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Peter Höner Bonifaz – Ingenieur seines Glücks Erzählung
2001, 206 Seiten, gebunden |
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| Kurze Inhaltsangabe | |||
Kulturelle MissverständigungWenn zwei dasselbe wollen, ist es nicht das Gleiche Bonifaz, der Nachtwächter des Vertreters einer Schweizer Firma in Afrika, hat Angst vor der Nacht. Lieber als sich erschiessen lassen, will er Automechaniker werden und dann Mary Spoon heiraten. Der Weisse beschliesst, ihn finanziell und moralisch zu unterstützen. Aber bald stellt sich heraus, dass beide von etwas anderem geredet haben. Und beide wollen ganz unterschiedlich vorgehen. Warum nur ist Bonifaz so zögerlich? Und warum tritt der Weisse in jedes Fettnäpfchen? Über tausend alltägliche Stolpersteine kommen sich die beiden allmählich näher, und Bonifaz erringt schliesslich sein – allerdings reichlich zweifelhaftes – Diplom. Mit trockenem Humor berichtet Peter Höner von den unablässigen und schwierigen, manchmal auch witzigen bis aberwitzigen Missverständnissen der zwei Protagonisten. |
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| Textprobe | |||
| Bevor
Bonifaz mit der Arbeit beginnt, will der Weiße seine Papiere sehen.
Er übergibt ihm das Lohnbuch von Securicor und teilt ihm mit, dass er
eigentlich ein Polizist sei. Er habe die Prüfung für die
Polizeischule bestanden. Auch das kann er mit einem Papier belegen.
«Und zwölf Jahre in die Schule gegangen bin ich auch.» Der Weiße nimmt ihm die Papiere ab. Er behält sie in der Hand, ohne sie anzuschauen, aber doch so, als wolle er sie behalten. «Wir waren bestimmt Tausend. Die Prüfung bestand aus zwei Teilen. ‹Aufgaben und Ziele der Polizei aus der Sicht eines Polizeianwärters.› – Auch bei Securicor nehmen sie nicht jeden.» Sein neuer Boss schaut ihn erstaunt an. «Sie sind Polizist?» «In einem Jahr. Vielleicht. Wenn ich nicht Nachtwächter bleibe. Nachtwächter ist auch gut.» «Wird Nachtarbeit denn besser bezahlt?» «Ich habe eine Prüfung gemacht. Sie war sehr schwer. Erst mussten wir um die Polizeikaserne laufen. Zwei Polizeioffiziere gaben das Tempo vor. Es war schnell, aber Patrick und ich …» «Patrick?» «Wir sind zusammen in die Schule gegangen, er kommt aus demselben Dorf. Auch er arbeitet als Nachtwächter. – Keiner wusste, wie lange wir um die Kaserne herumlaufen würden, aber allen war klar, wer hier schlapp machte, war schon durchgefallen. – Zehn Runden.» «Das war die Prüfung?» «Nein, das war der Anfang. – Wir mussten die Füße zeigen, weil sie Plattfüße ausmusterten. Wem es nicht gelang, ein Auge zu zu kneifen, ohne mit dem andern zu plinkern, genügte den Anforderungen ebenfalls nicht. …» »Securicor und die Polizei, arbeiten die denn zusammen?» «Das weiß ich nicht, aber ich glaube schon. – Fünfzig wurden für eine Probezeit aufgenommen. – Die Namen wurden am Eingang der Kaserne angeschlagen. Wir waren nicht dabei. Aber wir haben eine Bescheinigung erhalten, dass wir es nächstes Jahr noch einmal versuchen können. – Das andere Blatt ist mein Schulabschluss, aber die Prüfer haben mich nicht so richtig beurteilt.» Der Weiße nickt, besonders beeindruckt ist er nicht. Er faltet den Schulabschluss auseinander und wirft einen kurzen Blick darauf. Danach gibt er ihm die Bescheinigung der Polizeischule und die Bewertung seiner schulischen Leistungen wieder zurück. Das Lohnbuch behält er. «Es ist gut. Für eine Probezeit können wir es versuchen. Ich zeige Ihnen jetzt Ihren Arbeitsplatz.» «Das ist nicht nötig, wenn ich nur mein Buch wieder haben kann.» «Ich möchte mir eine Kopie davon machen», sagt der Weiße. «Wir möchten wissen, mit wem wir zusammenleben. Schließlich sind Sie es, der hier bei uns ein- und ausgeht, und nicht Securicor. – Das Einfachste wird sein, wenn wir das Gelände einmal zusammen inspizieren, und die Hunde nehmen wir gleich mit. – Max! Moritz! Los, auf, auf!» Weiß der Weiße denn nicht, dass er schon gestern hier war? Er kennt das Grundstück; das Haus, den Garten mit dem bunten Häuschen, die Häuser der Bediensteten. Seine Arbeit braucht ihm niemand zu erklären. Er weiß, dass es hier von Dieben wimmelt und dass vergangene Nacht in der Villa eingebrochen worden ist. Der Weiße meint, er könne sich auf der Veranda zwischen den Häusern der Angestellten einrichten. «Im Moment sind sie leer, doch schon morgen ziehen unsere neuen Hausangestellten ein, zwei Schwestern aus Thika. Vielleicht