Hannes
Oscar Peer

Hannes

Roman

288 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
August 2015
SFr. 36.–, 36.– € / eBook sFr. 32.80
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978-3-85791-748-6

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Schlagworte

Literatur
     
Posthum: der letzte Roman von Oscar Peer

Hannes Monstein sitzt bei der städtischen Polizei und berichtet, dass er zu Hause zwei Tote vorgefunden hat: Franziska, seine Frau, und Paolo, seinen Stiefbruder. Er lebt sein gewohntes Leben weiter, aber in einem Schwebezustand, bis zu dem Tag, als er beim Anblick von Franziskas rotem Abendkleid, das an der Leine weht, zusammenbricht. Die Erinnerungen kommen hoch.

Der kultivierte, empfindsame, nicht ganz gerade gewachsene Hannes wäre gerne Pianist geworden, ist aber aus Mutlosigkeit ins Geschäft seines Vaters eingestiegen. Als Mittdreissiger wird er zu seinem eigenen Erstaunen Ehemann der umschwärmten Franziska, die, ganz sein Gegenteil, schnell Auto fährt und gar gern mal aus der Kurve getragen würde. Kurz nach der Hochzeitsreise beginnt jedoch die Entfremdung, und Hannes muss mit ansehen, wie sich sein «dunkler Engel» mehr und mehr zu seinem Stiefbruder Paolo hinbewegt. Die dunklen Seiten der Liebe reissen Hannes aus seinem scheuen Dasein in das verwirrende Labyrinth der Leidenschaft.

Oscar Peer
© Yvonne Böhler

Oscar Peer

Oscar Peer (1928–2013), geboren und im Unterengadin aufgewachsen, gehört zu den bedeutendsten rätoromanischen Autoren der Gegenwart. Eigentlich mit einer Lehre als Maschinenschlosser angefangen, drängte ihn sein Weg nach deren Abbruch zum Lehrerberuf. Nach dem Lehrerseminar in Chur begann er ein Studium der Romanistik, das er mit einer Dissertation zum surselvischen Schriftsteller Gian Fontana 1958 abschloss. Auch danach widmete sich Oscar Peer dem Rumantsch. Mit dem «Dicziunari rumantsch, ladin-tudais-ch» ist ein Basiswerk für die romanische Sprache entstanden. Viele Jahre unterrichtete er an Mittelschulen, daneben entstand kontinuierlich sein literarisches Werk.

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Zuerst wich mir Sonja aus ...

 

Zuerst wich mir Sonja aus, doch als wir eines Tages allein waren, fragte sie mich, ob es jetzt wirklich dabei bleiben werde.

«Natürlich», sagte ich. «Oder meinst du, ich spiele nur Theater?»

«Nein, aber ich hoffte, du hättest unterdessen Deine Meinung  geändert.»  Sie  zögerte,  sagte  dann:  «Musst  du denn überhaupt heiraten, Herrgott noch mal?»

«Findest du, dass ich mich dafür nicht eigne?»

«Nein, dass du ein Dummkopf bist. Hannes, du weisst nicht,  was  du  tust.  Ihr  könntet  meinetwegen  eine  Zeit lang zusammenleben und schauen, ob es überhaupt geht – oder nicht geht.» Sie blätterte in einem Magazin, fragte dann: «Liebst du sie überhaupt?»

Ich schwieg, und als sie die Frage halblaut inquisitorisch  wiederholte,  herrschte  ich  sie  an:  «Natürlich  liebe ich sie! Meint ihr, ich sei aus Holz?»

Sie sagte nichts mehr, warf ihr Heft auf den Tisch und ging hinaus.

Nichts Leichteres, als Mitmenschen zu verunsichern, weil  wir  schon  von  Geburt  verunsichert  sind.  Jedenfalls hatte sie mir einen Tropfen Gift ins Blut geträufelt, meine liebe Schwester. Alles schien sich gegen mich zu verschwören,  sogar  Rehberg.  Er  machte  ironische  Bemerkungen,
bis ich ihn fragte, ob er neidisch sei.
 
«Natürlich bin ich neidisch», sagte er, «ich gebe es offen zu. Aber Sie als Bräutigam vor dem Altar – geht das?»

«Wieso nicht? Ich bin doch ein Mensch wie jeder andere.»

«Nein», sagte er, «Sie sind schon ein bisschen anders.»

ekz.bibliotheksservice, 12. Oktober 2015
Sempacher Woche, 22. Oktober 2015
Engadiner Post / Posta ladina, 7. November 2015
Schule und Leben, 4/2015
Berner Zeitung, 31. Dezember 2015

kulturtipp, 7/16
Neue Zürcher Zeitung, 31. März 2016
P.S. Zeitung, 13. April 2017

 


«Eine packende, fein geschliffene Geschichte.» Berner Zeitung

«Peer gelingt es, unterschiedliche Spannungsbögen miteinander zu verbinden und die Abgründe des menschlichen Seins offenzulegen. Dem anspruchsvollen Roman sind viele Leser zu wünschen.» ekz.bibliotheksservice

«Das berührende Psychogramm einer unglücklichen Beziehung, wo Leidenschaft auf Verrat und egoistischen Genuss treffen und es nur Verlierer geben kann. Die feine, gepflegte Sprache und die differenzierten Beschreibungen des 2013 verstorbenen Bündner Schriftsteller machen den Roman zu einem nachhaltigen Leseerlebnis.» Sempacher Woche

«Oscar Peers letzter Roman ist atmosphärisch dicht, eindrücklich, düster, phänomenal.» Schule und Leben

«Im Roman ‹Hannes› skizziert Peer seinen Helden mit sicherem Strich, gestaltet ein markantes Selbstbildnis von einem mann, der sich selbst immer wieder im Weg steht.» kulturtipp

«Für gelungenen ‹suspense› sorgt das Porträt eines rätselhaften Charakters, der, wie es einleitend heisst, ‹ein bisschen schief in die Welt geraten› ist und es niemals schafft, sein Fremdheitsgefühl gegenüber den Mitmenschen zu überwinden. Das Motiv des körperlichen Handicaps setzt Peer überaus kunstvoll ein.» Neue Zürcher Zeitung

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