Der Stand der letzten Dinge
Christoph Keller, Heinrich Kuhn

Der Stand der letzten Dinge

Roman

200 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
1. Aufl., Februar 2008
SFr. 29.80, 29.80 €
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978-3-85791-547-5

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Schlagworte

Literatur
     

Das Autorenduo Prinz&Delgado schreibt an einem neuen Roman, als sichIgor Kulti, die Hauptfigur aus eben diesem Buch, telefonisch bei ihnen meldet: Er wolle kein Buch über sich, die Arbeit sei umgehend einzustellen. Sie schreiben trotzdem weiter.
Da liegt Delgados tote Katze auf dessen Sofa, mit schönen Grüssen von Kulti. Es wird ernst; mit Hilfe eines Polizeikommissars und alten Freundes machen sie sich auf die Suche nach dem Erpresser. Doch Kulti ist raffiniert, ein trickreiches Katz-und-Maus-Spiel setzt ein. Schon bald ist nicht mehr klar, wer Regie führt und wer eine Figur in wessen Roman ist. Sind Prinz&Delgado zum «Stoff» eines Perverslings geworden? Schreibt dieser mit ihnen Literatur aus Fleisch und Blut?
Rasant und unterhaltsam erzählen Keller+Kuhn von den Irrungen und Wirrungen des streitbaren Autorenpaars Prinz&Delgado.

Christoph Keller
© Hanspeter Schiess

Christoph Keller

Christoph Keller wuchs in St. Gallen auf. Im Jahre 1978 wurde bei ihm eine unheilbare spinale Muskelatrophie (SMA) festgestellt, die dazu führte, dass er heute auf die Benutzung eines Rollstuhls angewiesen ist. Von 1984 bis 1991 studierte er Slawistik und Amerikanistik an den Universitäten in Genf und Konstanz; er schloss dieses Studium mit dem Magistergrad ab. Als Literaturkritiker schreibt er regelmässig für DIE ZEIT. Keller erhielt zahlreiche Auszeichnungen für seine Werke, darunter den Preis der Internationalen Bodensee-Konferenz (1994) den Schiller-Preis der Zürcher Kantonalbank (2004) und den Puchheimer Leserpreis (2006). Das Theater Kosmos Bregenz widmete seinem Werk einen Autorenschwerpunkt in 2003. 2006 produzierte SF DRS eine Sternstunden-Sendung angeregt durch seinen autobiografischen Roman «Der beste Tänzer». Im selben Jahr wurde zum ersten Mal eine Auswahl seiner Fotografien in einer New Yorker Galerie gezeigt. Keller, der mit der amerikanischen Lyrikerin Jan Heller Levi verheiratet ist, lebt heute als freier Schriftsteller in St. Gallen und New York.

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Heinrich Kuhn
© Hanspeter Schiess

Heinrich Kuhn

Heinrich Kuhn, geboren 1939 in Uznach SG, wuchs in St. Margrethen, Romanshorn und St. Gallen auf. Kuhn war nach dem Besuch des Lehrerseminars Rorschach zunächst vier Jahre Lehrer im Toggenburg. Danach absolvierte er in Bern die Berufsschullehrerausbildung. In der Folge unterrichtete er an der Schule für Gestaltung St. Gallen im Vorkurs und in der Grafikausbildung Text und Konzept und arbeitete als freier Texter. Er ist verheiratet und lebt heute in St. Gallen und Paris. Heinrich Kuhn ist Verfasser von Romanen, Erzählungen und Hörspielen. Er erhielt u.a. Auszeichnungen der Stadt St. Gallen, des Kantons Zürich und der Schweizerischen Schillerstiftung.

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Als er bei seinem Nachbarn zur Rechten klingelt ...

