Meine Seele hat kein Geschlecht
Alfonsina Storni

Meine Seele hat kein Geschlecht

Erzählungen, Kolumnen, Provokationen

Herausgegeben von Hildegard Elisabeth Keller / Mit einem Vorwort von Elke Heidenreich

320 Seiten, 14 x 21 cm, Leinen, fadengeheftet
Oktober 2013
SFr. 44.–, 38.– €
sofort lieferbar
978-3-85791-717-2

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Das Lied «Alfonsina y el mar» ging mit Mercedes Sosa um die Welt, doch wer kennt Alfonsina Storni, eine der Wegbereiterinnen der lateinamerikanischen Literatur in Argentinien? Dieser Band legt erstmals Erzählungen, Kolumnen, Essays, Aphorismen und Gedichte auf Deutsch vor, die für Stornis Selbstverständnis, ihre Tessiner Herkunft und ihr Naturverständnis bedeutsam sind, darunter auch einige Neuentdeckungen. Rund 20 Jahre lang schrieb Alfonsina Storni für argentinische Wochenzeitschriften und Zeitungen, so auch in der wichtigsten Tageszeitung «La Nación». Darin erforschte sie die Goldenen Zwanziger Jahre in Buenos Aires, sie beobachtete die Menschen im Grossstadtdschungel, die Frauen, die Männer, beim Flanieren, beim Shopping, beim Tango, aber vor allem bei der Arbeit. Sie schrieb kämpferisch, aber leicht und mit einer unnachahmlichen Ironie über die Geschlechterverhältnisse. Auch ihre Erzählungen sind spielerische Experimente und nähern sich teilweise dem Surrealismus an.

Hildegard Elisabeth Keller
© Thomas Züger (SRF)

Hildegard Elisabeth Keller

Hildegard Elisabeth Keller, geboren in St.Gallen und aufgewachsen in Wil SG und im Toggenburg. Studium der deutschen und spanischen Literatur- und Sprachwissenschaft und der Soziologie in Basel und Zürich. Promotion 1992 und Habilitation 2000. Diplom für das Höhere Lehramt. Von 2001 bis 2007 Assistenzprofessorin an der Universität Zürich. Seit 2008 hat sie einen Lehrstuhl für deutsche Literatur an der Indiana University in Bloomington IN /USA, und lehrt als Titularprofessorin an der Universität Zürich. Sie ist Literaturkritikerin, freie Autorin und Jurymitglied an den «Tagen für deutschsprachige Literatur TDDL» in Klagenfurt mit Vergabe des Bachmann-Preises (ORF, 3sat, seit 2009) und Mitglied des Kritikerteams im Literaturclub SRF (seit 2012).

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Alfonsina Storni
© Limmat Verlag

Alfonsina Storni

9783857917509Hildegard Elisabeth Keller

Alfonsina Storni – Distel im Wind

Biografie

 

 

 

9783857917912Christoph Kühn

Alfonsina

Das bewegte Leben einer grossen Avantgardistin

DVD, Untertitel Französisch / Englisch / Italienisch

 

Alfonsina Storni wurde 1892 in der Schweiz geboren, wo ihre nach Argentinien emigrierten Eltern Verwandte besuchten, und nach ihrem Vater Alfonso benannt.

1896 kehrte die Familie nach Argentinien zurück, wo sie am Fuß der Anden in San Juan in recht ärmlichen Verhältnissen lebten. 1901 verließen sie San Juan und zogen nach Rosario. Der Vater, früher ein wohlhabender Bierbrauer und Besitzer einer Sodafabrik, jetzt Alkoholiker, ging mit seinem Kaffeehaus, dem «Café Suizo», pleite, und die Mutter, die ein Lehrerinnendiplom aus der Schweiz mitgebracht hatte, eröffnete eine kleine Privatschule im eigenen Haus. Außerdem versuchte sie, die Familie mit Näharbeiten über Wasser zu halten.

1906 starb der Vater, und Alfonsina begann mit 13 Jahren, in einer Hutfabrik zu arbeiten; am 1. Mai verteilte sie anarchistische Flugblätter bei den Demonstrationen. Zur «Semana Santa» spielte ihre Mutter in einem Passionsspiel mit; als eine Schauspielerin erkrankte, sprang Alfonsina ein. Kurze Zeit später kam die fahrende Theaterkompanie des spanischen Schauspielers José Tallaví in die Stadt, Alfonsina ergriff diese Gelegenheit, reiste ein Jahr lang mit der Truppe umher und trat in den Stücken Gespenster (Henrik Ibsen), La loca de la casa (Benito Pérez Galdós) und Los muertos (Florencio Sánchez) auf.

