Da und fort
Heinz Nigg (Hg.)

Da und fort

Leben in zwei Welten. Interviews, Berichte und Dokumente zur Immigration und Binnenwanderung in der Schweiz

VHS-Kassette, etwa 60 Abbildungen
Januar 2002
SFr. 48.–, 54.– €
sofort lieferbar
978-3-85791-401-0

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Schlagworte

Migration
     

Fremd angekommen: Sie sind ausgewandert aus Italien, Deutschland, aus den Bergregionen der Schweiz, aus Ungarn, der Türkei und aus dem ehemaligen Jugoslawien. Wie erlebten ImmigrantInnen ihre Einwanderung in die Schweiz? Welche Gründe führten zur Auswanderung? Wie sehen sie sich in einer zunehmend multikulturellen Schweiz? Wie haben BinnenmigrantInnen in den fünfziger und sechziger Jahren ihren Wegzug in die Städte erlebt?

Fotos, Abbildungen von persönlichen Gegenständen sowie Gesprächsprotokolle werden im vorliegenden Materialienband als Dokumente eines interkulturellen Forschungsprozesses präsentiert. Dazu kommen biographische Interviews mit Migrantinnen und Migranten sowie Recherchen zu Aspekten der Migration und deren Einflüsse auf die urbane Schweiz.

 

Mit Beiträgen von Musa Dursun, Daniel Fels, Susanne Gisel-Pfankuch, Therese Halfhide, Elisabeth Joris, Erika Keil, Claude Lichtenstein, Dejan Mikic, Rosanna Raths-Cappai, Hava Shala Gerguri und Viktoria Toth

Heinz Nigg
© Limmat Verlag

Heinz Nigg

Heinz Nigg, geboren 1949 in Zürich. Studium der Geschichte, Politikwissenschaft und Ethnologie. Beschäftigung mit bildender Kunst als Maler und Kritiker. Bildungsaufenthalte in Chicago und London. Gehört zu den Pionieren der alternativen Videobewegung der 70er- und 80er-Jahre (Community Media). Arbeitet heute als freier Kulturschaffender und unterrichtet Medienanthropologie an der Universität Bern.

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Vorwort

Kalivanakan – bom dia – Guten Morgen!
MigrantInnen aus 7 Ländern erzählen

Das Land, aus dem wir kommen

Bilder und Gerüche aus der Kindheit

Warum wir weggingen

Die Grenzüberschreitung

Das Land, in dem wir ankommen

Was wir von der Schweiz wussten

Erste Eindrücke

Die neue Arbeit

Klimawechsel

Alltag

Weggegangen um zu arbeiten

Man spricht (Schweizer)deutsch

Wir und die Schweizer: Freunde?

Grenzübergreifende Geselligkeit

Die Familie und die Landsleute – hier und dort

Was die Schweiz für uns tat, was wir für die Schweiz taten

Frauenleben, Männerleben

Wie es immer war

Veränderungen

Wohin wir gehören

Anpassungen ohne Selbstverleugnung

Der rote Pass

Abwehr

Bleiben oder zurückkehren?

Versuche und Hoffnungen

Zweite Heimat, zwei Heimaten

Die Schweiz von heute und morgen:
gastfreundlich oder fremdenfeindlich?

Einst und jetzt

Was anders wurde

Was anders werden sollte

 

14 Interviews

Charly O., geb. 1928, aus Turtmann im Wallis/Schweiz

Vendramina Z., geb. 1938, aus Treviso/Italien

Edda P.-S., geb. 1928, aus Poschiavo in Graubünden/Schweiz

Judith M., geb. 1920, aus Budapest/Ungarn

Ruth D., geb. 1935, aus Hagen in Westfalen/Deutschland

Pellegrino T., geb. 1941, aus Kampanien/Italien

Djuro K., geb. 1936, aus Bosanksa Gradiska/Serbe aus Bosnien

Anna J., geb. 1973, aus Zürich/Schweiz, Eltern aus Ungarn

Sait T., geb. 1949, aus Erzincan/Türkei

Rrahim K., geb. 1955, aus Grejkovc/Kosova

Thea W., geb. 1958, aus Gosheim auf der Schwäbischen Alp/Deutschland

Mükerrem G., geb. 1965, aus Ankara/Türkei

Bajram A., geb. 1956, aus Rezallë/Kosova

Senka K., geb. 1961, aus Mojkovac/Serbin aus Montenegro

 

9 Plakate

Fakten und Analysen

Migrationspolitik
Internationale Migration und Binnenwanderung im Überblick
Heinz Nigg

