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Meinrad Inglin Jugend eines Volkes Fünf Erzählungen
Ehrenhafter Untergang Erzählung Gesammelte Werke in Einzelausgaben 3 Nachwort von Egon Wilhelm
1989, 384 Seiten, Leinen sFr. 24.–, € 20.– ISBN 978-3-85791-658-8
vergriffen
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Die fünf Erzählungen der «Jugend eines Volkes» führen aus mythischem
Halblicht über sagenhafte Zwischenstufen, die der dichterischen Phantasie
weiten Spielraum gewähren, allmählich hinüber in die Bereiche historisch
dokumentierbarer Überlieferung: aus Geschichten wird Geschichte. Der Zyklus
setzt ein mit der Sage von Swit und Swen und dem Einzug der Alemannen in den
Talkessel von Schwyz. Längst Vertrautes erscheint in völlig neuer,
überraschender Beleuchtung. Je reicher die Quellen fliessen, desto dichter
werden die Bezüge zu den weltpolitischen Hintergründen, um so zwingender
wird die Motivation zur Gründung eines Staates. Den krönenden Abschluss
bildet die Stunde der Bewährung bei Morgarten; die grossartige Sequenz der
Geschehnisse um den ersten Freiheitskampf der jungen Eidgenossenschaft lässt
bereits den Inglin des Schweizerspiegels vorausahnen. Im «Ehrenhaften Untergang» schreitet der sechzigjährige Inglin noch einmal die selben Räume ab, die er zwanzig Jahre zuvor mit den Gestalten der Vor- und Frühgeschichte bevölkert hatte; diesmal aber gilt sein Augenmerk dem Zerfall jener Ordnungen, die sich im Lauf der Jahrhunderte überlebt hatten. Inglins Darstellun, aufgrund ausgedehnter Quellenstudien erarbeitet, folgt den historischen Tatsachen der verhängnisvollen Maitage von 1798 in erstaunlichem Ausmass, wahrt sich aber im Einzelnen alle Rechte dichterischer Freiheit. Den halbherzigen Massnahmen der Behörden steht der Wille des Volkes gegenüber, das an der Landsgemeinde den kompromisslosen Abwehrkampf durchsetzt. Dominiert von prägnanten Einzelgestalten und immer aufs neue belebt durch Bilder und Episoden von unvergesslicher Leuchtkraft, entwickelt sich die Handlung mit zwingender Folgerichtigkeit bis zum militärischen Teilerfolg bei Rothenthurm, der die Voraussetzung für eine ehrenhafte Kapitulation schafft. |
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| Im Grauen der ersten
Frühe zogen Menschen von Mitternacht her durch die tropfenden Wälder,
gebräunte bärtige Männer im Fell von Rind und Wolf, die Axt im Gurte, die
Faust am Spieß, den linken Arm im Schild, die hellen Augen voll der kindhaft
dringlichen Neugier, die hinter jedem Gehölz und Hügel das Wunder erwartet.
Zwei Schwertbewehrte wählten den Weg, die regellos Folgenden schürften
Weismale in die Rinde alter Tannen. Hoch am Rand einer queren Flußrinne
hielten sie zögernd an, die Sonne stieg aus den Nebeln, Hirsche horchten
regungslos am fließenden Wasser. Sie waren Alemannen, vom Stamm des edelsten Suebenvolks, der Semnonen, und sie hatten nach der Fahrt aus mitternächtlichen Wäldern die überfüllte Siedlung am See, die im Munde der Väter Turic hieß, mit Weib, Kind, Vieh und aller Habe wieder verlassen. Begierig waren sie dem See entlang weiter gezogen, doch als das Ufer nach Aufgang bog, ihm nicht gefolgt, sondern nach Mittag abgewichen, in rauheres Land, aber nach Mittag. Jetzt hielten sie und wurden uneinig. Etliche wollten hier den Troß erwarten, dem sie vorangezogen, und dann weiter, den Fluß hinauf oder hinüber, andere wollten zurück, die Schwertbewehrten selber, edler Abkunft beide, stritten darüber. Der Edle Swen forderte, indes er mit dem Schwerte spielerisch ein Tännchen schändete, daß man wohl dies ganze Waldland bis zum Gebirge unter Bot zu nehmen habe, aber die Siedlung zurückverlegen müsse an das Seeknie, weil nur ein Tor noch bergwärts ziehen könne. Da stand der andere auf, Swit, und sagte, daß er denn ein Tor sein und mit allem Anhang bergwärts fahren werde, aber niemand hindern wolle, umzukehren. Er warf sich die mit Marder und Fuchs verbrämte Wolfshaut über, nahm die Waffen und suchte am Fluß nach der nächsten Furt, um weiter zu fahren, aus Aberwiz vielleicht, doch voll geheimer Neugier und dem Herzen folgend, mittagwärts. |
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