5 Fragen an Jürg Jegge

zu Fit und Fertig. Gegen das Kaputtsparen von Menschen und für eine offene Zukunft

Jürg Jegge: Warum jetzt dieses Buch?

In den letzten paar Jahrzehnten hat das «neoliberale» Denken, also das Denken in rein ökonomischen Kategorien wie Effizienz oder Konkurrenz in weiten Bereichen unseres Lebens immer mehr um sich gegriffen und verheerende Spuren hinterlassen: etwa im sozialen Bereich, im Gesundheitswesen und nicht zuletzt in der Schule.

Die Schule spielt auch in diesem Buch eine herausragende Rolle: Welche?

Die Rolle, welche die Schule schon immer gespielt hat: als Sortieranstalt für den späteren Platz im Leben. Das versuche ich zu zeigen, bis in Details wie Hausaufgaben oder Abschlussprüfungen. In der Schule wird das «neoliberale» Denken und Verhalten erlebt und eingeübt – und viele leiden darunter.

Was hat sich verändert seit «Dummheit ist lernbar»?

Der Druck auf die Schüler hat deutlich zugenommen, und damit auch die Anzahl der Kinder, die diesem Druck nicht gewachsen sind. Man versucht, die Kinder fit für das «harte Leben» zu machen – und macht sie im Rahmen dieses Fitnessprogramms jetzt schon fertig. Entsprechend viele Therapeuten versuchen dann an allen Enden, den Kindern etwas nachzuhelfen.

Sie kommen auch auf die Medien, die Gesundheitspolitik, die IV, den Sozialstaat zu sprechen: Ist das ein Rundumschlag gegen alle Schlechtigkeit der Welt?

Eher ein Plädoyer für eine grössere Freundlichkeit in dieser Welt
Ich versuche an einigen Bereichen zu zeigen, dass es nicht nur ein Problem der Schule ist, sondern dass sich das rein ökonomische Denken praktisch überall durchgesetzt hat, nicht nur in den Banken.

Ein Drittel des Buches gehört der «offenen Zukunft». Was ist eine «offene Zukunft»?

Die Zukunft von uns allen ist gründlich verstellt. Verstellt vor allem durch die Auswirkungen dieses rein ökonomischen Denkens. Und dann wird uns immer erzählt, dass es zu diesem Denken keine Alternative gebe. Dabei gibt es durchaus andere Möglichkeiten, theoretische und ganz praktische. Das versuche ich zu zeigen, zumindest in den paar Bereichen, von denen ich einigermasssen etwas verstehe.