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Was ist das: ein Clan? Kann man sich ein solches Gebilde als
Jumbofamilie vorstellen? Oder als Mehrstufenrakete? (Erste und zweite Stufe:
19. Jahrhundert). Oder als Tausendfüssler (Tatzelwurm), der siegesgewiss
durchs Jahrhundert knirscht? (Stark gepanzert, und mit kleinen Sehschlitzen,
wie ein Tank?) Jede und Jeder gehört zu einem Clan, hat Grossvater/Grossmutter
um Stammbaum, meist auch Onkels, Tanten, Cousinen, Neffen und Nichten. Aber
wenn der Clan Wille-von Bismark heisst, und
später Rieters, Scharzenbachs, von Weizäckers, von
Erlachs angekoppelt werden, dann sind die Macht- und
Reichtumsverhältnisse anders als bei Müllers und Meiers und Meienbergs. Dann
wird die Clan-Geschichte zur Schweizer Geschichte, oder auch zur deutschen.
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| Stellen wir uns vor
– Clara Wille,
geborene Gräfin von Bismarck, sitzt eines Morgens Anfang März an ihrem
Schreibtisch oder steht an ihrem Schreibpult auf Mariafeld, dem exquisiten
Landgut in Feldmeilen, überragt vom höchsten Baum am Zürichsee, der
bekannten Platane, und denkt an ihren Mann, den General. Wir schreiben das
Jahr 1917, und die Generalin wartet auf den Pöstler. Eben hat sie noch mit
einem Staubwedel den historischen Flügel abgestaubt, nein, man kann sagen,
wedelnd karessiert, auf dem Richard Wagner seinerzeit etliche seiner
Melodien skizziert und auf welchem Instrument bekanntermassen auch Abbé
Liszt sich in schwelgerischer Manier zu ergehen hatte glauben müssen. Den
Rest des Mobiliars staubt jeweils das Gesinde ab. |
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«Niklaus Meienberg ist ein akademisch gebildeter Historiker.
Er durchforscht mit Vorliebe geschichtliche Gebiete, die der zünftige
Historiker, aus was für Gründen auch immer, beiseite lässt, die aber zum
Gesamtbild der ‹histoire totale›
gehören. Sein echtes Mitleid gehört den Schwachen, den im Leben zu kurz
gekommenen, den unters Rad geratenen Menschen. Bei seiner Arbeit verachtet
er den historischen Kleinkram, den ‹Schutt›
und wendet sich dem Interessanten in der Vergangenheit zu, womit er weite
Leserkreise zu fesseln vermag. Er ist ein ausgesprochen deskriptives und
narratives Talent, verfügt über eine ungewöhnliche Sprachkraft, über einen
eigenen Stil, den er mit seiner Ironie und Polemik zu einer
unverwechselbaren persönlichen Ausdrucksweise ausgebildet hat.»
Edgar Bonjour
«Niklaus Meienbergs Buch
erregt Aufsehen, und bei den Eidgenossen hat es Empörung ausgelöst. Zu viele
möchten nicht daran erinnert werden, wie unverblümt der rechte Polterer und
sein Generalstabchef verlangten, unter Kaiser Wilhelms Fahne gegen
Frankreich und Italien in den Krieg zu ziehen. Was aber selbst heute einige
Schweizer Armeeführer nicht hindert, Willes Porträt in ihre Amtsstuben zu
hängen. Darüber, dass die Sympathien der Schweizer Armeespitze, aber auch
führender Politiker bis hin zu Ministern im Ersten Weltkrieg nicht eben
unparteilich verteilt waren, möchten heute viele in der Schweiz ebenso gern
hinwegsehen wie über die wirtschaftliche Kollaboration mit Hitler und die
Judenabweisung an den Grenzen im Zweiten Weltkrieg. Solche Tabus werden in
aller Regel respektiert; auch von Schweizer Journalisten, die sich zu
innenpolitischen Fragen meist erschreckend obrigkeitshörig, zaudernd äussern.
In solcher Landschaft muss ein Niklaus Meienberg quer liegen. Seine
parteilichkeit ist erfrischend. Sein Paradethema sind die kleinen Leute, die
Unterdrückung der Armen durch die Reichen.»
Frankfurter Rundschau
«Wieviel aristokratischen
Geist und wieviel feudales Gehabe erträgt die direkte Demokratie? Stets von
neuem stellt sich diese Frage bei der Lektüre von Niklaus Meienbergs
neuestem Buch "Die Welt als Wille & Wahn. Elemente zur Naturgeschichte eines
Clans". In jahrelanger Arbeit spürte der Autor der Geschichte der Familie
Wille, einem weitverzweigten Familienclan, nach. Bereits dessen Erstabdruck
in der ‹Weltwoche›
im letzten Sommer hat ein reges Interesse erweckt, meist zustimmend,
seltener nur ablehnend. (…)
Meienberg schreibt mit persönlicher Anteilnahme und nicht
frei von Süffisanz, in gewohnter sprachlicher Prägnanz. Doch nie versucht er
dies zu verhehlen oder zu kaschieren, er bleibt stets wahrhaftig, wenn auch
nicht sklavisch exakt. Sein Verdienst ist es, dass er einen wichtigen
Abschnitt der Schweizer Geschichte des 20.Jahrhunderts neu aufgerollt hat,
in seiner unprätentiösen, unakademischen, dafür kraftvollen Weise, welche
gerade auch jene breiten Bevölkerungsschichten verstehen, die den General
noch immer nur verharmlosend als ‹Schnapswilli›
kennen, jene Schichten also, vor den ebendieser Wille und sein Clan so sehr
sich fürchtete.» Neue
Luzerner Zeitung |