Bocksten
Fabio Pusterla

Bocksten

Gedichte italienisch und deutsch

Übersetzt und mit einem Nachwort von Jacqueline Aerne / Mit einem Vorwort von Andreas Isenschmid

168 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
November 2010
SFr. 38.–, 38.– €
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978-3-85791-612-0

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Protagonist der Gedichtsammlung ist der Bockstenmannen, der 1936, fünfhundert Jahre nach seinem Tod, in einem schwedischen Torfmoor gefunden wurde. Drei Pfähle in seiner Brust deuten auf eine rituelle Tötung hin.

Mit dieser Gestalt nimmt Pusterla eine verdrängte und vergrabene Vergangenheit auf, eine Gestalt, welcher der Autor seine Stimme leiht, um sich auf unsicherem Boden der Dunkelheit auszusetzen. Ort des Dialogs mit dem Toten ist ein Sumpfgebiet in der Nähe des Meeres, dort, wo sich die Grenzen zwischen Wasser und Land auflösen, ein unwegsames Gelände, in welchem sich die Natur dunkel und verwüstet präsentiert. Stilistisch übersetzt sich dies in eine syntaktische Fragmentierung, in eine Auflösung des Duktus durch häufige Pausen, Interpunktionen, Einschübe, Zeichen der Unbegreifbarkeit der Existenz.

Eine radikale, schonungslose, menschliche Poesie.

Fabio Pusterla
© Nina Pusterla

Fabio Pusterla

Fabio Pusterla, geboren 1957 in Mendrisio, lebt in Norditalien und unterrichtet in Lugano am Gymnasium. Studium in Pavia. Er ist Essayist und Übersetzer aus dem Französischen und dem Portugiesischen, war Mitherausgeber der Zeitschrift «Idra». Aus dem Französischen hat er ein Grossteil des Werks von Philippe Jaccottet übersetzt. 2007 erhält Fabio Pusterla den Gottfried-Keller-Preis und 2013 den Grand Prix für sein Gesamtwerk.

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Jacqueline Aerne

Jacqueline Aerne

Geboren 1964, wuchs dreisprachig in Ascona auf. Studium der Italianistik, Kunstgeschichte und Germanistik an den Universitäten Basel und Bologna. Seit 1996 als freie Übersetzerin tätig. Verschiedene Lehraufträge für Italienisch und literarische Übersetzung.

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Sono il Catrame | Ich bin der Teer

Sono il catrame, le materie oleose,
sono l’acido acetico in potenza.
Sono torba, una terra rinsecchita,
un passato nerastro da infiammare.
Sono l’onda salmastra solamente
movimento minuscolo del mare.
Ich bin der Teer, das Erdpech,
ich bin die Essigsäure in Potenz.
Ich bin Torf, verdorrter Boden,
abbrennbare schwarze Vergangenheit.
Ich bin nur die Salzwelle,
eine winzige Bewegung des Meeres.
DRS 2, Passage 2, 10. Dezember 2010
Der Landbote, 3. Februar 2011
Zürichsee-Zeitung, 3. Februar 2011
Neue Zuger Zeitung, 17. Februar 2011
Mittellandzeitung, 11. Februar 2011
Schweizer Fernsehen, Literaturclub, 5. April 2011, Buchtipp von Barbara Villiger-Heilig
Neue Zürcher Zeitung, 27. Oktober 2011

«Der Bocksten-Mann ist Schimäre und zugleich Mensch: ermordet vor Jahrhunderten und im Moor für die Erinnerung konserviert. Seine Welt ist die Erde, eine real spürbare Topografie also, die nur sporadisch von verirrten Lichtern erhellt wird. Mit ihrer biegsamen, klaren Diktion bringt Pusterlas Lyrik diese elementare Unterwelt poetisch zum Leuchten.» Mittelland-Zeitung

«Syntaktisch fein gewoben, sind die Texte von bezwingender Klarheit, bergen auf semantischer Ebene, den oft beschworenen Gesteinsformationen ähnlich, eine grosse Dichte. Wer innehält, entwickelt ein Auge und ein Ohr für behutsame Schwingungen.» NZZ
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