Sehnsucht nach Etleva / Malli për Etlevën
Vaxhid Xhelili

Sehnsucht nach Etleva / Malli për Etlevën

Gedichte Albanisch / Deutsch

Übersetzt und mit einem Nachwort von Hans-Joachim Lanksch

96 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, illustriert
September 2001
SFr. 38.–, 38.– €
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978-3-85791-372-3

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Vaxhid Xhelili gehört jener neuen Dichtergeneration an, die jetzt mit viel Erfolg an die grosse Zeit der albanischen Lyrik anknüpft. Sie ist aus einer reichen mündlichen Tradition hervorgegangen und gewinnt ihre spezifische Modernität aus deren archaischen Wurzeln: Eine Wortkunst ohne Ballast, in der jedes Wort, jede Silbe Gewicht hat.

Vaxhid Xhelili breitet in seinen Gedichten einen wahren Schatz an unverbrauchten Bildern, Symbolen und Metaphern aus, um seine Welt zu beschwören. Seine Welt, die geografisch und biografisch ebenso in der Schweiz liegt wie in der albanischen Kultur in Südserbien. Von Basel bis Prishtin> besingt er die Geliebte, die Sehnsucht, Landschaften — oder begegnet politischen Demonstranten und Beamten hinter ihren Schreibtischen mit heilsamer Ironie.

Vaxhid Xhelili
© Limmat Verlag

Vaxhid Xhelili

Vaxhid Xhelili, geboren 1960 in Lluéan, Südserbien, studierte albanische Sprache und Literatur in Prishtinë, kam 1989 als Saisonnier in die Schweiz. Auf Albanisch sind von ihm die beiden Gedichtbände «Malli për Etlevën» und «Pasqyra e mérzis>» erschienen, auf Deutsch ausgewählte Gedichte in der Anthologie «Küsse und eilige Rosen».

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Hans-Joachim Lanksch

Hans-Joachim Lanksch

geboren 1943 in Braunschweig, Deutschland, studierte Slawische und Balkanphilologie, Volkskunde und Albanologie. Lebt in München als Übersetzer für Albanisch, Slowenisch und Serbisch.

Aus dem Albanischen übersetzte er Bücher von Martin Camaj, Kasëm Trebeshina, Azem Shkreli, Ali Podrimja und Vaxhid Xhelili. In Zeitschriften und Anthologien veröffentlichte er Lyrikübersetzungen von Lasgush Poradeci, Mimoza Ahmeti, Primo Shllaku, Jamarbër Marko, Luljeta Lleshanaku, Visar Zhiti, Ledia Dushi, Kate Xukaro, Din Mehmeti, Adem Gajtani, Fahredin Gunga, Rrahman Dedaj, Mirko Gashi, Eqrem Basha, Edi Shukriu, Flora Brovina, Shaip Beqiri u.a. sowie Prosa von Elvira Dones und Anton Pashku. 1999 Nikolaus-Lenau-Preis der Künstlergilde Esslingen.

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Gedicht, Albanisch/Deutsch

Malli për Etlevën

Sa herë ia shtrëngoj telat harfës së kujtimit

Ëndrrat e tua hipur mbi kalin e shkumuar

Bëjnë fotografi

Shkallëve të Universitetit

Unë i rebeluar instaloj sy rrugëve

Shesheve të lodhura nga këmbësorët

Prishtinës ia sjell te hunda tamblin e nënës

Me kalërimet e mia

Të shfrenuara o Zot

Sehnsucht nach Etleva

Sooft ich die Saiten der Erinnerungsharfe anreisse

Schiessen deine Träume auf schäumendem Ross

Fotos

Auf der Treppe der Universität

Ich installiere aufbegehrend die Augen auf Strassen

Auf Plätzen die der Fussgänger müde sind

Prishtina halte ich die Milch der Mutter unter die Nase

Mit meinen Ritten

Den ungezügelten o Gott

 

