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Friedrich Glauser Erinnerungen von Emmy Ball-Hennings, J.R. von Salis, Berthe Bendel, Hulda Messmer, Ernst Messmer, Martha Meyer-Messmer, Wolfgang Hartmann, Emil Gerber, Max Müller, Martha Ringier, Josef Halperin und Friedrich Witz Herausgegeben von Heiner Spiess und Peter Erismann 160 Seiten, mit Fotos von Friedrich Glauser, Berthe Bendel und Hulda Messmer, Pappband Neuauflage 2008,
Erstausgabe 1996 |
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Friedrich Glausers literarisches Werk entstand auf dem Hintergrund seiner ausserordentlichen Biografie. Doch haben nur wenige Menschen, die ihm in seinem Leben begegnet sind, ihre Erinnerungen zu Papier gebracht. Diese Texte werden hier mit Fotografien seiner Freundin Berthe Bendel, ihrer Schwester Hulda Messmer, von ihm selbst und von Gotthard Schuh veröffentlicht. Emmy Ball-Hennings begegnete Friedrich Glauser, als sie die Kasse der Dada-Galerie hütete. J.R. von Salis lernte ihn in den Dreissigerjahren in Paris kennen. Der Psychiater Max Müller war Glausers Arzt und Psychoanalytiker in der Klinik Münsingen. Ernst und Martha Messmer besuchten ihre Schwester Berthe in Frankreich, wohin sie zusammen mit ihrem Verlobten Friedrich Glauser gezogen war. Berthe Bendel erzählt, wie sie ihn kennenlernte, und schildert ihre Schwierigkeit, eine Stelle als Psychiatrieschwester zu finden, weil sie sich «mit Glauser eingelassen» hatte. |
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Vorwort
Emmy Ball-Hennings «Er nahm in Unbefangenheit und gierig das Leben auf.»
Josef Halperin «Die Tragik dieses Lebens ist sublim, weil sie den Sieg in der Niederlage enthält.»
Wolfgang Hartmann «Durch und durch war dieser junge Mensch von Kultur getränkt.»
Josef Halperin «Diese ungewöhnliche Widerstandskraft hat ihn vor dem Zerbrechen bewahrt.»
Emil Gerber «Sein Anliegen war das Väterliche der Fahndung.»
Martha Ringier «Alles Richten und Verdammen löste einen Aufruhr in ihm aus.»
In Angles, La Bernerie und Nervi Fotografien von Berthe Bendel, Hulda Messmer und Friedrich Glauser
Berthe Bendel «Er liebte seine Mitmenschen und fand immer Entschuldigungen und Verständnis für ihre Fehler und Nöte.»
Ernst Messmer «Er hatte nicht die Hände und die Kraft zum Umstechen.»
Hulda Messmer «Er war ein guter Mensch und hätte sein Hemd weggegeben, wenn jemand keines gehabt hätte.»
Martha Meyer-Messmer «Mit seiner Asche und einer Katze, derer Glauser sich angenommen hatte, machten wir uns auf die Rückreise in die Schweiz.»
Max Müller «Im Zwiespalt zwischen Anlehnung und Auflehnung.»
Friedrich Witz «Flucht aus der Zeit in die Verzauberung.»
