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Moritz Leuenberger Die Rose und der Stein Grundwerte in der Tagespolitik Reden und Texte 2002, 176 Seiten, Pappband
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Grundwerte und Tagespolitik Moritz Leuenberger leitet ein bewegtes Departement in
einer Zeit des Umbruchs, das bringt hektische tagespolitische Situationen
mit sich. Aber gerade in Zeiten des Umbruchs ist Orientierung wichtig:
Worum geht es uns? Wie wollen wir leben? Wie begegnen wir unserer
ungewissen Zukunft? Die Reden wurden gelegentlich leicht gekürzt, wo tagesaktuelle Details nicht mehr leicht zugänglich waren. Die ganzen Texte sowie weitere, in diesem Buch nicht publizierte Reden können nachgelesen werden unter www.moritzleuenberger.ch
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Inhalt Menschenrechte und Gotthardstau
Im Namen Gottes des Allmächtigen! Danken und denken Was die Kirche denkt, muss sie dem Kaiser sagen
in der Verantwortung gegenüber der Schöpfung, Die Rose und der Stein: ein Bekenntnis zur Vergänglichkeit Das Böse, das Gute, die Politik
im Bestreben, den Bund zu erneuern, Zürich 650 Jahre in der Eidgenossenschaft Theater und Politik
um Freiheit und Demokratie, Unabhängigkeit und Frieden in Solidarität und Offenheit gegenüber der Welt zu stärken, Dialog der Kulturen: europäische Realität – globale Utopie? Das Lob der Gleichheit Medien und Manipulation
im Willen, in gegenseitiger Rücksichtnahme und Achtung Die planmässige Förderung der christlichen Nächstenliebe Darum komme ich ins Albisgüetli Kommunikation bedeutet Gemeinsamkeit
ihre Vielfalt in der Einheit zu leben, Rettet den Röstigraben Meine Damen und Damen, meine Herren und Herren Früher war alles besser Der sechste Sinn des Buches
im Bewusstsein der gemeinsamen Errungenschaften Rituale in der Politik Vom langen Lernen, ein guter Eidgenosse zu werden
und der Verantwortung gegenüber den künftigen Generationen, Von Zugvögeln, Wildschweinen und Angsthasen Die Sonne, der Mond, die Liebe und das Automobil
gewiss, dass frei nur ist, wer seine Freiheit gebraucht, Die Schranken der Freiheit Das Privileg des freien Willens Freiheit und Risiko
und dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen Den Schwachen achten macht den Starken stark … und unsern kranken Nachbarn auch |
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Menschenrechte und Gotthardstau «Der Bundespräsident zieht es offenbar vor, in einer Uno-Versammlung eine Rede zu den Menschenrechten zu halten, statt sich dem wirklichen Problem von uns Schweizern zu widmen, nämlich dem Stau am Gotthard.» Ein Chefredaktor drückte aus, was viele immer wieder denken: Der Bundespräsident redet, statt dass er handelt, er widmet sich schönen Theorien statt der Tagespolitik. Zuerst entrüstete ich mich: Was ist schon das Warten im Auto verglichen mit Folter und Mord? Doch, musste ich mir dann sagen, wir denken ja alle zuerst einmal an unsere eigenen praktischen Schwierigkeiten, bevor wir uns um Grundsätze kümmern. Tony Blair wurde vorgeworfen, er sei nicht gewählt worden, um gegen das Böse auf der Welt zu predigen, sondern um die Infrastrukturen von England wieder instand zu stellen. Der Ruf einer schweizerischen Parteipräsidentin nach einer Grundwertediskussion verklang ungehört im Lärm der Tagespolitik. Unmittelbare Bedürfnisse haben wir alle. Einen Politiker daran zu erinnern, dass er sich um die nahen Nöte zu kümmern habe, ist demokratisch und es ist auch richtig. Seine Aufgabe ist es, diesen Nöten zu begegnen und sie zu lindern. Trotzdem bin ich mit der Intervention nicht einverstanden, weil sie nämlich die Menschenrechte gegen den Stau am Gotthard ausspielt und damit Grundwerte von so genannter Sachpolitik trennt. Dagegen wehre ich mich. Das tagespolitische Ringen um Sachprobleme führt uns notwendigerweise zu unseren Grundwerten. Eine Autobahneröffnung gibt Gelegenheit zu fragen: Sollen wir für Zugvögel aus Dänemark, die ein Mal im Jahr in der Schweiz zwischenlanden, bevor sie nach Nordafrika weiter fliegen, einen Autobahntunnel für 150 Millionen Franken bauen? Oder wie viel dürfte denn ein solcher Tunnel kosten? Ist eine Klimaveränderung bewiesen? Wer muss sie beweisen? Das Nachdenken darüber zeigt, warum wir, obwohl wir alle um unsere Vergänglichkeit wissen, uns dennoch für das Leben aller Generationen einsetzen. Wenn wir den Alltag gestalten und dabei überlegen, welche Entscheide wir treffen sollen, denken wir über die Folgen der verschiedenen Lösungsmöglichkeiten nach: Wie reagieren die Betroffenen? Ist ein Entscheid rückgängig zu machen, wenn er sich als falsch erweisen sollte? Können spätere Generationen ihn rückgängig machen? Ahmen andere den Entscheid nach? Was hätte das wiederum für Folgen? Solche Fragen führen uns zu den Grundnormen einer Gesellschaft. So sind religiöse Gebote, philosophische Manifeste oder politische Erklärungen zustande gekommen, die Bergpredigt, die Charta der Menschenrechte, Staatsverfassungen. Grundsätzliche Überlegungen darüber, wie die Menschen zusammenleben,
