Rückspiel / Partita di Ritorno
Giorgio Orelli, Alice Vollenweider

Rückspiel / Partita di Ritorno

Gedichte

Herausgegeben und übersetzt von Christoph Ferber / Mit einem Nachwort von Maria Antonietta Grignani

132 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
August 1998
SFr. 38.–, 38.– €
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978-3-85791-318-1

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Dieser Gedichtband stellt den Tessiner Lyriker Giorgio Orelli, der zu den wichtigsten Stimmen der italienischen Lyrik dieses Jahrhunderts gehört, zum ersten Mal auf Deutsch vor. In einer Auswahl, die zeigt, wie mühelos dieser Dichter die Erinnerung an seine bäuerliche Heimat mit der kritischen Wahrnehmung der Gegenwart verbindet und Gedichte schreibt, deren reiche und kunstvolle Struktur sich mit präziser rhythmischer und melodischer Schönheit paart.
Giorgio Orelli
© Yvonne Böhler

Giorgio Orelli

Giorgio Orelli, 1921–2013, lebte als Lyriker und Literaturwissenschafter in Bellinzona. Studium an der Universität Freiburg i.Ue., Dozent der italienischen Literatur am Gymnasium in Bellinzona. Intensive Beschäftigung mit Goethe sowie Goethe-Übersetzungen. 1988 ausgezeichnet mit dem Grossen Schillerpreis.

«Der bedeutendste Lyriker der Schweiz – für alle Sprachen.» Börsenblatt für den deutschen Buchhandel

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Alice Vollenweider
© Limmat Verlag

Alice Vollenweider

Alice Vollenweider (1927–2011), geboren in Zürich, Studium der Romanistik in Zürich, Paris und Neapel. Übersetzte Natalia Ginzburg, Luigi Malerba, Eugenio Montale und Giacomo Leopardi. Literaturkritische Aufsätze zur zeitgenössischen italienischen Literatur. Verschiedene Publikationen zur Kochkunst, zuletzt erschienen «Italiens Provinzen und ihre Küche» und «Die Küche der Toskana».

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Christoph Ferber
© Yvonne Böhler

Christoph Ferber

Geboren 1954. Aufgewachsen in Sachseln, Obwalden. Studium der Slawistik, Romanistik und Kunstgeschichte in Lausanne, Zürich und Venedig. Dort Promotion mit einer Arbeit zum russischen Symbolismus. Tätigkeit als freier Übersetzer. Wohnt auf Sizilien. 2014 Auszeichnung mit dem Spezialpreis Übersetzung des Schweizerischen Bundesamts für Kultur, 2016 den Paul Scheerbart-Preis.

Übersetzungen, fast ausschliesslich lyrischer Texte, aus dem Italienischen (Gaspara Stampa, Vincenzo Cardarelli, Eugenio Montale, Salvatore Quasimodo, Attilio Lolini, Giorgio Orelli, Giovanni Orelli, Pietro de Marchi, Remo Fasani, Aurelio Buletti, Francesco Chiesa, aus dem Russischen (Michail Lermontow, Fjodor Tjutschew, Sinaida Hippius, Fjodor Sologub, Wjatscheslaw Iwanow, David Samojlow), dem Französischen (Stéphane Mallarmé, Werner Renfer), dem Polnischen (Juliusz Slowacki) und Bulgarischen (Dimtscho Debeljanow).

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Lyrik
Né bianco né viola, Lugano 1944
Poesie, Milano 1953
L'ora del tempo, Milano 1962
Sinopie, Milano 1977
Spiracoli, Milano 1989

Prosa
Un giorno della vita, Milano 1960

Übersetzung
J.W. Goethe, Poesie Scelte, Milano 1974

Literaturkritik
Accertamenti verbali, Milano 1979
Accertamenti montaliani, Bologna 1979
Il suono dei sospiri, Torino 1990
Quel ramo del lago di Como, Bellinzona 1990
Foscolo e la danzatrice, Parma 1992

Né bianco né viola | Nicht weiss und nicht violett

Né bianco né viola

Nulla più chiedo. Contemplare i cielo
che trasfigura la mia terra.
Lontano
dagli incantevoli luoghi di nausea
dove l'anima è fredda,
simile a un crisantemo
né bianco né viola.

Nicht weiss und nicht violett

Nichts anderes wünsche ich. Den Himmel beschauen,
der meine Erde verwandelt.
Fern aller reizenden Orte
des Ekels,
in denen die Seele
kalt ist, ähnlich der Chrisantheme,
nicht weiss und nicht violett.