1909 ging sie nach Coronda, um dort an einer Lehrerbildungsanstalt («Escuela Normal Mixta de Maestros Rurales») zu studieren; am Wochenende arbeitete sie als Sängerin in einem Theater, bis ihr Doppelleben aufflog und es zu einem Skandal an der Schule kam – Anlass für ihren ersten Selbstmordversuch. 1910 erhielt sie ihr Lehrerinnendiplom, und ein Jahr später begann sie an einer Schule in Rosario zu unterrichten (Escuela Elemental Nº 65); erste Gedichte erschienen in den Zeitungen der Stadt. Zu dieser Zeit lernte sie einen verheirateten Politiker, Carlos Tercero Arguimbau, kennen, von dem sie bald ein Kind erwartete; um der ‹Schande' in der Provinz zu entgehen, zog sie nach Buenos Aires, wo am 21. April 1912 ihr Sohn Alejandro geboren wurde, der nicht den Namen seines Vaters trug. Für ihren Lebensunterhalt musste sie alle möglichen Arbeiten annehmen, u. a. war sie als Kassiererin in einer Apotheke und als Korrespondentin einer Handelsfirma tätig.

1913 publizierte sie erste Gedichte in der Zeitschrift Caras y Caretas (wofür sie jedes Mal 25 Pesos bekam). 1916 erschien ihr erster Gedichtband, La inquietud del rosal, dessen Druck sie selber finanzierte; die Kosten von 500 Pesos hierfür zahlte sie ein Leben lang ab.

Sie kannte José Enrique Rodó, Amado Nervo, José Ingenieros und Manuel Ugarte. Mit den letzten beiden war sie eng befreundet. Sie reiste oft nach Montevideo in Uruguay, wo sie die Dichterin Juana de Ibarbourou und den Schriftsteller Horacio Quiroga kennenlernte.

1917 erhielt sie den Premio Anual del Consejo Nacional de Mujeres für ihren Canto a los ni os. Im selben Jahr wurde sie zur Leiterin der Internatsschule Marcos Paz der Asociación Protectora de Hijos de Policías y Bomberos ernannt. Dort kümmerte sie sich um die Bibliothek und kam wieder mehr zum Schreiben. Doch eine weitere Nervenkrise zwang sie, sich aus dem Internat zurückzuziehen; zeitweilig arbeitete sie als Aufseherin in einer Schule für geistig behinderte Kinder (Escuela de Ni os Débiles del Parque Chacabuco), die sie mit Geschichten und Liedern beruhigte. Sie rezitierte ihre Gedichte auch immer wieder in kleinen Bibliotheken des Partido Socialista, mit der sie zwar sympathisierte, aber nie Mitglied wurde.

Am 9. November 1919 wurde sie endlich argentinische Staatsbürgerin. 1920 reiste sie auf Einladung der Universität nach Montevideo, wo sie mehrere Vorträge hielt, unter anderem über die von ihr bewunderte Delmira Agustini, der sie auch ein Gedicht widmete. Nach der Anerkennung, die ihr in Uruguay zuteilgeworden war, fühlte sie sich in Buenos Aires wieder einsam und unverstanden und litt unter starken Depressionen. Dabei schrieb sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit: während sie die Hefte ihrer Schüler korrigierte, im Kaffeehaus, in der Straßenbahn, auf Telegrammformularen.

Mit 28 Jahren publizierte sie Languidez (1920), ihre dritte Lyriksammlung, mit der Widmung: «Denen, die wie ich keinen einzigen ihrer Träume verwirklichen konnten.» Dabei war die Kritik hingerissen, das Buch bald vergriffen, und es wurde mit zwei Literaturpreisen ausgezeichnet. 1921 halfen ihr Freunde aus ihrer misslichen finanziellen Situation, indem sie eigens für sie einen Posten am Teatro Infantil Labardén schufen, wo sie Kindern Schauspielunterricht erteilte und selbst einige Dramen für Kinder schrieb. Zu dieser Zeit begann sie an Verfolgungsvorstellungen zu leiden.