welche Pflichten, welche Rechte sie haben, wie sie sich in der Natur
verhalten sollen, sind auch bei der Totalrevision der Schweizerischen
Bundesverfassung gemacht worden. Sie fanden ihren Niederschlag in der
Präambel. Nach ihr habe ich die hier veröffentlichten Reden systematisch
gegliedert. Damit möchte ich zeigen, dass die Einleitung unserer
Verfassung eine konkrete Bedeutung für die Tagespolitik hat, dass es
wertneutrale Sachpolitik nicht gibt, sondern sie sich stets an unseren
Grundzielen misst. Moritz Leuenberger |
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«Reden halten tut er mit so viel Engagement und Originalität, dass er dem Bundesrat, über seinen Rücktritt hinaus, als amtlicher Redenschreiber erhalten bleiben müsste. Und obwohl im Präsidialjahr notgedrungen zum Krisenredner mutiert, kommen seine Auftritte oft ausgesprochen lustig daher.» Tages-Anzeiger |
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Rezensionen |
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St. Galler Tagblatt vom 4. Dezember 2002 Vom Reden und vom Handeln «Die Rose und der Stein» - Neue Reden und Texte von Moritz Leuenberger Bundesrat Moritz Leuenberger hat einen zweiten Band mit gesammelten Reden aus den Jahren 2001/2002 herausgegeben - Bekenntnisse zu einer Politik, die über den Tag hinausdenkt. Was ist von einem Bundesrat zu halten, der seine Reden als Buch in einem literarischen Verlag veröffentlicht? Einen Einwand gegen solches Tun nimmt Moritz Leuenberger im Vorwort auf, indem er einen Zeitungskommentar zitiert: «Der Bundespräsident zieht es offenbar vor, in einer UNO-Versammlung eine Rede zu den Menschenrechten zu halten, statt sich dem wirklichen Problem von uns Schweizern zu widmen, nämlich dem Stau am Gotthard.» Das Beispiel macht es ihm einfach, das Leiden verärgerter Chauffeure gegen jenes gefolterter Menschen aufzuwiegen und so sein Verständnis von Politik zu legitimieren: Tagespolitische Sachentscheide müssten auf Grundsätze gebaut sein, die sozial, ökologisch und ethisch vertretbar seien. Antike Kunst Als Prokatalepse beschreiben Rhetoriklehrbücher eine solche vorwegnehmende Widerlegung möglicher Einwände. Zu studieren sind diese Mittel, mit denen auf eine bestimmte Reaktion beim Publikum hingearbeitet wird, bei den antiken Rhetorikern. In Cicero und Cäsar finden sich denn auch Vorbilder von Politikern, die heute literarisch gelesen werden. An künstlerisch ambitionierten Staatsmännern ist die Geschichte seither nicht eben reich: Shakespeare und Schiller schrieben brillante Reden, allerdings für fiktionale Könige und Feldherren. Gottfried Keller beschäftigte sich in seinen Novellen mit staatsphilosophischen Fragen, über seine Gebrauchstexte als Beamter schweigt die Literaturgeschichte höflich. Auch mit den Präsidenten der Moderne von Reagan über Mitterrand bis zu Putin, die sich mit Memoiren unsterblichen Ruhm zu sichern versuchen, ist Moritz Leuenberger nicht zu vergleichen. Vaclav Havel wiederum war zuerst ein geachteter Schriftsteller und später ein Präsident, der Theoretisches zu Politik und Gesellschaft veröffentlichte. Leuenbergers Absicht am ähnlichsten ist vielleicht die Geste von Expo-Direktorin Nelly Wenger, die sich mit dem Buch «Ich lade Sie ein» an die Schweizer wandte. Verfassung als roter Faden «Die Rose und der Stein» ist in seinem Anspruch wie im Gehalt ein eminent persönliches Werk. Dies, obwohl die Reden von Anfang an für die Öffentlichkeit geschrieben wurden. Persönlich in jenem Sinne, dass ihr Verfasser darin jedes Mal auch ein Stück seiner Grundhaltung erklärt, statt einfach nur den jeweiligen Anlass abzuhaken. Zu seiner Überzeugung gehört ganz zentral: «Das tagespolitische Ringen um Sachprobleme führt uns notwendigerweise zu unseren Grundwerten.» Das tragendste Fundament für Leuenberger als Staatsmann ist die Bundesverfassung. Ihre Präambel leitet das Buch ein, und die einzelnen Zeilen gliedern es in Kapitel. (...) Politik philosophisch Moritz Leuenberger gefällt sich in der Rolle des Redners, der Wahrheiten über die vordringlichsten Fragen hinaus anzubieten hat. Mit dem Tonfall eines Predigers verfällt er zuweilen ins Moralisieren. Im Präsidialjahr 2001 hat er die Rolle des integrativen Landesvaters mit Lust perfektioniert. Nach «Träume & Traktanden» (2000) ist nun daraus das zweite Buch «Die Rose und der Stein» entstanden. Beweisen die Texte, was für ein guter Bundesrat Moritz Leuenberger ist? Oder im Gegenteil, dass er lieber schön redet als zielstrebig handelt? Zuerst einmal zeigt dieses Buch, wie der Magistrat die Rede als politisches Instrument in der Öffentlichkeit einsetzt. Darüber hinaus werben seine Ansprachen für ein Interesse am Staat und für gelebte Staatsbürgerschaft. eva bachmann |
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