Das Schweizer Ausländerrecht 1860–1978
Kaatje Sprenger

Migrations- und Integrationspolitik der 90er Jahre
Raphaela Hettlage/Nicole Tellenbach

Biografische Migrationsforschung
Über biografisches Forschen Heinz Nigg

Migrationsbedingte Belastungssituationen
Therese Halfhide

Die Stadt im Spiegel der Binnenmigration
Elisabeth Joris

 

Brennpunkte

Erfahrungen mit Fremdenfeindlichkeit
Sandrine Schilling

Vom Esskulturkonsum zur Esskonsumkultur
Susanne Rudolf

TürkInnen und KurdInnen in der Schweiz
Anita Dahinden

Zur Situation der Serbinnen und Serben in der Schweiz
Dejan Mikic

Anstatt eines Nachworts
Wer ist wer, wer passt sich wem an und wie?
Olga Serafimovski Milenkovic

Vorwort

Fremd angekommen. Ausgewandert sind sie aus Italien, Deutschland, aus den Bergregionen der Schweiz; aus Ungarn, der Türkei und aus dem ehemaligen Jugoslawien. Welche Gründe führten zur Auswanderung aus ihrem Herkunftsland? Wie erlebten die ImmigrantInnen ihre Einwanderung in die Schweiz? Wie haben Schweizer selbst den Wegzug aus den Berg- und Randregionen in die urbanen Zentren erlebt, und welche Parallelen können zur Immigration aus dem Ausland gezogen werden?

Im Rahmen von Biografie-Workshops haben sich über siebzig Migrantinnen und Migranten aus sieben Ländern während eines halben Jahres mit ihrer Migrationsgeschichte auseinandergesetzt. Viele Gruppengespräche wurden auf Tonband aufgezeichnet. Einige Workshop-TeilnehmerInnen hielten ihre Erinnerungen schriftlich fest. Ergänzt wurden die schriftlichen und mündlichen Dokumente durch ein- bis zweistündige Video-Interviews, die mit je zwei TeilnehmerInnen pro Workshop durchgeführt wurden. Die 14 geschnittenen Video-Interviews sowie die von den Workshop-TeilnehmerInnen zusammengetragenen Gegenstände, Fotos und Dokumente, die sie an die verschiedenen Etappen ihrer Migration erinnern, wurden für eine Wanderausstellung aufgearbeitet, die im Museum für Gestaltung in Zürich im Oktober 1999 ihren Anfang nahm.

Entstanden ist das Projekt «Da und fort. Leben in zwei Welten» aus der Einsicht, dass Beschäftigung mit Migration nur dann Sinn macht, wenn In- und AusländerInnen gemeinsam über Migrationsprozesse nachdenken, um zu einem besseren Verständnis von unterschiedlichen Erfahrungshintergründen und Werthaltungen zu kommen. Im Vorfeld und parallel zu den Workshops haben sich zwanzig Studierende des Ethnologischen Seminars der Universität Zürich mit «Migration und Urbanisierung in der Schweiz von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart» befasst. Ein Teil ihrer Arbeit wurde in die vorliegende Publikation aufgenommen, um die von den MigrantInnen geleistete Selbsterkundung in einen weiteren Kontext zu stellen.

In der schweizerischen Öffentlichkeit erfuhr die kontroverse Debatte über Integration oder Ausgrenzung von asylsuchenden AusländerInnen in den letzten Jahren eine Verschärfung. Dabei verstellte die Stereotypisierung des «Asylanten» als einer tendenziell kriminellen, gewalttätigen, parasitären Person den Blick auf die realen Verhältnisse der AusländerInnen in diesem Land: Denn zweifellos hätte die Schweizer Bevölkerung ohne den wirtschaftlichen und kulturellen Beitrag der ArbeitsmigrantInnen und Flüchtlinge ihren heutigen hohen Lebensstandard nicht erreichen können. Auch die Urbanität der Schweizer Städte ist nicht zuletzt ein Produkt kultureller Vielfalt – die in der Migration, und zwar der internen wie der internationalen, ihre Wurzeln hat.

Der Migration ein persönliches Gesicht geben heisst, MigrantInnen selber zu Wort kommen zu lassen. Sie verleihen ihrer Erfahrung der Wanderschaft, der Flucht und des Lebens in der Fremde selbst Ausdruck – in ihren eigenen Worten und Bildern. Von einem solchen Coming-out der Migrantinnen und Migranten in diesem Land können alle, In- und AusländerInnen, in ihrem unmittelbaren Alltag profitieren. Darüber hinaus schärft die Beschäftigung mit Migrationsgeschichte den Blick auf die Wandelbarkeit der gesellschaftlichen Verhältnisse: Der Mythos von statischen Ethnien, Nationen und Kulturen, die auf scheinbar festen, ewigen, ja «heiligen» Werten beruhen, wird durch die Wirklichkeit dynamischer Gesellschaften widerlegt.