zusammen mit ihren Kindern. Wir freuen uns sehr. – Den Alarmknopf für den Wächter hat mir Ihre Firma heute Mittag ebenfalls hier eingerichtet.» Was der Weiße schon alles gemacht und entschieden hat. Ein Wachposten zwischen zwei Frauenhäusern und ihren Kindern? Und warum redet er von einer Probezeit? Was will er mit seinem Lohnbuch? Er ist von Securicor angestellt. Der Weiße bezahlt ihm keinen Lohn, sondern die Firma, die ihn ausgerüstet und ihm eine Uniform gegeben hat. Spät in den Nacht muss er den Mann aus dem Haus klingeln. Der Supervisor verlangt es. Er muss das Lohnbuch von Bonifaz haben. Er muss unterschreiben, dass er den Wächter bei der Arbeit vorgefunden hat. Wach. Die Unterschrift ist wichtig. Für beide. Ohne Unterschrift erhält keiner seinen Lohn. |
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| Stimmen zum Buch | |||
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«Peter Höner hat eines der besten Schweizer Bücher der letzten Jahre geschrieben. Er schildert den kenianischen Alltag (den er selber während vier Jahren erlebt hat) mit lebendigen Bildern und versteht es, aus der schwer beladenen Drittwelt-Ecke den Stoff für eine leicht lesbare Geschichte zu weben, die zwar oft komische Situationen hervorbringt, und trotzdem bis am Schluss eine differenzierte und von A-Z spannende Lektüre bleibt.» www.lokwort.ch |
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Peter Höner setzt die Erfahrungen eines eigenen Afrika-Aufenthalts in einer Erzählung um, welche kulturelle und soziale Kontraste illustriert: Die Welt der Europäer trifft auf jene der Afrikaner; Stadt und Land, Moderne und Tradition reiben sich aneinander. Der Autor verfestigt nicht einfach bekannte Klischees, sondern durchbricht immer wieder die gängigen Rollenmuster. So gebärdet sich Bonifaz, Sprössling einer ländlichenSippe, nicht unterwürfig, vielmehr meldet er Kritik am maroden Schulsystem an. Und es sind nicht die Weissen, welche ihn und seinesgleichen auszubeuten versuchen, sondern Schwarze wie der Direktor und die Lehrer der Privatschule City Engineering Centre, wo Bonifaz mit unzulänglichen Methoden und Mitteln zum Automechaniker ausgebildet werden soll, vorausgesetzt: Das nötige Schmiergeld wird bezahlt. Der Schweizer wiederum hinterfragt seine Rolle eines Sponsors, denn er will nicht einfach fördern und dabei Bonifaz, der nicht so selbstverständlich auf seine Vorschläge eingeht, entmündigen. Als er schliesslich zusammen mit dem Burschen dessen Sippe besucht, ist er der Lernende, welcher sich den streng ritualisierten Kommunikationsformen unterwirft und in der ländlichen Abgeschiedenheit auf selbstbewusste Menschen trifft, zumal auch auf Frauen, welche ihr traditionell vorgegebenes Verhaltensmuster rebellisch zurückweisen. Doch die Baustelle Zukunft, auf die Bonifaz und sein Helfer ihren Blick gerichtet haben, verschont nicht vor Enttäuschungen. Der Sohn erinnert sich an den Vater, der stets Veränderungenverurteilt hat und für den «Zukunft» ein Fremdwort geblieben ist. In seiner Ausweglosigkeit erkrankt Bonifaz - vermutlich an jenem psychosomatischen Leiden, das man einmal «Heimweh»genannt hat - und fürchtet grundlos, an Aids sterben zu müssen. So siedelt sich seine Zukunft schliesslich in der Vergangenheit an: Bonifaz kehrt dorthin zurück, wo er einmal traumschwer auf- und ausgebrochen ist. Gleichsam in einer Parallelführung wird auch sein Schweizer Mentor wieder heimreisen. Ein Hauch von Resignation weht um dieses Finale. «Gleichwohl ist die Lektüre dieser gelungenen Erzählung mit mehr Humor durchsetzt, als es diese Kurzfassung ahnen lässt. Allein schon die aus der kulturhistorischen Differenz entstehenden Missverständnisse zwischen Bonifaz und dem weissen Mann sorgen für jenes Schmunzeln, das frei von Herablassung ist. Es versteht sich für einen subtilen Beobachter wie Höner, dass Klugheit und Einfältigkeit abwechselnd beiden Seiten eigen sind. Und dass Bonifaz schliesslich der Stadt den Rücken kehrt, wo er um ein Haar zum Kleinkriminellen geworden ist, spricht für sein intaktes ethisches Empfinden. Da wird er dennoch zum «Ingenieur seines Glücks» - eines anderen Glücks allerdings, als er es sich einst erhofft hat. Denn nur so kann er sich retten und vor sich selbst bestehen. Sein Name Bonifaz - der zum Heil Bestimmte - dürfte da kein Zufall gewesen sein.» Neue Zürcher Zeitung |
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