1922 wurde ihr der Premio Nacional (Argentinischer Staatspreis für Literatur) zugesprochen. 1923 verschaffte ihr ihr Freund und Bewunderer, der spätere Unterrichtsminister Antonio Sagarna, einen Posten als Professorin für Deklamation an der Escuela Normal de Lenguas Vivas. 1925 erschien der Gedichtband Ocre, der eine neue Richtung in ihrer Arbeit darstellte. Sie organisierte die Primera Fiesta de la Poesía in Mar del Plata, wo sie zusammen mit anderen Dichterinnen auftrat und großen Erfolg hatte. 1926 erhielt sie einen Lehrstuhl am Musikkonservatorium und unterrichtete Spanisch und Arithmetik an einer Schule für Erwachsene. In diesem Jahr gab sie auch ihr einziges Prosawerk heraus, Poemas de amor, das in drei Auflagen gedruckt wurde und ins Französische übersetzt wurde. 1927 wurde im Beisein des Präsidenten und anderer hoher Würdenträger ihr Theaterstück El amo del mundo uraufgeführt, jedoch nach drei Abenden mangels Erfolg wieder abgesetzt. Man warf ihr vor, darin die Männer zu scharf kritisiert zu haben.

1930 reiste sie nach Europa und hielt in Spanien mit großem Erfolg Vorträge und Lesungen. Dabei macht sie auch einen Blitzbesuch in ihrem Schweizer Geburtsort. Nach ihrer Rückkehr publizierte sie Dos farsas pirotécnicas (1931). 1933 lernte sie Federico García Lorca in Buenos Aires kennen; auch ihm widmete sie ein Gedicht. Eine zweite Europareise folgte 1934, zusammen mit ihrem Sohn Alejandro; sie wurde in Kulturvereine und Akademien eingeladen und hatte großen Zulauf. In diesem Jahr begann eine neue Schaffensepoche mit Mundo de siete pozos (der Titel bezieht sich auf den menschlichen Kopf mit seinen sieben Öffnungen); ihr Stil wurde immer sarkastischer und provokanter.

1935 erkrankte sie an Brustkrebs. Sie wurde operiert, hielt jedoch die chemotherapeutische Nachbehandlung nicht lange durch. In den Jahren 1937/38 schieden zudem zwei ihrer besten Freunde, die Dichter Horacio Quiroga und Leopoldo Lugones, durch Selbstmord aus dem Leben. Noch einmal wurde Storni im Januar 1938 nach Montevideo eingeladen, wo sie zusammen mit Gabriela Mistral und Juana de Ibarbourou das große «weibliche Dreigestirn» der lateinamerikanischen Poesie bildete. Sie selbst hielt dort ihren Vortrag «Entre un par de maletas a medio abrir y las manecillas del reloj» (Zwischen halb geöffneten Koffern und Uhrzeigern). In ihren letzten Gedichten klingen bereits konkrete Selbstmordgedanken an.

Am 22. Oktober 1938 schrieb sie in einer Pension in Mar del Plata das Gedicht «Voy a dormir» (Ich gehe schlafen), das sie noch zur Post brachte und das zwei Tage nach ihrem Tod von der Zeitung La Nación veröffentlicht wurde. Am 25. Oktober 1938 fand Storni am Strand La Perla den Tod im Meer. Ihr Grab befindet sich auf dem Cementerio de la Chacarita in Buenos Aires.

Ihr Selbstmord ist das Motiv des Gedichtes «Alfonsina y el Mar» von Félix Luna, das von Ariel Ramírez vertont wurde und zu den bekanntesten lateinamerikanischen Liedern zählt und in die Welt getragen wurde von Mercedes Sosa (siehe unter «Mehr»).

Parallel zu ihrem abenteuerlichen und harten Leben schreibt sie kontinuierlich Gedichte, streift Haut für Haut Überlieferungen, Konventionen in Form und Inhalt, in Motiv, Vokabular, Duktus ab, um ihren unverwechselbaren Ton, ihre kühne und eigenwillige Metaphorik rein auszudrücken. In ihren journalistischen Arbeiten setzt sie sich explizit für die Rechte der Frauen ein. Schwer erkrankt, stürzt sie sich am 25. Oktober 1938 in Mar del Plata in den Atlantik.

Quelle: wikipedia

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Wenn eine Frau laut sagt ...

Wenn eine Frau laut sagt, was sie denkt, erschrecken die anderen Frauen, weil sie sich in einer, die am helllichten Tag so spricht, selbst reden hören.

Es ist bedeutungslos, ob sich meine Verse durch die Risse und Ritzen hindurchgezwängt haben, die die Giftstoffe meines Urgrossvaters A oder meiner Grossmutter R hinterlassen hatten. Oder ob Gott in mir ? wie in jedem Künstler ? eine Vorstadtfiliale eingerichtet hat. (…) Tatsache ist, dass sich die Leidenschaft  für das geschriebene Wort bereits in der Morgendämmerung meines Lebens in mir regte ? in anderen erwacht sie später, jedoch nicht weniger drängend.

