Lautmalerei und Wortbilder I
Mariantonia Reinhard-Felice (Hg.)

Lautmalerei und Wortbilder I

Autoren schreiben über Kunstwerke aus dem Römerholz

Mit Texten von Friederike Kretzen, Fabio Pusterla, Hugo Loetscher, Christian Uetz, Ivan Farron, Peter Weber, Jürg Amann, Pierre Michon, Peter Stamm, Urs Widmer / Mit einem Nachwort von Stefan Zweifel / Herausgegeben von Sammlung Oskar Reinhart "Am Römerholz", Winterthur

222 Seiten, fadengeheftet, Broschur mit Schutzumschlag, 21 vierfarbige Abbildungen auf 9 Ausklapptafeln
März 2007
SFr. 44.–, 44.– €
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978-3-85791-523-9

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Schriftsteller und Künstler geraten gemeinsam auf die doppelt schiefe Ebene: Experten der Sprache begegnen Meisterwerken der europäischen Malerei und haben aus dieser «Schräglage» das schönste Kapital geschlagen. Die Sammlung Oskar Reinhart «Am Römerholz» in Winterthur hat eine Autorin und neun Autoren eingeladen, über ein Werk ihrer Wahl aus der Sammlung zu schreiben. Die Texte wurden zunächst am Ort der Inspiration, in der Gemäldegalerie der Villa «Am Römerholz», gelesen und finden nun in diesem bibliophilen Band zu einem facettenreichen Tableau zusammen. Der Bogen spannt sich von Erzählungen, die durch die Szenerie der Bilder angeregt wurden, über ästhetische Reflexionen, die assoziativ aus den Werken gesponnen sind, bis hin zu grundsätzlichen Erörterungen über das Problem des Schreibens über Kunst oder eindringlichen Schilderungen zur Situation der Schreibenden vor dem Bild. Die Veranstaltungsreihe und die Publikationsreihe sollen fortgesetzt werden.

Mariantonia Reinhard-Felice

Mariantonia Reinhard-Felice

Die Sammlung Oskar Reinhart «Am Römerholz» in Winterthur gehört zu den bedeutendsten Privatsammlungen des 20. Jahrhunderts. Mit hohem ästhetischem Qualitätsanspruch sammelte Oskar Reinhart (1885–1965), der Spross einer Winterthurer Handelsdynastie, Meisterwerke der europäischen Kunst vom 14. bis zum frühen 20. Jahrhundert. Er legte dabei den Akzent auf die französische Kunst des 19. Jahrhunderts, insbesondere aber auf den Impressionismus. Diesen Sammelschwerpunkt ergänzte er durch einzelne Beispiele älterer Malerei. Sein Wohnhaus und die angebaute Gemäldegalerie mitsamt den Beständen, die heutige Sammlung Oskar Reinhart «Am Römerholz», vermachte er der Schweizerischen Eidgenossenschaft.

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Inhalt

Mariantonia Reinhard-Felice: Ein subjektives Museum für Bilddichtungen



Christian Uetz: Ewig jetzt ewig
[ Nicolas Poussin: Die Heilige Familie]

Jürg Amann: Gottes Schatten
[ Arent de Gelder: Der Traum Jakobs ]

Fabio Pusterla: Fleisch, Beutegut
[ Francisco de Goya: Stilleben mit drei Lachsscheiben]

Hugo Loetscher: Der Mann im Käfig
[ Eugène Delacroix: Tasso im Irrenhaus ]

Peter Stamm: In die Felder sollte man gehen …
[ Camille Corot: Trouville, Mündung der Touques ]

Urs Widmer: Suche nach einem verschwundenen Turm  99
[ Camille Corot: Château-Thierry, Gesamtansicht ohne Turm von Saint-Crépin ]

Peter Weber: Der Bart des Progressors
[ Edouard Manet: Abfahrt des Dampfers nach Folkestone ]

Pierre Michon: Tischgesellschaft
[ Edouard Manet: Im Café  ]

Ivan Farron: Plakatakrobaten
[ Edouard Manet: Im Café ]

Friederike Kretzen: Van Gogh geht zur Arbeit und trifft Godard:
Das Bild wird kommen in Zeiten der Auferstehung
[ Vincent van Gogh: Der Krankensaal des Hospitals von Arles ]

Fabio Pusterla: Carne, merce, preda
Pierre Michon: Tablée
Ivan Farron: Acrobates à l’affiche7



Stefan Zweifel: Wahn und Wahrnehmung oder Welche Farbe hat das i?