Als er bei seinem Nachbarn zur Rechten klingelt, hat er ein zwiespältiges Gefühl. Einerseits ist ihm klar, womit er beginnen muss, andererseits mag er ihm nicht in der Rolle des verkappten Hilfesuchenden entgegentreten. Dieser würde ihn sofort durchschauen. Der Kerl scheint über eine angeborene Listigkeit zu verfügen, die ihn vermutlich auch zu diesen fernöstlichen – wie sagt man eigentlich? – Weltanschauungen? Heilslehren? Theorien? geführt hat.

«Egal, was ich ihm sage oder er mir, darauf kann ich mich verlassen, lächelt er mich mit gleichbleibend geschmeidiger Freundlichkeit an», hatte er ihn Graziella geschildert. «Sein Gesichtsausdruck ist, auch wenn er lächelt, genauso unverbindlich wie jener Charlies.»

«Lächle zurück», antwortete sie, «oder wäre es dir lieber, er würde dich anknurren? Du weißt doch, Spatz: Regel Nr. 2!»

Nicht auszudenken, wenn Prinz wüsste, dass Graziella ihn «Spatz» nennt! Er erschrickt, als sich die Tür öffnet.

«Hoffentlich störe ich nicht», sagt er verlegen und setzt instinktiv Regel Nr. 3 ein, «du wirst, im Gegensatz zu mir, sehr beschäftigt sein.»

«Hallo, Harry», lächelt ihn der Nachbar an. «Du stehst bestimmt nicht ohne Grund vor der Tür. Komm herein. Trinkst du etwas?»

«Dasselbe wie du», sagt er und ist stolz darauf, wie schnell er im Wohnzimmer steht. «Geht es dir gut?», wagt er den nächsten Vorstoß, eine Risikofrage, die, wenn es schief geht, ganze Lebensgeschichten lostreten kann. Doch vertraut er darauf, dass sein Gastgeber (Gegenspieler?) die Frage, wie hier allgemein üblich, als Floskel versteht und nicht ernst nimmt.

«Prächtig», sagt dieser, «und dir?»

«Genauso», zieht er gleich und beobachtet, wie der andere die Gläser mit Weißwein füllt. Ein chilenischer Chardonnay, registriert er zufrieden. Der kleine Esoteriker weiß, was gut ist.

«Was ich dich fragen wollte», setzt er verlegen an, nachdem sie auf ihre gutnachbarschaftliche Beziehung angestoßen haben. «Sind dir vielleicht in letzter Zeit Leute aufgefallen, die nicht hierher gehören?» Er gibt sich den Anschein, als sei ihm die Antwort eigentlich nicht wichtig.

«Da kommt jeweils dieser Typ, der dich anschleicht. Ich hätte Lust, mir den mal vorzunehmen und ihm Nachhilfestunden anzubieten. Geht ziemlich ungeschickt vor, wenn du mich fragst, aber da du ...»

«Mach keine Witze. Das ist doch Prinz. Ich muss ihn dir das nächste Mal vorstellen.»

«Da du schon vormittags im Liegestuhl liegst, wollte ich sagen, und ein vorgezogenes Mittagsschläfchen hältst, schafft er es jeweils doch noch, dich zu überraschen.»

«Ich überdenke Arbeitspläne.»

«Was du nicht sagst.» Der Nachbar grinst gutmütig. «Das wollte ich dich schon einige Male fragen: Woran arbeitest du eigentlich?»

«Zur Zeit schreibe ich an einem neuen Roman.»

«Ach ja, lesen ist meine Achillesferse. Meist bleibt es beim Vorsatz. Du hast nicht zufälligerweise etwas zu Hause? Etwas Spezielles, mit Tiefgang und Action, wenn möglich. Aber zurück zu deinem Anliegen: Hätte ich diesen Prinz denn kennen sollen?»

«Wir schreiben zusammen. Hin und wieder liest man davon.»

«Geht das überhaupt?»

«Verzeih meine Hemmungen.» Delgado stellt endlich die Frage, die ihn quält, auch wenn sie ihm selbst unsinnig erscheint. «War er vorgestern hier?»

