Meienberg
Marianne Fehr

Meienberg

Lebensgeschichte des Schweizer Journalisten und Schriftstellers

558 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, über 40 Abbildungen
Februar 1999
SFr. 48.–, 48.– €
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978-3-85791-326-6

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Sachbuch
     
Niklaus Meienberg erfand die Reportage neu. Er recherchierte nicht nur hartnäckig und genau, durch die Kraft seiner Sprache wurden seine Berichte über die Wirklichkeit zu Literatur. Und wie Heine und Tucholsky, mit denen er oft verglichen wurde, mochte er dabei häufig nicht auf Polemik und Satire verzichten.Die Geschichte seines Lebens lässt jetzt verstehen, wie sein Werk entstanden ist: Wie kein Zweiter hat sich Niklaus Meienberg der Öffentlichkeit ausgesetzt und seine Person in seine Texte eingebracht, der Journalist tritt als Zeuge auf. Erlebnisse beim Recherchieren oder aus der Kindheit werden eingeflochten, der Journalist tritt als Zeuge auf, als Niklaus Meienberg nennt er alle und alles beim Namen, und als Niklaus Meienberg steht er für seine Texte ein. Sie erhielten so eine spezifische Mischung aus radikaler Subjektivität und unbestechlicher Objektivität.

Niklaus Meienberg hat weder sich noch andere geschont, und das hatte seinen Preis. Marianne Fehrs Biografie zeigt jetzt der Öffentlichkeit, die in ihm stets nur den ‹Wüterich› sehen wollte, einen vielfältigeren und widersprüchlicheren Meienberg. Sie zeigt seine Verflochtenheit mit dem Gang der Ereignisse während einer Epoche, und sie lässt erahnen, warum er an deren Ende nicht mehr weiterleben mochte.
Marianne Fehr
© Limmat Verlag

Marianne Fehr

Marianne Fehr, geboren 1954, Journalistin, 1981 bis 1997 Redaktorin bei der «WochenZeitung», ab 1998 bei der «Weltwoche», heute bei der «Schweizer Familie».

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Anstelle eines Vorworts ein Nachruf

Jugend in St. Gallen 1940—1953
Aus der ersten Heimat in eine kriegerische Welt entlassen

Im Klosterschatten 1953—1955
Vorbereitungen aufs mönchische Leben und eine Namensänderung

Am Rande des Gebirges 1955—1960
Wie ein heller Stern weist die Flamme den Weg

Amerika 1960—1961
Ein Gehülfe will Uno-Generalsekretär werden

In hohen Ämtern 1961—1964
Der Studiosus greift nach den Sternen, bis sie ihm vor den Augen tanzen

Zürcher Lebensschule 1964—1966
Wie ein Pferd den falschen Meister abwirft und ein Ehehafen knapp umschifft wird

Paris, im Mai 1966—1968
Ein Präsident setzt sich für Kühlschränke ein, ehe er selber in der Kälte steht

Prüfungen 1968—1970
Am Leben und knapp am Tod vorbei

Gute Zeiten beim tam 1970—1972
Der Schreiber findet sein Forum, geht in den Schuldienst und beinahe nach Afrika

Die Entdeckung des Ernst S. 1973—1975
Die Arbeit trägt Früchte, manche sind sauer

Das Verdikt 1976
Die Bescherung zu einem fürstlichen Geburtstag

Arbeitsverhinderungen 1977—1978
Die Platzhirsche röhren, das Reh Mirza soll schweigen

Der Hitler-Attentäter 1978—1979
Von aufgeregten Fabrikanten und aufreibenden Reisen

Unruhe in Zürich 1980—1982
Herr Gillhausen kommt zu Besuch

Auf einem fremden Stern 1982—1983
Was das Heidi nicht kennt, frisst es nicht

Lockende Angebote 1983—1984
Der Heimkehrer wird in den Salon gebeten

Festivitäten und Fabriken 1985—1986
Eine Heimatdichterin droht mit dem Richter

Der General 1987—1988
Wie der Löwe sich der Beute nähert und ein Jaguar grosse Sprünge macht

Auszeichnungen 1989—1990
Das Land und sein Kritiker feiern einen runden Geburtstag

Krieg im Kopf 1991
A vos ordres, mon général!