Auszug aus dem Nachwort von Hans-Joachim Lanksch

Und suchte scharfsinnig nach Ufern – der Lyriker Vaxhid Xhelili

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In mehrfacher Hinsicht steht Vaxhid Xhelili zwischen zwei Welten. Seine Heimat steht zwischen den divergierenden Interessen verschiedener politischer Blöcke und nationaler Bestrebungen. In der Schweiz steht er zwischen Heimweh und Integration. Es nimmt nicht Wunder, dass Vaxhid Xhelili die Sehnsucht nach seiner albanischen Welt immer wieder thematisiert. Dutzende kosova-albanischer Zunftgenossen haben dies gerade im Unterdrückungsjahrzehnt (1989–1999) auch getan. Xhelili hat es jedoch im Unterschied zu vielen anderen verstanden, seinen Schmerz ohne Larmoyanz und Trivialpathos zu artikulieren. Selbst wenn er der Verkörperung seiner albanischen Welt einen illyrischen Namen gibt, Etleva, stellt sich in Xhelilis Lyrik kein nationalromantischer Schmalz ein. Der wehmütigen Liebe zu seinem Land und Volk gibt er Ausdruck unter Verzicht auf nationale Ideologie. Er stellte sich damit gegen einen Unisono-Chor albanischer Schreibender in und aus dem ehemaligen Jugoslawien, die unter heftigem Schwenken des illyrischen Fähnleins pathetische Ergüsse nationaler Ideologie in pseudo-poetischer Form fabrizierten. Damit gehört Vaxhid Xhelili zu den wenigen Ausnahmen unter den jüngeren Autorengenerationen, die gegen den monotonen Strom einer omphaloskopischen Nationalpoeterei anschwammen, wie dies etwa auch der Journalist Beqë Cufaj (geb. 1970), der Arzt Aziz Mustafa (geb. 1967) und der jetzt in Skopje/Makedonien lebende Avni Halimi (geb. 1965) mit unkonventionellen Lyrikbänden ebenfalls in den neunziger Jahren taten. Xhelili verweigert sich nicht nur thematischer Monotonie, sondern auch stilistischer Monochromie. Auch hier steht er zwischen zwei Welten, zwischen Tradition und Innovation. Er verleugnet seine Wurzeln in der Tradition kosova-albanischer Dichtung, die einsilbig lapidare Wortkargheit mit elliptischer Verschlüsselung in Allegorien und Symbolen verbindet, nicht, bewahrt uns hingegen vor dem «déjà vu», das den mit neuerer kosova-albanischer Lyrik vertrauten Leser in den vergangenen zwei Jahrzehnten gar zu oft beschlich, als die Werkeder Grossen der kosova-albanischen Dichtung wie Azem Shkreli, Ali Podrimja, Din Mehmeti von mancherlei Plagiatoren geplündert wurden. Xhelili breitet in seiner Lyrik einen ungewohnten Reichtum origineller Bilder, Symbole, Metaphern und ungewohnter poetischer sprachlicher Fügungen aus. Das mittlerweile abgegriffen wirkende Inventar von Symbolen und Bildern wie «Fels», «Berg», «Stein», «Schlange», «Wolf» usw., das die epigonale Lyrik der achtziger und neunziger Jahre unverdrossen weiter ausschlachtete, wird man beiVaxhid Xhelili nicht finden. Es sei auch darauf hingewiesen, dass unser Autor eine der besten Traditionen kosova-albanischer Lyrik mit frischem Geist wieder aufleben lässt – die Ironie. Wie er beispielsweise vor dem Auge des Lesers durchaus sarkastisch das Bild entstehen lässt, dass er die «glattgebügelte Rhetorik» und nachgeblökten Refrains eines deklamatorischen albanischen Hurra-Patriotismus an Nationalfeiertagen nicht ohne Schlaftabletten oder Wein ertragen kann – das hat in der kosova-albanischen Lyrik Seltenheitswert. 

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Frankfurter Rundschau, 19. September 2002
unique, Juli 2016

«Xhelilis Sehnsucht und der mit ihr verbundene Schmerz finden in diesem Band nicht immer nur poetisch-schöne, sondern manchmal auch durchschaubare Worte, dennoch bleiben sie im ganzen Band auf eine seltene Art authentisch und berühren. Dem Band beigegeben sind Zeichnungen, ‹Wegspuren› von Marianne Leupi, über das Blatt huschende, schlierende, kreisende Schattenspuren schwarzer Tusche - nichts weiter. Mit ihrer kargen, einen imaginären Weg verfolgenden Bildschrift kommt die Zeichnerin den Gedichten sehr nah. Xhelilis Poesie ist eine ebensolches Aufschreiben von Spuren, Fragmenten aus einer abhanden gekommenen Ferne, die für ihn im Gedicht wieder zur Wirklichkeit wird - wie auch aus der unmittelbaren Nähe, die ihm durch die Sehnsucht nach Etleva bis hin zur Fiktion entrückt wird.» Frankfurter Rundschau

 

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