igajanumenechligaluege
Ursula Fölmli (Hg.)

igajanumenechligaluege

Poetische Schweizerreise in Mund-Arten

Mit Illustrationen von Schang Hutter / Mit einem Vorwort von Pedro Lenz

200 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
Mai 2007
SFr. 38.–, 38.– €
sofort lieferbar
978-3-85791-520-8

per Post bestellen

Schlagworte

Literatur Mundart Lyrik
     

Zwei Generationen nach Mani Matter gibt es eine neue, junge Generation, welche die schweizerdeutschen Dialekte für die Literatur fruchtbar macht. Jenseits von Gemütlichkeit oder Rückzug ins Landesinnere ist eine moderne Mundartlyrik entstanden. Dieser Band präsentiert neben den ‹modernen Klassikern› – Julian Dillier, Franz Hohler, Ernst Burren, Eugen Gomringer u.a. – viel Neues und auch Überraschendes von Beat Sterchi und Pedro Lenz über Gerhard Meister zu Bernadette Lerjen, Claudius Weber und anderen.
Geordnet nach Regionen, ist nicht nur eine poetische Anthologie entstanden, sondern auch eine Dialekt-Geografie der Schweiz, wobei für die Auswahl einzig die Qualität und die Musikalität der Texte massgebend waren.
Gleichzeitig erscheint eine Auswahl der Gedichte auf cd. Gelesen von Ursula Fölmli erklingt das Deutsch aus Basel und Bern, Zürich und Appenzell, aus der Ost- wie der Innerschweiz, dem Wallis, Graubünden samt Walserdeutsch. Zu den Klängen der Sprache hat Balts Nill Töne beigesteuert.

Ursula Fölmli
© Walter Güller

Ursula Fölmli

Ursula Fölmli, 1961 in Luzern geboren, lebt seit 1985 im Bernbiet. Ursprünglich Lehrerin, unterrichtet sie seit 1990 Sprechschulung/ Kommunikation als Selbständigerwerbende. 1993 führt sie ihr erstes «Sprechspektakel» auf, eine poetische Lesung besonderer Art, ein multimediales Spektakel. 1996 beginnt sie mit dem Sammeln von Schweizer Mundartlyrik und ist mit dem Programm «uukhoogaguat – eine Dialektreise durch die Schweiz» auf Tournee.

mehr...

Mundart – ein Instrument mit vielen Tönen
von Pedro Lenz

Peter Wyss, Albert Streich, Maria Lauber, Heinz Stauffer, Laure Wyss, Heinz Stalder, Walter Vogt, Endo Anaconda, Chlöisu Friedli, Urs Hostettler, Greis, Kurt Marti, Gerhard Meister, Trischtan Tromsig, Christian Schmid, Balts Nill, Stefanie Grob, Mani Matter, Beat Sterchi, Adolf Wölfli, Ernst Eggimann, Hans Ulrich Schwaar, Pedro Lenz | BERN

Ernst Burren, Franz Hohler, Christian Mueller | SOLOTHURN

Franz Aebischer, Hubert Schaller | FREIBURG

Marcel Wunderlin, Fetch | BASEL-LAND

Heidy Würth, Robert Karch | BASEL-STADT

Josef Villiger, Simon Libsig, Claudius Weber | AARGAU

Max Huwyler | ZUG

Jurczok 1001, Eugen Gomringer, Heinz Wegmann, Daniel Goetsch, Josef Rennhard, Ursula Hohler, Barbara Egli, Raphael Bertschinger | ZÜRICH

Susanne Stühlinger, Fritz Gafner | SCHAFFHAUSEN

Stefan Keller | THURGAU

Felix Epper, Manuel Stahlberger / Moritz Wittensöldner, Niklaus Meienberg, Erwin Messmer, Richi Küttel | ST. GALLEN

Peter Morger | APPENZELL AUSSERRHODEN

Linard Bardill, Oscar Eckhardt, Walter Lietha, Hans Peter Gansner, Elisabeth Mani-Heldstab, Erika Hössli, Anna Maria Bacher | GRAUBÜNDEN

Urs Schönbächler | GLARUS

Anton Bruhin, Käthi Kaufmann-Eggler | SCHWYZ

Kuno Raeber | LUZERN

Rolf Zumbühl, Franz Troxler, Walter Käslin | NIDWALDEN

Karl Imfeld, Hanspter Müller-Drossaart, Daniel Zahno, Julian Dillier, Romano Cuonz | OBWALDEN

Bernadette Lerjen-Sarbach, Rolf Hermann, Ludwig Imesch, Hannes Taugwalder | WALLIS

Kurzbiografien und Textnachweis
Gedichte alphabetisch
Autorinnen und Autoren alphabetisch
Editorische Notiz