Ein belustigter Blick trifft ihn: «Müsstest du das nicht besser wissen?»
Basler Zeitung, 29. Februar 2008
Saiten, Osschweizer Kulturmagazin, April 2008
St. Galler Tagblatt, 18. April 2008
Südkurier, 22. April 2008
ekz Bibliotheksservice, Juni 2008
SRF «Schweiz aktuell»: Kultur im Knast: Keller+Kuhn lesen im Gefängis Saxerriet.
Alpenrauschen.ch – das Schweizer Literaturmagazin, März 2009

«‹Der Stand der letzten Dinge› ist ein schnelles, witziges Buch, in dem die Ereignisse lustvoll überdreht werden. Hier wird ein Karneval inszeniert, der nicht nur den Kriminalroman, sondern auch Literatenund Literaturbetriebe genüsslich persifliert. Keller und Kuhns Helden sind ‹Schreibdeppen›, die an ihren Hirngespinsten hängen. Ein Ignorantenpaar voller Vorurteile und Neid auf erfolgreichere Kollegen. Zwei Macher, die ihre Zeitgenossen unter dem Gesichtspunkt der Brauchbarkeit für ein neues Buch betrachten; Schmierenkomödianten, die davon träumen, als Sekretäre ihrer Agentin irgendwann an ein festes Einkommen zu kommen.
Der Coup wird nicht gelingen, aber Kultis wahre Identität stellt sich heraus. Der Schurke landet im Knast, wo die therapeutische Arbeit mit Eseln ihn möglicherweise bessern wird – wenn er nicht gerade einen Roman über zwei durchgeknallte Autoren schreibt. Raffiniert.» Basler Zeitung

«Ein furioses Einstiegsszenario, ein von Beginn weg raffiniert komponiertes Wechselspiel zwischen Realität und Fiktion. Virtuos und zuweilen augenzwinkernd bedienen Keller+Kuhn das Krimigenre: Spur und Verdacht, Indizien und falsche Fährten halten Prinz&Delgado auf Trab.» Südkurier

«Aus dem Reality-Verwirrspiel bezieht der Roman einerseits eine erhebliche kriminalistische Spannung, umso mehr, als der geheimnisvolle Kulti seine Warnungen mit Sinn für Symbolik und poetischer Finesse plaziert – eine tote Katze, eine abgelebte angebliche Witwe im Nobelkurort, ein verwüsteter Blumenladen: An skurrilen Einfällen hat es Keller + Kuhn noch nie gefehlt; hier halten sie ein Geschehen auf Trab, das immer groteskere Züge annimmt.
Andrerseits gibt das Arrangement des Romans reichlich Anlass für selbstreferentielle Anzüglichkeiten. Harry Delgado und Kurt Prinz haben wie ein gut eingespieltes Ehepaar ihre Reibungsflächen, Verhaltensmuster und Eingeschnapptheiten – wer von den beiden Christoph Kellers und wer Heinrich Kuhns Alter Ego ist, dürfte dabei auch Lesern unklar bleiben, die die beiden Real-Autoren bestens kennen.
Die Auflösung ist, in guter Krimimanier, überraschend. Letztlich geht ‹Der Stand der letzten Dinge› glimpflich aus, ohne die Abgründe, welche sich beim vierhändigen Suchen nach dem Wesen der Wirklichkeit auch auftun könnten. Ein Lesespass.» St. Galler Tagblatt

«Auch die Hauptfiguren im neuen Buch von Christoph Keller und Heinrich Kuhn schreiben gemeinsam einen Roman. Sie heissen Kurt Prinz und Harry Delgado. Gemeinsam ist den beiden Autorenduos ausserdem die Affinität zu St. Gallen und dass sie vor einigen Jahren einen Faxroman geschrieben haben. Der entscheidende Unterschied: Keller+Kuhn sind Realität, Prinz&Delgado sind Fiktion. Und damit ist das Verwirrspiel eröffnet.» Saiten
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