Mit zärtlichem Wahnsinn /Con tenera follia
Alberto Nessi

Mit zärtlichem Wahnsinn /Con tenera follia

Ausgewählte Gedichte. Ital. /Dt.

Übersetzt von Maja Pflug

144 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
Januar 1995
vergriffen
978-3-85791-239-9
     
«In ihrem Blecheimer, von Strandkiefern verborgen
lauscht die Rose
den Stimmen, dem Aufprall des Sacks in der Tonne
den Schuhen dessen, der weiss, was er sucht
auf dem Asphalt
Neugierige Rose
 
Ungesehen
beobachtet die Rose
mit ihrem Auge einer zerbrechlichen Schwester
der Dichter, we auf der Strasse vorübergeht, nah
und fern von den Menschen
geduldige Rose.»

 

Das Abbruchhaus, die Frau des Rentners allein in ihrer Küche, der kranke Junge mit den Krücken – Erinnerungen, Veränderungen über die Zeit und das Leben der kelinen Leute und der Ausgegrenzten stehen im Mittelpunkt von Alberto Nessis poetischem Mikrokosmos. Mit respektvoller Neugierde nähert er sich seinen Figuren, tritt hinter sie zurück und erzählt ihre Geschichten in einer einfachen, lebendigen Alltagssprache.

Die zweisprachige Ausgabe der ausgewählten Gedichte gibt einen Einblick in Alberto Nessis langjähriges poetisches Schaffen.

Alberto Nessi

Alberto Nessi, geboren 1940 in Mendrisio, studierte an der Universität Freiburg Literaturwissenschaft und Philosophie. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter. Er unterrichtete italienische Literatur in Mendrisio, schrieb für Zeitungen und verfasste Hörspiele. Sein Werk wurde vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Schweizer Grand Prix Literatur für sein Lebenswerk. Alberto Nessi lebt in Bruzella. Im Limmat Verlag sind von ihm lieferbar: «Nächste Woche, vielleicht», «Terra matta», «Schattenblüten», «Die Wohnwagenfrau», «Mit zärtlichem Wahnsinn / Con tenera follia» und «Abendzug».

Wie wird man Schriftsteller?
Ein biografischer Bericht von Alberto Nessi
Neue Zürcher Zeitung

Grand Prix Literatur
Laudatio

 

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Maja Pflug
© Georg Pflug

Maja Pflug

Geboren in Bad Kissingen, Übersetzerausbildung in München, Florenz und London, übersetzt seit über dreissig Jahren italienische Literatur ins Deutsche, u.a. P.P. Pasolini, Cesare Pavese, Natalia Ginzburg, Fabrizia Ramondino, Rosetta Loy, Alberto Nessi, Anna Felder, Giovanni Orelli und Anna Ruchat. Als Autorin veröffentlichte sie 1995 «Natalia Ginzburg. Eine Biographie», die auch ins Italienische übersetzt wurde. Sie lebt in München und Rom. Sie wurde 1987 mit dem Premio Montecchio, 1999 mit dem Christoph-Martin-Wieland-Übersetzerpreis und 2007 mit dem Jane Scatcherd-Preis ausgezeichnet. 2011 erhält sie für ihr Lebenswerk den Deutsch-Italienischen Übersetzerpreis:

«Maja Pflug ist eine der verdientesten Übersetzerinnen aus dem Italienischen. Als deutsche Stimme von Natalia Ginzburg, Cesare Pavese und Fabrizia Ramondino hat sie große literarische Vielfalt und stilistisches Können bewiesen. Wie breit ihr Repertoire ist, zeigt sich auch in ihren Übertragungen von Giovanni Orelli, Alberto Nessi, Rosetta Loy und Cesarina Vighy. Ihre prägnante Übertragung von Fabrizia Ramondino Alltagsfresko La Via (Arche 2010) macht die untergründige Schlitzohrigkeit des Helden ebenso spürbar wie seine Trauer um den Wandel Italiens. Cesare Paveses Roman Die einsamen Frauen (Claassen 2008) gewann in Pflugs Neuübersetzung eine kühle Schärfe.» (Begründung der Jury)

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WoZ, 6. Oktober 1995
DAZ, 19. Dezember 1995
Neue Zürcher Zeitung, 5. Januar 1996
Die Presse, Wien, 13. Januar 1996
Der Bund, 25. Mai 1996
Züri-Tipp, 15. November 1996
Orte – Schweizer Literaturzeitschrift, Nr. 102, Mai/Juni 1997
Westfalen-Blatt, 29. August 2006
Tessiner Zeitung, 12. Oktober 2007

«In Maja Pflugs sorgfältiger Übersetzung bleibt die Präzision der Einzelzüge, aus denen Szenen und Porträt mit sicherem Kunstverstand der Perspektiven in den längeren Gedichten und vor allem die lockere und unsentimentale Beiläufigkeit, die man als das Markenzeichen von Nessis Lyrik bezeichnen könnte.» Neue Zürcher Zeitung

«Die sprachlich feinen und sorgfältig gebauten Texte sind Portraits also, auch Erlebnisberichte, viele bestimmt ohne Anspruch darauf, grosse Lyrik sein zu wollen, eher haben diese Gedichte den Charakter einer chiffrierten Autobiographie, eines lyrischen Tagebuchs, in denen fast seismographisch auf die schleichenden Veränderungsprozesse reagiert wird im persönlichen Leben des Autors wie im immer unpersönlicher werdenden Leben gewachsener und jetzt langsam sich auflösender Dorfgemeinschaft.» Orte

«Das Unscheinbare und Altvertraute wird bei Nessi zum Anlass von aussagekräftigen und überzeugenden Stimmungsbildern. So entstehen Gedichte von einer leisen Schwermut, die mit ihren überaus feinen Andeutungen und Hinweisen menschlichen Gehalt aufweisen.» Der Bund

«Einfühlung geschieht bei Nessi durchgängig ohne Sentimentalität und ohne sozialen Augenaufschlag, aber präzise: man ist im Bild – und man ist am Ort.» WoZ

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