MUNDART – EIN INSTRUMENT MIT VIELEN TÖNEN

Wird in literarischen Kreisen über Mundartliteratur geredet, geht es eigenartigerweise fast immer um Mundart und praktisch nie um Literatur. Die einen glauben, die Verwendung der Mundart sei schon an sich ein literarischer Akt. Die andern sprechen der Mundart die Literaturfähigkeit von vorneherein ab. Beide Haltungen gründen auf der irrtümlichen Annahme, Mundart sei ein Sonderfall, sei eine Sondersprache, über die wir uns wundern sollten, wie wir uns über eine seltene Tierart wundern. Dieses Missverständnis hat zur Folge, dass sich die Rede über Mundartliteratur meist im Betrachten der Eigentümlichkeiten erschöpft. Es geht dann nicht mehr darum, welche literarischen Stoffe auf welche Art bearbeitet worden sind. Stattdessen werden Schreibweisen diskutiert, dialektale Eigenheiten betont oder exotische Ausdrücke bestaunt. Wollen wir über diese rein staunende Betrachtung der Mundartliteratur hinaus kommen, sollten wir deshalb zunächst einmal mit dem weit verbreiteten Irrtum aufräumen, Mundart sei eine Besonderheit. Mundart ist nichts Abnormales, sie ist die ganz normale Sprache derer, die sie benutzen.

Mir persönlich ist es jedenfalls nie eingefallen, die Sprache, die ich täglich im Gespräch mit meinem Umfeld brauche, als etwas Seltsames oder Besonderes anzusehen. Seltsam wird unsere Umgangssprache höchstens dann, wenn sie uns schriftlich begegnet. Warum das so ist, lässt sich leicht erklären. Es hat vor allem mit Sehgewohnheiten zu tun. Wir erkennen manche Wörter nicht auf Anhieb, weil uns ihr Schriftbild nicht vertraut ist. Aber das ist nur eine kleine, rein optische Finesse, die mit der Sprache an sich wenig zu tun hat. Es geht also bei der Lektüre von Mundartliteratur bloss darum, die Sehgewohnheiten ein bisschen anzupassen. Das ist ein kleiner Mehraufwand, der sich sehr schnell bezahlt macht. Wir können nämlich dadurch, dass wir uns fast wie Kinder einem Text nähern, zu einem neuen, erfrischenden Leseerlebnis kommen.

Damit ist freilich auch schon gesagt, dass sich geschriebene Mundart einem literarischen Werturteil nicht entziehen kann. Das Gegenteil ist der Fall. Denn dadurch, dass wir Mundarttexte meist langsamer und aufmerksamer lesen, als Texte, die in einer Standardsprache abgefasst sind, kommen wir dem literarischen Blendwerk leichter auf die Schliche. Hohle Phrasen, gestelzte Formulierungen, Pseudointellektualismus, kurz alles, womit wir als Autoren zuweilen versuchen, unser Unvermögen zu kaschieren, wird in der Mundartliteratur leicht enttarnt. Das hängt mit den oben beschriebenen Sehgewohnheiten zusammen.

Selbstverständlich gibt es immer noch Leute die glauben, es gäbe schönere und weniger schöne, bedeutendere und weniger bedeutende, bessere und weniger gute Sprachen. Aber wer die Sprache und die Literatur grundsätzlich liebt, ist weit davon entfernt, einzelne Sprachen gegeneinander auszuspielen. Viel eher dürfte er an jeder Sprache das schätzen, was sie im einzelnen Fall auszudrücken vermag. Die hier vorliegende Anthologie von Mundartgedichten ist also nicht gut oder schlecht, weil sie Texte in Mundart versammelt. Sie darf und soll, wie jede andere Anthologie, nach der literarischen Qualität der ausgewählten Texte beurteilt werden.

Die einzelnen Autorinnen oder Autoren wählen die Sprache, in der sie schreiben wollen, immer nach verschiedenen Kriterien. Viele der hier versammelten Stimmen, stammen von Leuten, die ausser auf Mundart auch auf Hochdeutsch schreiben. Die Mundart ist für sie gleichsam ein anderes Instrument, eines, das vielleicht andere Töne hervorzubringen vermag. Die Wahl der Mundart als Literatursprache hat, aus der Sicht der Schreibenden, verschiedene Vor- und Nachteile gegenüber der Standardsprache. Zu den Vorteilen gehört unzweifelhaft die Möglichkeit, eine plastischere Illusion von mündlicher Unmittelbarkeit oder Realitätsnähe zu vermitteln. Die gesprochene Sprache lässt sich anders rhythmisieren, als eine Standardsprache. Mundart lässt sich,

mangels allgemeingültiger Orthographie, freier gestalten und sie lässt sich einfacher zum Klingen bringen. Freilich ist es naiv zu glauben, all diese Ansprüche seien bereits durch die Wahl der Mundart erfüllt. Mundartpoesie bedingt von den Dichterinnen und Dichtern die gleiche Fähigkeit, die Sprache zu formen, wie jede andere Poesie. Und wie jede Poesie entfaltet die Mundartpoesie erst beim lauten Lesen ihr ganzes Wesen.