 

Wer den menschlichen Geist ansprechen und erhöhen will, muss die Brutalität bekämpfen, zu der ein Leben führt, das in zu engen Bahnen und ohne jeden künstlerischen Horizont gelebt wird.
Börsenblatt des deutschen Buchhandels, 31. Juli 2013
Emma, Sept./Okt. 2013
züritipp, 24. Oktober 2013
Buchtipp SRF, 25. Oktober 2013
Corriere del Ticino, 25. Oktober 2013
Literatur & Kunst, 1. November 2013
Zürich Kulturagenda, 1. November 2013
TagesWoche, 5. November 2013‎
Kulturplatz SRF, 6. November 2013
Schweizer Radio und Fernsehen SRF, 7. November 2013
Corriere degli italiani, 20. November 2013
Schweizer Revue, 18. Dezember 2013
Schweiz am Sonntag, 22. Dezember 2013
Neue Zürcher Zeitung, 18. Februar 2014
reformiert., Mai 2014
WochenZeitung WOZ, 29. Mai 2014
TZ Magazin, 30. Mai 2014
Literatur&Kunst, 1. Juni 2014
Ostschweiz am Sonntag, 19. Juni 2014

Deutschlandfunk, 9. Januar 2015
Journal 21, 1. Juni 2017


«Wer die Avantgarde-Dichterin wirklich kennenlernen will, der kann ihr jetzt selber zuhören, denn es gibt sie jetzt auch auf Deutsch. Neu für ihre Zeit war der Ton: scharf, satirisch, sarkastisch, kühn in ihrer Metaphorik, unverblümt in der Thematik. Dieses Lesebuch mit neuen Texten korrigiert das sentimentale Bild der Schweizer Emigrantin (1892–1938) und zeigt eine frühe Feministin und große Ironikerin. Alfonsina war zur Poesie „gebrandmarkt", wie sie selber sagte. Doch sie hat mit ihrem Werk auch dafür gesorgt, dass ihre Geschlechtsgenossinnen in Argentinien früher als in anderen Ländern Lateinamerikas von der (Gedanken-)Freiheit wussten, die es jenseits von Machismo und Geschlechter-Laufgitter schon immer gab.» Emma

«Eine Stimme, die gehört werden sollte.» Zürich Kulturagenda

«In Lateinamerika ist sie eine Legende, in der Schweiz kennen sie nur wenige: Alfonsina Storni, Lyrikerin, Schriftstellerin, Feministin. Die Schweizer Emigrantin setzte sich für Selbstbestimmung, Autonomie, für die Gleichstellung von Mann und Frau ein; mit spitzer Feder und scharfer Zunge.» Schweizer Radio und Fernsehen SRF

«Alfonsina Storni war eine kritische Beobachterin, eine Kämpferin für die Freiheit der Frau und sie hatte Humor und einen Hang zur Ironie. Das macht die Lektüre zum besonderen Vergnügen.» Schweizer Revue

«Die Leistung dieses sorgfältig editierten Buches: das reiche Spektrum von Stornis Schaffen sichtbar zu machen – auch durch erstmalige Übersetzungen von Texten ins Deutsche.» Neue Zücher Zeitung

«In diesem fein zusammengetragenen Werk kann man sich mit Alfonsina Stornis Schriften, Gesellschafts- und Reisenotizen, Provokationen, Kolumnen, Gedichten, aber auch Erzählungen (eine Entdeckung!) vertraut machen. Ein sorgfältiges Textkompedium.» Literatur&Kunst

«Als Avantgarde-Künstlerin schrieb Alfonsina Storni kämpferisch, leicht und mit unnachahmlicher Ironie über die Geschlechterverhältnisse. Sie sagte von sich: ‹Ich bin eine Frau des 20. Jahrhunderts.› Für diese Modernität engagierte sich Storni mit vehementem Idealismus, Witz und Phantasie.» Ostschweiz am Sonntag

«Stornis oft surreal anmutende literarische Skizzen werfen einen mitfühlenden, klugen und wachen Blick auf das menschliche Sein, das seine Spuren auf Tischen, in Straßen und in Wohnungen hinterlässt.» Deutschlandfunk

 

SRF Buchtipp, 25. Oktober 2013:

 

 

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