Liebe, Lyrik 1991—1992
Phönix steigt aus der Asche und zeigt die neuen Federn

Überfälle 1992—1993
Ein kräftiger Körper wird seiner Souveränität beraubt

Ankündigung 1993
Ein kranker Freund bittet um Hilfe

Letzte Sommertage Ende September 1993
Die Reise nach Frankreich

Namenregister
Werkregister

In den drei folgenden Jahren ...

In den drei folgenden Jahren ist Meienberg in bester Verfassung. Loris Scola: «Er war weniger aufgedreht als zu seiner ‹Stern›-Zeit, viel ruhiger und ausgeglichener. Er arbeitete gut, hatte die Bestätigung, die er brauchte, denn viele wollten nun etwas von ihm. Er war sinnlich und lebensfreudig.» Wenn sie von der Arbeit als Mathematiklehrerin nach Hause kommt, fahren sie oft aus der Stadt hinaus, manchmal mit Freunden. Der deutsche Publizist Lothar Baier berichtet über einen Ausflug ins Aargauer Freiamt mit Meienberg, Loris Scola, Patrik Landolt und Rosemarie Meier: «‹Sind Sie nicht›, sagt auf einmal der Bauer, einen der Begleiter scharf ins Auge fassend, ‹der Herr Meienberg?› In diesem Augenblick erkennt der Tourist, was wahre Berühmtheit ist. (…) In Frankfurt, denkt er betrübt, kennt mich kein Schwein, und schon gar kein Bauer aus der Umgebung, obwohl ich doch auch in Zeitungen schreibe und auch schon im Fernsehen war.»41Anfänglich wohnt Meienberg in einem Zimmer an der Kieselgasse, nahe seiner letzten Behausung, übernimmt aber bald die Drei-Zimmer-Wohnung eines Bekannten an der Eisfeldstrasse in Oerlikon. Vom neuen Wohnort in der tristen Vorstadtumgebung ist er zwar gar nicht begeistert, aber zumindest hat er endlich eine eigene Wohnung. Ihrer Ausstattung widmet er kaum Aufmerksamkeit. Ebenso deprimierend wie die Wohnlage ist die Innenansicht seines neuen Heims. (...)

Erste Begegnungen an seinem neuen Oerlikoner Domizil verheissen nichts Gutes. Meienberg kommt eben vom Kiosk, eine Beige Zeitungen unter dem Arm. Eine Geschäftsantwortkarte flattert aufs Trottoir, worauf der Hausabwart energisch aus der Türe tritt und ihm befiehlt, den Unrat aufzulesen.

«Jetzt wird er schon ganz rot, die Sehnen straffen sich an seinem Hals, Generalmobilmachung, letzter Notenaustausch der verfeindeten Mächte (…). Mit welchen Wörtern wird er jetzt aus der Hüfte schiessen, darf man ein SOUHUND oder SCHMUTZFINK erwarten, nein, er sagt SINZI ÄN USSLÄNDER, und als ich antworte: natürlich, entspannt er sich sofort, die Adern schwellen ab, der Kopf changiert von puterrot zu blassrosa, und sagt zum Abschied: HANI MIRS DOCH TÄNKT, MIT DÄNE HOSE. Die sind wirklich nicht mehr die neusten.»42


41 WoZ, 9.11.1984.
42 Spazierstock, 94.
St. Galler Tagblatt, 27. Januar 1999
Weltwoche, 11. Februar 1999
Sonntagszeitung, 14. Februar 1999
St. Galler Tagblatt, 18. Februar 1999
Tages-Anzeiger, 19. Februar 1999
Neue Zürcher Zeitung, 27. Februar 1999
Basler Zeitung, 1. März 1999
WochenZeitung WoZ, 11. März 1999
Der Standard, 13./14. März 1999
Facts, 18. Februar 1999
tageszeitung taz, 24. Juli 1999

«Wer sich heute für Meienberg interessiert, wird an Marianne Fehrs Buch nicht mehr vorbeikommen. Die kiloschwere Biografie zeichnet detailgenau und spannend ein bewegtes Leben und ein Stück Schweizer Geschichte nach.» SF DRS Next
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