Oscar Peer

Das alte Haus | La chasa veglia

Erzählung / Raquint

Rätoromanisch und deutsch

Herausgegeben und mit einem Nachwort von Mevina Puorger

2010, 208 Seiten, gebunden

ISBN 978-3-85791-559-4

Rd_tri.gif (202 Byte) Oscar Peer Rd_tri.gif (202 Byte) Zum Buch Rd_tri.gif (202 Byte) Text Rd_tri.gif (202 Byte) Stimmen

Kurze Inhaltsangabe

Gisep Fluri versinkt in Melancholie, nachdem sein leichtsinniger Sohn Domenic nach einem Streit spurlos verschwindet und kurz darauf

seine Frau stirbt. Abends sitzt er im Gasthaus und trinkt Cognac, den er sich gar nicht leisten kann. Lemm, der Wirt und Gemeindepräsident, schreibt an. Als Gisep Fluri stirbt, hinterlässt er seinem jüngeren Sohn Chasper ein überschuldetes Heimwesen, das Lemm bereits als seines betrachtet. Chasper versucht, Geld aufzutreiben, er will in dem alten Haus der Familie bleiben. Johanna, seine grosse Liebe, die inzwischen mit einem anderen Mann verlobt ist, will ihm helfen.

Der Wirt schickt Betreibungen, Touristen besichtigen ungefragt das Haus. Aber noch gibt Chasper nicht auf …

Eindrücklich schildert Oscar Peer, wie sich die Menschen in dem kleinen Dorf gegenüber dem unschuldig ins Unglück geratenen Chasper verhalten. Und er beschreibt die Gefühle, die Chasper im Kampf um sein Haus durchlebt.

Textprobe

Er denkt an Henriette. Es kommt ihm merkwürdig vor, dass Greisinnen noch so lange leben können. Sie sind klein und  gekrümmt, schauen einem von unten herauf ins Gesicht, aber sie sterben nicht, trippeln mühelos umher, als hätten sie kein Gewicht. Sie verlieren auch nicht so schnell den Verstand wie die Männer, weiss Gott warum. Er denkt an seine Mutter. Wenn seine Mutter noch lebte, wäre vielleicht alles nicht so schlimm.

El pensa a Henrietta. Quai til para curius cha duonnas veglias vivan suvent amo ons ed ons. I sun dvantadas pitschnettas, i’t guardan
da suot sü, maigras ed ün pa gobas. Ma i nu mouran, i traplignan amo per quai d’intuorn, sco sainza pais. I nu perdan neir uschè
svelt il verstond sco’ls homens, sa mâ perche. Almain cha sa mamma nu füss morta uschè bod, as disch el. Scha sa mamma fuoss amo adüna, lura forsa cha tuot nu füss uschè mal.

Pressestimmen / Rezensionen

Rd_tri.gif (202 Byte) Neue Zürcher Zeitung, 30. März 2010
Rd_tri.gif (202 Byte) Heinrich Boxler, Feldmeilen, 22. März 2010
Rd_tri.gif (202 Byte) WOZ Die Wochenzeitung, 29. April 2010
Rd_tri.gif (202 Byte) SBD Bibliotheksdienst, April 2010
Rd_tri.gif (202 Byte) Schweizer Illustrierte 26/2010
Rd_tri.gif (202 Byte) culturactif.ch, 15. Juli 2010
«Oscar Peer schildert in seiner Erzählung eine ländliche archaische Gesellschaft und ein Ambiente, das wohl in die Mitte des 20. Jahrhunderts zurückweist; die Konflikte und Nöte jedoch, die er darstellt, sind zeit- und ortlos. Sie zeigen die von Sehnsucht zerrissene, unerlöste Existenz, die von einem Leben weiss, das grösser ist als die landläufige Vorstellung davon. Oscar Peers erzählerisches Geschick besteht darin, solche Daseinsfragen in die Welt seiner Geschichten zu verwandeln, sie an Figuren sichtbar zu machen, die von solcherlei Konflikten keinen subtilen Begriff haben.»  Neue Zürcher Zeitung

«Das ist keine Koketterie mit der Weltliteratur, sondern ein sanfter Wink eines Autors, dem weder Schalk noch Melancholie gänzlich fremd sind, dass seine Figuren an einem Schicksal teilhaben, von dessen weltliterarischer Tradition sie keine Vorstellung haben, dessen schneidende Schärfe sie aber dennoch und ohne Minderung an Leib und Seele erleiden.»  Neue Zürcher Zeitung

«Nüchtern, genau, mit ausrücklicher Zurückhaltung erzählt Osacar Peer in ‹Das alte Haus / La chasa veglia› eine Geschichte aus der unheilen Alpenwelt. Oscar Peer verleiht dieser einfachen Heimatgeschichte eine menschliche Wärme und existentielle Tiefe, indem er den handelnden Personen nie zuviel zumutet, sondern sie reden, denken und empfinden lässt, was ihnen entspricht. Ihr Horizont übersteigt nie die engen Grenzen der Tallandschaft. Hierin ist Peers Erzählung konsequent und glaubhaft.

Seine Erzählung hat er in zwei Versionen verfasst: im rätormanischen Vallader und in Deutsch. Beide behalten nebeneinander ihre sprachliche Eigenständigkeit, beide sind sie sind Originale.» Culturactif.ch

«Gelassen folgt er seinem künstlerischen Weg, der ganz gerade ist und keinerlei protzige oder künstliche Kurven kennt. Wie Peer das Stottern dieses unglücklichen Mannes darstellt, offenbart nicht nur eine meisterhafte Sprachkunst, sondern auch eine verblüffende Sachkenntnis. Peer schenkt uns eine eindrückliche Studie der Einsamkeit.» WochenZeitung

«Berührend. Oscar Peer, 82, ist einer der bedeutendsten rätoromanischen Erzähler der Gegenwart. Sein aktuelles, zweisprachiges Werk verdient eine Würdigung. Oscar Peer schildert mit starken Bildern diesen Kampf. Und wie sich die Menschen gegenüber dem unschuldig Verschuldeten verhalten.» Schweizer Illustrierte

«Der Autor schildert eindrücklich die Verhältnisse in der abgelegenen Bergwelt. Man spürt bei einzelnen Menschen das Feuer der Leidenschaften unter einer scheinbar kühlen, gelassenen Oberfläche glühen.»  Heinrich Boxler 

«Peer zeichnet das Sittenbild eines Dorfes im Engadin Mitte des 20. Jahrhunderts, lässt Chasper über sein Leben und dadurch über grosse Fragen sinnieren, in einfache, treffende Worte gefasst und eine warme Nähe zum Protagonisten und seiner Welt schaffend. Eine eindrückliche Geschichte des über achtzigjährigen Autors, die berührt und lange nachklingt.»  SBD Bibliotheksdienst 

 

 

© Limmat Verlag

Limmat Verlag Homepage

Web-Betreuung