Le anguille del Reno | Die Rheinaale

Le anguille del Reno

Le anguille che ci arrivano dal Reno
sono dure a morire. Stimolate
dal pescivendolo s'agitano
nerastre in scarso ghiaccio
tra un bianco di polistirolo.
Il compaziente fatto compratore
ne chiede due. Le pesa una donna
che a un tratto grida: è scappata.
Con un guizzo più piccola
è balzata dal piatto sul profido
dela piazza, ma è subito calma,
è facile riprenderla.
Tagliarle a pezzi non basta
per farle cessare di vivere.

Die Rheinaale

Die Rheinaale, wenn sie zu uns
kommen, wollen nicht sterben. Vom Fisch-
händler gereizt, zappeln sie schwärzlich
im spärlichen Eis zwischen Wänden
aus weissem Polystyrol.
Der Mitleidende, der nun zum Käufer wird,
nimmt deren zwei. Es wägt sie eine Frau,
die auf einmal «Einer ist ab» schreit.
Mit einem sicheren Ruck ist der kleinere
aus der Schale hinab aufs Porphyr
des Platzes gezuckt, doch sogleich ist er ruhig,
ihn wiederzufangen ist leicht.
Nicht reicht's, sie in Stücke zu schneiden,
um ihrem Leben ein Ende zu setzen.
Neue Zürcher Zeitung, 12. September 1998
Süddeutsche Zeitung, 7. Oktober 1998
Frankfurter Rundschau, 7. Oktober 1998

«Endlich stellt ein Verlag den Tessiner Lyriker, der seine bäuerliche Heimat thematisiert, ohne an der Gegenwart vorbeizuträumen, auf deutsch vor.» Neue Zürcher Zeitung

«Gedichte, die in der italienischen Literatur der Gegenwart einen reinen und eigenen Klang haben.» Neue Zürcher Zeitung

«Einmal gelesen, sind diese Gedichte kaum mehr zu vergessen. Sie haben Widerhaken, mit denen sie sich im Gedächtnis des Lesers festsetzen. Das ist ein untrüglicher Ausweis lyrischer Qualität. Orelli zeigt, wozu Gedichte noch immer gut sind - wenn sie gut sind.
Christoph Ferber hat die Gedichte lebendig und plastisch in ein Deutsch mit diskreter Schweizer Färbung übersetzt, hinter dem man eine Tessiner Färbung des italienischen Originals erahnen mag.» Neue Zürcher Zeitung

«Als begabter Selbstdarsteller behauptet Orelli von sich, gut lesbar zu sein; ein Celan sei neben ihm unverständlich. Hartnäckig bewahrte er sich den Blick nach draußen. Sein Vers will sozusagen nie mit der Sprache einsam sein. Beim Schreiben arbeitet der Dichter an sich und seiner Wirklichkeit. Er treibt sich auf Sportplätzen herum, besteigt die Alpenberge und kennt sich auch auf TrimmdichPfaden aus. ‹VitaParcours›, was für ein Fund für den Poeten, der ein LebensGleichnis, ein DaseinsInbild für die gehetzten, absturzgefährdeten Heutigen sucht. Hoher und weniger hoher Ton rücken bei Orelli eng zusammen, vor allem in profan erscheinenden Augenblicken, etwa im Supermarkt; dort kann er ‹mit dem Draht/ korb die Verkäuferinnen rammeln,/ um Augen wie Beeren zu ernten›.» Süddeutsche Zeitung

«Für Orelli ist das Schreiben von Lyrik eine ‹unerschöpfliche Erfahrung meiner selbst und der Wirklichkeit›. Das ‹und› ist wichtig. Es hält das dichtende Ich offen für die Welt inner- und außerhalb der Sprache, zunächst als Landschaft und Natur um Bellinzona, später dann als die alltägliche, kleinstädtische Szenerie der Menschen dort. Orelli, der sich jahrzehntelang mit Goethes Lyrik beschäftigt hat, ist kein romantischer Dichter. Wäre seine ‹fortwährende Erfahrung . . . sehr verworren›, müßte er an sich und seiner Fähigkeit zweifeln, ‹der Welt in verbis eine wie auch immer geartete Ordnung zu geben›.» Frankfurter Rundschau
«Orellis Lyrik hat also ihre eigene Wahrheit. Sie spiegelt die Welt nicht wider, sondern durchleuchtet sie, weniger um sie auszuleuchten als vielmehr, um etwas von ihrem Glanz zu zeigen.» Frankfurter Rundschau
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