Von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, verlangt diese Sammlung viel mehr, als kritiklose Begeisterung für die eine oder andereSprachmelodie. Sie verlangt Ihre Bereitschaft, sich neugierig, wach und vorurteilsfrei an die einzelnen Texte anzunähern, ähnlich wie Schulkinder, die sich staunend vom geschriebenen Wort berühren lassen.

Ich wünsche Ihnen dabei viel Freude und Gewinn. Und bitte vergessen Sie am Ende die Einsicht nicht, die uns Rolf Hermann in seinem Gedicht «Züegab» mitgibt: «Vill wichtigär als d Schpielig / Isch was därna chunnt. // Ds Fillu vam Schpielchaschtu / Mit noium Wassär.»

Pedro Lenz
Aargauer Zeitung, 18. Mai 2007
St. Galler Tagblatt, 21. Mai 2007
Schnabelweid, 31. Mai 2007 (Interview mit Ursula Fölmli)
20 Minuten, 5. Juni 2007
P.S., 21. Juni 2007
Leseblatt der Buchhandlung voirol, Bern, Juni 2007
Der kleine Bund, 7. Juli 2007
Neue Zuger Zeitung, 17. Juli 2007
St. Galler Tagblatt, 30. Juli 2007
Zeitlupe, 1. September 2007 (Nr. 9)
Leben & Glauben, Das evangelische Wochenmagazin, 6. September 2007
Berner Zeitung, 17. September  2007

«Allein wie Fölmli die Stimmen, Generationen, Motive und Genres verzahnt, macht ihr Buch zu einem Ereignis.» Aargauer Zeitung

«Es finden sich hier nicht die heimattümelnden Oden, sondern Freches und Nachdenkliches, Verspieltes zumal. Mundartlyrik muss nicht altmodisch und bewahrend sein – im Gegenteil: Staubige Traditionen kann man im Dialekt besonders gut enttarnen. Die Sammlung von Ursula Fölmli ist darum frech und spritzig geworden. Diese Texte grosser Sprachkünstler mit verspieltem Wortwitz und viel Freude am Experiment mit Silben und Worten sind eine bereichernde Lektüre. Mit Ursula Fölmli hat die Mundart-Lyrik eine Fürsprecherin gefunden, die mit genuinem Interesse an der Sprache ans Werk gegangen ist.» St. Galler Tagblatt

«Beim ersten Lesen in diesem Buch schüttelt man noch den Kopf, dann konzentriert man sich, liest noch einmal, und schliesslich geht einem der eigenartige Reiz und die Schönheit dieser Sprache erst richtig auf. Und ganz prima klingt es, wenn man es sich laut vorliest: Schweizerdeutsch, Mundart, Dialekte von Freiburg bis Graubünden, von Bern bis St. Gallen, von Basel bis ins Wallis. Die Herausgeberin, Ursula Fölmli, macht seit langem Sprechspektakel und Mundartprogramme. Ihr ist in diesem Buch eine sehr schöne Auswahl gelungen. Pedro Lenz verlangt in seinem Vorwort, dass man sich neugierig, wach und vorurteilsfrei an die einzelnen Texte annähert. Das lohnt sich in diesem Falle wirklich sehr.» 20 Minuten

«Autoren wie Pedro Lenz, Franz Hohler oder Hannes Taugwalder nehmen die Lesenden mit ihren Dialekten, aber auch mit ihren Themen auf eine poetische, humorvolle und tiefsinnige Reise durch die Schweiz mit.» Leseblatt der Buchhandlung voirol, Bern

«Das Ganze ist auch für Nichtgedichtfans eine gute Deutschschweizaufnahme.» P.S.

Auch lesenswert

igajanumenechligalose
Ursula Fölmli (Hg.)

igajanumenechligalose

Poetische Schweizerreise in Mund-Arten

Mai 2007
978-3-85791-521-5
Captcha

Ihre Meinung ist uns wichtig. Bitte nehmen Sie sich einige Minuten Zeit und teilen Sie uns Ihre Meinung zu diesem Buch mit. Alle Rückmeldungen werden auch an die Autoren und Autorinnen weitergeleitet. Herzlichen Dank.