J. R. von Salis «Eine menschliche Wärme hatte uns einst einander nahegebracht.»
Zeittafel |
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Vorwort Friedrich Glauser wurde 1918 volljährig und gleichzeitig für den Rest seines Lebens entmündigt. Bis zu seinem Tod zwanzig Jahre später lebte er acht Jahre in Kliniken, zwei Jahre in der Fremdenlegion und fast fünf Jahre im Ausland. Nicht überraschend ist daher, dass es nur wenige Menschen gab, zu denen er einen engeren, gar über Jahre dauernden Kontakt hätte nden können. Kaum vorstellbar, wie wichtig ihm diese Freundinnen und Freunde gewesen sein mussten, die ihn schreibend auf den vielen Stationen seines Lebens begleiteten, die die Veröffentlichung seiner Manuskripte förderten oder ihm in seinen Auseindersetzungen mit Amtsstellen, Vormund und Klinikdirektoren beistanden. Die meisten dieser Menschen sind auch in diesem Buch vertreten, mit Zeugnissen ihrer Liebe und Wertschätzung zu Glauser. Friedrich Glauser war bekannt als erfolgreicher und vielgelesener Autor von Feuilletons und Fortsetzungsromanen, die in Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht wurden. Als Bücher erschienen von seinen sieben Romanen zu Lebzeiten lediglich zwei – Schlumpf Erwin Mord, mit dem von Glauser abgelehnten Titel Wachtmeister Studer, und Matto regiert, alle übrigen erst nach seinem Tod. Für die Verleger, Herausgeber, Regisseure und Publizisten, die sich nach seinem Tod um sein Werk gekümmert und sich darum verdient gemacht haben, sei hier Hugo Leber, der Herausgeber der vierbändigen Werkausgabe in Peter Schifferlis Arche Verlag erwähnt. Auf die Veröffentlichung ihrer Aufsätze und Essays zu Glauser haben wir verzichtet und uns ausschließlich auf Texte von Menschen beschränkt, die Friedrich Glauser persönlich gekannt haben. Die meisten der dreizehn Beiträge wurden in den ersten Jahren nach dem Tod Glausers geschrieben und veröffentlicht, einige erst aus der Erinnerung nach längeren Jahren. Sehr verschiedene Menschen erinnern sich an Glauser: Emmy Ball-8 Hennings, die ihn kennenlernte, als sie die Kasse zur Sturm- Ausstellung in der Dada-Galerie im Sprünglihaus hütete. Wolfgang Hartmann, über dessen Biographie wir nichts in Erfahrung bringen konnten, hat Glauser während des Ersten Weltkriegs im Café Odeon kennengelernt und ist ihm in Ascona wiederbegegnet. Josef Halperin, der den Roman Gourrama in der Zeitung ABC veröffentlichte. Friedrich Witz, der Verleger der Zürcher Illustrierten, wo Wachtmeister Studer, Die Fieberkurve und Der Tee der drei alten Damen erschienen. Martha Ringier, die mütterliche maman Marthe, die Glauser erstmals 1935 in der Waldau besuchte und ihm bis zu seinem Tode verbunden blieb. Der Lyriker Emil Gerber, der Glauser anlässlich der Lesung im «Rabenhaus» kennenlernte und in den Glauser- Verfilmungen von Leopold Lindtberg mitspielen sollte: als Pfleger Jutzeler in Matto regiert und als Arbeiter in Ellenbergers Pflanzschule in Wachtmeister Studer. Max Müller, Glausers Arzt und Psychoanalytiker, in dessen Familie Glauser Aufnahme und Wärme gefunden hat. Und J.R. von Salis, der Glauser 1932 in Paris begegnete. Berthe Bendel lernte Friedrich Glauser im Spätsommer 1933 in der Klinik Münsingen kennen, an einem Fest mit Musik und Tanz, eine Szene, die Glauser-Leserinnen und -Lesern nicht unbekannt ist. Martha Meyer-Messmer, Hulda Messmer und Ernst Messmer erzählen von den Besuchen bei ihrer Schwester Berthe Bendel und ihrem künftigen Schwager Friedrich Glauser in Angles und La Bernerie, der vielleicht glücklichsten Zeit in seinem Leben. Aus dieser Zeit stammen auch die Fotogra en zu den drei letzten Stationen in Glausers Leben, die zu den wenigen Bildern gehören, die von Glauser bekannt sind. Sowenig er im literarisch-publizistischen Mittelpunkt stand, sowenig war er Objekt der fotografischen Neugierde. Umso wertvoller auch diese Dokumente, die wir Berthe Bendel, Hulda Messmer und ihm selber verdanken. Heiner Spiess Zur Neuausgabe Der vorliegende Erinnerungsband an Friedrich Glauser erschien erstmals 1996, anlässlich des hundertstens Geburtstages des Schriftstellers und als Begleitpublikation zur Ausstellung «Friedrich Glauser» im Schweizerischen Literaturarchiv