Der Herausgeber dankt allen TeilnehmerInnen und LeiterInnen der Workshops «Migrantinnen und Migranten erzählen» für ihr grosses Engagement sowie allen, die unentgeltlich bei der Transkription der Tonbandaufnahmen und der Herstellung der Workshop-Broschüren mitgewirkt haben.

Ebenso danke ich allen TeilnehmerInnen der Lehrveranstaltung «Die Stadt im Spiegel der Migration», die mit ihren Diskussionsbeiträgen und Recherchen den Migrationsdiskurs bereichert haben, sowie Bruno Hohl, Kurt Reinhard, Pellegrino

Tremonte und Bonaventura van Eerd für Ideen und Kritik.

Ein weiterer Dank geht an alle MitarbeiterInnen der beteiligten Institutionen und an alle freien MitarbeiterInnen an diesem Projekt für die tadellose fachübergreifende Zusammenarbeit. Den Geldgebern danke ich für die grosszügige Unterstützung von Buch, Ausstellung und Video-Interviews.

Ein grosses Merci an Angela Cadruvi für Inspiration und Auseinandersetzung!
Tages-Anzeiger, 2. November 1999
Basler Zeitung, 25. Januar 2000
Neue Luzerner Zeitung, 10. Februar 2000

«Gesammelt wurden die Schilderungen im Rahmen von Workshops, die das Amt für Soziokultur des Sozialdepartements der Stadt Zürich durchführte. Über siebzig Migrantinnen und Migranten aus sieben Ländern nahmen daran teil. Ihre Aussagen sind auf rund 200 Seiten im Originalton dokumentiert. Geordnet sind sie in einem ersten Teil nach Themenbereichen wie ‹Alltag› oder ‹Warum wir weggingen›. In einem zweiten Teil finden sich 14 ausführliche Interviews. Wiederkehrende Themen sind das Lebensgefühl der Migranten zwischen alter und neuer Heimat, die Erfahrungen mit Fremdheit und Veränderungen, die Wahrnehmung der Schweiz und der Schweizer. Die vielen persönlichen Erlebnisse machen die Lektüre spannend und lebensnah; im Spiegel fremder Augen lässt sich die Schweiz aus einer ungewohnten Perspektive neu entdecken.
Abgerundet wird das Buch durch einen theoretischen Teil. Er enthält Fakten und Analysen zur internationalen Migration, zur Schweizer Ausländerpolitik und zur biographischen Migrationsforschung. An Stelle eines Nachwortes beschreibt die aus Serbien stammende Olga S. in knappen Worten ihren Familien- und Bekanntenkreis. Kreuz und quer vermischen sich hier die Nationalitäten - und unwillkürlich stellt sich die Ahnung ein, dass Migration im Zeitalter von Globalisierung und Flexibilität, wie sie die Einpeitscher der Wirtschaft fordern, von der Ausnahmesituation wohl immer mehr zum Normalfall wird.» Basler Zeitung

«Fragen der echten Zugehörigkeit begleiten die Menschen ihr Leben lang. Die einen fühlen sich nach der Einbürgerung als Schweizer, die anderen an beiden Orten beheimatet. Eine dritte Gruppe fühlt sich nirgends verwurzelt. Assimilation, Integration, multikulturelle Koexistenz? Das Zusammenleben fordert. Information über hier gängige Normen und Werte muss am Anfang stehen und auch die Bereitschaft, die nötige institutionelle Unterstützung seitens der Schweiz zu gewähren.
Die zweite Generation hat es schon leichter. Ihre Erfahrung mit zwei Kulturen können sie in vieler Hinsicht fruchtbar machen. Doppelbürger von EU-Staaten haben in international ausgerichteten Unternehmen überall sehr gute Chancen. Das Buch enthält je einen Beitrag über das Schweizer Ausländerrecht von 1860 bis 1978 und über die Migrations- und Integrationspolitik der Neunzigerjahre. Durch die leicht verwirrliche Anlage der Durchmischung von ausländischen und schweizerischen Migrationsgeschichten wird das allgemein Menschliche sicht- und spürbar. In Zukunft wird es, das ist sicher, durch die Globalisierung immer mehr Migration geben. Auch viele von uns werden dazu gehören.» Neue Luzerner Zeitung
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