Ein subjektives Museum für Bilddichtungen

Mariantonia Reinhard-Felice

(...)

Die Kunst braucht einen Betrachter. Dies muss auch der Historiker einsehen, dessen Aufgabe eigentlich die Interpretation des Kunstwerkes aus der Perspektive seines Schöpfers und seiner eigenen Zeit ist, und es deshalb zulassen, dass diese «Schutzzone» gebrochen wird, wenn es die Bedürfnisse des aktuellen Betrachters verlangen. In der Zeit der Globalisierung sucht dieser Betrachter nach interdisziplinären Verbindungen, die ihn über die Grenzen des Faches Kunstgeschichte hinausführen, um neue Deutungen und Sichtweisen zu finden, die nicht nur einen anderen, sondern auch einen sehr persönlichen Zugang zur Kunst bieten. Eine solche Erweiterung der kunstwissenschaftlichen Methode zu einer mehr emotionalen oder subjektiven Rezeption hin kann auch dem Kunsthistoriker Gelegenheit geben, festgefahrene Meinungen zu hinterfragen. Tatsächlich haben die dichterischen Herangehensweisen die Aufmerksamkeit nicht weniger Kunsthistoriker im Publikum auf von ihnen bislang nicht bemerkte Details gelenkt, die ihre historische Betrachtung bereichern können. Darüber hinaus beweist eine solche Aktualisierung der Kunstwerke ihre die Zeit überdauernde Vitalität. Doch auch wenn dieser subjektive Ansatz seine Berechtigung hat und er den Betrachter ermutigen kann, sich mit Bildern auseinanderzusetzen und sie für sich zu entdekken, bleibt es die Aufgabe des Kunstwissenschaftlers, Erkenntnisse über Bilder und Künstler in anschaulicher Form zu vermitteln, die auf langjähriger Forschung basieren. Indem sie mehr über das Kunstwerk in Erfahrung bringen, können sie bewirken, dass wir schliesslich auch mehr über uns selbst erfahren. Denn genauso wie die Kunst einen Betrachter braucht, benötigt der Betrachter die Kunst: «Cranach und ich», ein solches Thema kann erst entwickelt werden, wenn der Kunstwissenschaftler durch seine Forschung den Künstler Lukas Cranach überhaupt erst definiert hat. Diese Notwendigkeit einer Reflexion über die Zusammenführung der persönlichen und der historischen Betrachtung berührt die Frage nach dem methodischen Ansatz, mit Kunst umzugehen. Aber Sie tangiert keineswegs die literarische Qualität der Sprachbilder. Unabhängig von dieser Frage haben die zehn Autoren ein faszinierendes und neues literarisches Kapitel aufgeschlagen, das dem Museum seine Bilder neu schenkt. So können wir uns doch Stefan Zweifels indirekter Antwort auf unsere Hauptfragen anschliessen und folgern, dass wahrscheinlich gerade die Entzweiung zwischen Kunst und Literatur ein literarisches Sprachbild überhaupt erst ermöglicht.

Der Landbote, 10. März 2007
Neue Zürcher Zeitung, 20. April 2007
DRS2 aktuell, 24. April 2007
Tages-Anzeiger, 6. Juni 2007
Basler Zeitung, 15. Juni 2007
St. Galler Tagblatt, 25. Juni 2007
Schweizer Monatshefte, Juli/August 2007

«Wie ist ein Kunstwerk in Worte zu fassen, ohne es durch Banalitäten zu verraten? Der Tessiner Lyriker Fabio Pusterla tastet sich sachte an die ihm und neun weiteren Autoren gestellte Aufgabe heran, ein Gemälde aus der Sammlung Oskar Reinhart Am Römerholz gewissermassen auf Dichterhöhe zu heben. In der Tat serviert uns der diesjährige Gottfried-Keller-Preisträger im soeben erschienenen Paperback ‹Lautmalerei und Wortbilder› ein literarisches Kabinettstück zu den Lachstranchen Goyas!» Tages-Anzeiger

«Klug. Aufschlussreich, dieses Büchlein!» Basler Zeitung

«Ein ausnehmend schönes Buch.» St. Galler Tagblatt

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