in Bern, welche anschließend noch in Zürich, Liestal, Berlin und Wien präsentiert werden konnte. Das Buch war damals relativ schnell vergriffen, wurde aber vom Publikum regelmäßig nachgefragt. Umso erfreulicher ist es nun, dass sich der Verlag, zwölf Jahre nach der Erstpublikation und anlässlich des 70. Todestages von Glauser, für eine Neuausgabe entschieden hat. Der Inhalt des Bandes ist unverändert. Jedoch haben wir uns dazu entschlossen, die drei Bildteile mit den Fotografien von Glauser und den Geschwistern Bendel-Messmer im Mittelteil des Buches in einem Beitrag zusammenzulegen und auf separates Papier zu drucken. Dadurch erfahren die seltenen Dokumente eine sinnvolle Aufwertung. Auf die hinreichend bekannten Porträts von Gotthard Schuh von Glauser haben wir für die Neuausgabe verzichtet. Das Format und die Ausstattung wurden angepasst, der Textteil neu umbrochen und der Umschlag neu gestaltet. Wir hoffen damit, die Erinnerung an einen der großen Schriftsteller unseres Landes wach zu halten und ein neues und jüngeres Publikum zu erreichen. Die vorliegende Neuausgabe verstehen wir aber auch als Hommage an den 2006 verstorbenen Mitherausgeber und Freund Heiner Spiess. Peter Erismann |
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Agnuzzo bei Lugano, 20. März 1939 Sehr geehrter Herr Doktor Witz, ich erhalte soeben Ihren Brief und freue mich zu hören, dass Sie dem lieben Friedrich Clauser ein Buch widmen wollen. Soweit es mir nur möglich ist, stehe ich Ihnen gern mit Angaben und was ich sonst noch habe zur Verfügung. Ich will in diesen Tagen meine Truhe einmal durchsuchen nach Manuskripten von Clauser, ich glaube, ich habe da allerlei, was für Sie in Be12 tracht kommen könnte und das ich Ihnen alsbald zusenden werde. Es ist kaum anzunehmen, dass sonst jemand aus dieser frühen Zeit Manuskripte von Clauser hat. Er hat damals mehr übersetzt und Nachdichtungen geschrieben, weniger eigene Sachen. Doch, um dies gleich vorwegzubemerken, er schrieb damals einige Skizzen über seinen Vater, mit dem er offenbar seelische Schwierigkeiten hatte, und diese Skizzen, an die ich mich gut erinnere, schienen mir nur die ersten spontanen Äußerungen zu einem großen Thema zu sein, das ihn offenbar sehr bewegte. Nun, wie gesagt, ich will nach allem, was ich habe, gehörig fahnden. Möglich wäre es, dass Hans Arp, Meudon (bei Paris), Rue des Châtaigniers 21, noch etwas von Clauser hat. Ferner gab es in Zürich einen damals jungen Mann, namens Schalk, der gleichfalls etwas von Clauser aufbewahrt haben könnte. Schalks Adresse ist mir nicht bekannt, doch will ich mich mal umhören. Als ich die Nachricht vom Tode Clausers erfuhr, hätte ich ihm gern ein paar liebe Worte nachgerufen, aber ich gestehe, dass ich zu tief bewegt war, als das Bild aus den Basler Nachrichten vor mir lag, jenes vom Leben so sehr mitgenommene Gesicht, was um so stärker auf mich wirken musste, da ich Frédéric ja als blutjungen Menschen kannte, der das Leben, auch, wo es schwer war, kühn und leicht auf sich nahm. Ich lernte ihn im Jahr 1916, in der Galerie Dada, im Sprünglihaus an der Bahnhofstraße kennen. (…) … |
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«Der Limmat Verlag, der sich um Glauser schon mit einer beeindruckenden Werkausgabe verdient gemacht hat, hat einen sehr schönen Erinnerungsband herausgegeben, in dem viele Zeugnisse von Zeitgenossen Glauseres abgedruckt und auch einige bislang unbekannte Fotografien.» Die Tageszeitung taz «Ein Muss für alle Glauser-Liebhaber!» Beobachter «Aus den Erinnerungen entsteht ein ebenso vielschichtiges wie scharfes Bild Glausers.» ORF «Der besondere Reiz dieser Aufzeichnungen besteht darin, dass Glauser in ihnen für einmal nicht primär als Schriftsteller wahrgenommen und dann stereotyp als poète maudit gedeutet wird, sondern unverstellt erscheint.» Neue Zürcher Zeitung «Wer einen ersten Zugang zu Glauser sucht – warum nicht über dieses Buch?» Tages-Anzeiger «Das Buch bietet sehr persönliche Informationen zum Kriminalschriftsteller und Autor Glauser, welche die bisher vorliegenden Biografien auf das Beste ergänzen.» Bonner Krimi Archiv |
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© Limmat Verlag |