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Niklaus Meienberg
Reportagen aus der Schweiz
Vorwort von Peter Bichsel
1974, 1994, 240 Seiten, gebunden
ISBN 3857912278 |
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Niklaus Meienbergs erstes Buch, 1974 erschienen, in einer
Neuausgabe: die zu Klassikern gewordenen Reportagen, beispielsweise über
seine Vaterstadt St. Gallen, den Boxer Fritz Chervet, die Wohnwagensiedlung
Wagenhausen am Rhein.
«Die Schweiz hat im Ausland das Image der Harmlosigkeit. Nun
ist wohl Harmlosigkeit, wenn auch verachtet, an und für sich nichts
Schlechtes.
Alles nicht als schlimm erscheinen lassen, die Tendenz zum
Harmlosen. Meienberg übertreibt, wird man sagen, weil er entharmlost und
zurückführt in den Ernst. Was wäre, fragt er, wenn das, was hier geschieht,
in einer Schweiz geschehen würde, die etwas mehr wäre als ihre harmlose
Selbstdarstellung? Wenn man bereit wäre, einen Fall nicht als Zufall zu
nehmen, und wenn schon Zufall, wenn man sich entscheiden würde, wo er liegt?
Meienberg plädiert gegen den Zufall. Ohne Zufall gibt es Schuldige, und das
im Land der Unschuldigen. Der größte Feind der Unschuld jedenfalls ist die
Wahrheit, und dieses Land, lieber Niklaus, ist das Land der Unschuldigen
...» Peter Bichsel in seinem Vorwort |
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Wenn man vom Vaterhaus weg in den Süden geht, kommt man über
eine lange Stiege zur Speicherstrasse, die ins Appenzellische führt, hat
einen weiten Ausblick über die den Bodensee bis and deutsche Ufer. Zuerst
eine Anstrengung auf der langen Stiege, dann der schöne Weitblick. Der Vater
nannte das einen lohnenden Spaziergang. Ich war etwa vier Jahre alt, da
haben sich die St. Galler in lauen Kriegsnächten dort oben versammelt und
nach Friedrichshafen geglotzt, wo ein Feuerwerk abgebrannt wurde bei den
Dornier-Flugzeugwerken. Mir schien dort drüben ein besonders lohnender
Erstaugust gefeiert zu werden, Geräusche wie von Raketen und Knallfröschen
und ein Feuer wie das Bundesfeuer auf dem Freudenberg, manchmal bebte auch
die Erde wie beim Vorbeifahren der Speicherbahn, und lustige Feuergarben und
Leuchtkugeln standen am süddeutschen Himmel, und über unseren Köpfen war ein
dumpfes Rollen, ein Tram fuhr den Himmel entlang. |
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«Eine Sprache, die sich am Alltag orientiert und damit
Anschaulichkeit besitzt, die die Kunst des Zitierens beherrscht, die einen
Atem hat, weil die Nase nicht in dem luftleeren Raum von Denkmodellen
steckt, sondern an den Widersprüchlichkeiten und Verlogenheiten riecht und
feststellt, dass da einiges stinkt.» Hugo Loetscher |