Niklaus Meienberg

Die Welt als Wille & Wahn

Elemente zur Naturgeschichte eines Clans

7. Auflage 2005, 1987, 230 Seiten, broschiert

ISBN 3-85791-128-X

 

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Kurze Inhaltsangabe

Was ist das: ein Clan? Kann man sich ein solches Gebilde als Jumbofamilie vorstellen? Oder als Mehrstufenrakete? (Erste und zweite Stufe: 19. Jahrhundert). Oder als Tausendfüssler (Tatzelwurm), der siegesgewiss durchs Jahrhundert knirscht? (Stark gepanzert, und mit kleinen Sehschlitzen, wie ein Tank?) Jede und Jeder gehört zu einem Clan, hat Grossvater/Grossmutter um Stammbaum, meist auch Onkels, Tanten, Cousinen, Neffen und Nichten. Aber wenn der Clan Wille-von Bismark  heisst, und später Rieters, Scharzenbachs, von Weizäckers, von Erlachs  angekoppelt werden, dann sind die Macht- und Reichtumsverhältnisse anders als bei Müllers und Meiers und Meienbergs. Dann wird die Clan-Geschichte zur Schweizer Geschichte, oder auch zur deutschen.

 

Textprobe

Stellen wir uns vor

Clara Wille, geborene Gräfin von Bismarck, sitzt eines Morgens Anfang März an ihrem Schreibtisch oder steht an ihrem Schreibpult auf Mariafeld, dem exquisiten Landgut in Feldmeilen, überragt vom höchsten Baum am Zürichsee, der bekannten Platane, und denkt an ihren Mann, den General. Wir schreiben das Jahr 1917, und die Generalin wartet auf den Pöstler. Eben hat sie noch mit einem Staubwedel den historischen Flügel abgestaubt, nein, man kann sagen, wedelnd karessiert, auf dem Richard Wagner seinerzeit etliche seiner Melodien skizziert und auf welchem Instrument bekanntermassen auch Abbé Liszt sich in schwelgerischer Manier zu ergehen hatte glauben müssen. Den Rest des Mobiliars staubt jeweils das Gesinde ab.

Stimmen

«Niklaus Meienberg ist ein akademisch gebildeter Historiker. Er durchforscht mit Vorliebe geschichtliche Gebiete, die der zünftige Historiker, aus was für Gründen auch immer, beiseite lässt, die aber zum Gesamtbild der histoire totale gehören. Sein echtes Mitleid gehört den Schwachen, den im Leben zu kurz gekommenen, den unters Rad geratenen Menschen. Bei seiner Arbeit verachtet er den historischen Kleinkram, den Schutt und wendet sich dem Interessanten in der Vergangenheit zu, womit er weite Leserkreise zu fesseln vermag. Er ist ein ausgesprochen deskriptives und narratives Talent, verfügt über eine ungewöhnliche Sprachkraft, über einen eigenen Stil, den er mit seiner Ironie und Polemik zu einer unverwechselbaren persönlichen Ausdrucksweise ausgebildet hat.» Edgar Bonjour

«Niklaus Meienbergs Buch erregt Aufsehen, und bei den Eidgenossen hat es Empörung ausgelöst. Zu viele möchten nicht daran erinnert werden, wie unverblümt der rechte Polterer und sein Generalstabchef verlangten, unter Kaiser Wilhelms Fahne gegen Frankreich und Italien in den Krieg zu ziehen. Was aber selbst heute einige Schweizer Armeeführer nicht hindert, Willes Porträt in ihre Amtsstuben zu hängen. Darüber, dass die Sympathien der Schweizer Armeespitze, aber auch führender Politiker bis hin zu Ministern im Ersten Weltkrieg nicht eben unparteilich verteilt waren, möchten heute viele in der Schweiz ebenso gern hinwegsehen wie über die wirtschaftliche Kollaboration mit Hitler und die Judenabweisung an den Grenzen im Zweiten Weltkrieg. Solche Tabus werden in aller Regel respektiert; auch von Schweizer Journalisten, die sich zu innenpolitischen Fragen meist erschreckend obrigkeitshörig, zaudernd äussern. In solcher Landschaft muss ein Niklaus Meienberg quer liegen. Seine parteilichkeit ist erfrischend. Sein Paradethema sind die kleinen Leute, die Unterdrückung der Armen durch die Reichen.» Frankfurter Rundschau

«Wieviel aristokratischen Geist und wieviel feudales Gehabe erträgt die direkte Demokratie? Stets von neuem stellt sich diese Frage bei der Lektüre von Niklaus Meienbergs neuestem Buch "Die Welt als Wille & Wahn. Elemente zur Naturgeschichte eines Clans". In jahrelanger Arbeit spürte der Autor der Geschichte der Familie Wille, einem weitverzweigten Familienclan, nach. Bereits dessen Erstabdruck in der Weltwoche im letzten Sommer hat ein reges Interesse erweckt, meist zustimmend, seltener nur ablehnend. (…)

Meienberg schreibt mit persönlicher Anteilnahme und nicht frei von Süffisanz, in gewohnter sprachlicher Prägnanz. Doch nie versucht er dies zu verhehlen oder zu kaschieren, er bleibt stets wahrhaftig, wenn auch nicht sklavisch exakt. Sein Verdienst ist es, dass er einen wichtigen Abschnitt der Schweizer Geschichte des 20.Jahrhunderts neu aufgerollt hat, in seiner unprätentiösen, unakademischen, dafür kraftvollen Weise, welche gerade auch jene breiten Bevölkerungsschichten verstehen, die den General noch immer nur verharmlosend als Schnapswilli kennen, jene Schichten also, vor den ebendieser Wille und sein Clan so sehr sich fürchtete.» Neue Luzerner Zeitung

 
 

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