Nachfrage nach seinen Texten gerecht zu werden. Wenn wir hier und heute die Friedrich-Glauser-Gasse einweihen, ehren wir damit einen Schriftsteller, der trotz seiner Drogenabhängigkeit ein grossartiges Werk hinterlassen hat. Passt das ins heutige Zürich? Ich meine ja, denn sowohl das Thema Drogen wie auch Glausers «Milieustudien» haben nichts von Ihrer Aktualität verloren. Die «Randständigen» in Glausers Schriften kommen uns oft nur allzu bekannt vor.
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