Niklaus Meienberg

Die Erschiessung des Landesverräters Ernst S.

Erweiterte Neuausgabe

1977, 1992. 150 Seiten, broschiert

ISBN 3-85791-201-4

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Kurze Inhaltsangabe

Niklaus Meienbergs Enquete über den Landesverräter Ernst S. zählt zu den Klassikern der Schweizer Reportageliteratur. Der harmlose Sonderling aus einer Arbeiterfamilie gerät in die schonungslose Strafmaschine der helvetischen Militärjustiz, während gegen hochrangige Armeevertreter, obwohl sie in der Nazizeit den Tatbestand des Landesverrats viel eindeutiger erfüllen, mit «sträflicher Milde» verfahren wird.

Mit dieser Reportage über den harmlosen Landesverräter Ernst S. gelang Meienberg erstmals eine explosive Mischung aus Geschichtsschreibung, Journalismus und Literatur.

Kein Text der Schweizer Gegenwartsliteratur hat soviel Aufsehen erregt wie Niklaus Meienbergs Reportage über den Landesverräter Ernst S., der aus Geldnot und Frustration den Nationalsozialisten Granaten und läppische Informationen vermittelt und dafür mit dem Leben bezahlt. Während die erfolgreiche Verfilmung der Enquete in Deutschland mit einer hohen Auszeichnung bedacht wurde, suchte die offizielle Schweiz Meienbergs Arbeit von Beginn an zu behindern, sperrte ihm Archivmaterial, das hoffähigen Historikern zugänglich war, und verweigerte eine Qualitätsprämie. Im neu hinzugefügten zweiten Teil des Buches schildert der Autor ausführlich die unorthodoxen Mittel und «illegalen, aber legitimen» Umwege, die er finden musste, um dieses ausgesparte Kapitel der Schweizer Zeitgeschichte darlegen zu können.

Textprobe

Ein anderer Zeuge, Dr. Zollikofer, der Verteidiger des S., sagt, die Erschiessung sei nicht auf Anhieb gelungen. Der durch die Schüsse verursachte Luftzug habe die Fackeln gelöscht. Man habe sie wieder entzündet, und die beiden Armeeärzte, Dr. Notter FMH und Dr. Ivanovitch, untersuchten den leblosen Körper des S. Dabei stellte sich heraus, dass keiner der Schüsse tödlich gewesen war, obwohl aus wenig Schritt Entfernung abgegeben. Der kommandierende Oberst Birenstihl habe deshalb einem Oberleutnant den reglementären Fangschuss befohlen. Dieser Oberleutnant, ein «phantastischer Schütze», habe seine Pistole gezückt und, mit Geschicklichkeit aus nächster Nähe zielend, einen Schuss abgegeben, welchen man wirklich «Tells Geschoss» nennen könne. Die Kugel sei stracks in den Tränenkanal eingedrungen, ohne Verwüstungen am Schädel des S. anzurichten, so dass den Zuschauern der Anblick von herumspritzenden Hirnteilen und dergleichen erspart worden sei. Dr. Zollikofer bestätigt, dass ein Rudel höherer Offiziere sich die Exekution nicht entgehen lassen wollte; die Offiziere blieben aber im Hintergrund, weil Oberst Birenstihl sie gebeten hatte, nicht allzu deutlich in Erscheinung zu treten.

Stimmen

«Ein Journalist, der unter anderem untersucht und beschrieben hat, wie ein kleiner Landesverräter zum Tod verurteilt worden ist, damit gegen andere Zeitgenossen und wichtigere, solche in der Generalität, keinerlei Zweifel aufkommt – dieser bekannte Journalist, der auch noch anderes vor die Öffentlichkeit bringt, was ihm ungerecht erscheint und aufschlussreich, ist nicht vor den Richter gestellt worden; denn es stimmt halt, was er geschrieben hat.» Max Frisch über Niklaus Meienberg

 
 

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