Charles Ferdinand Ramuz

Derborence

Aus dem Französischen von Hanno Helbling

160 Seiten, Pappband

ISBN 3 85791 439 4

 

Rd_tri.gif (202 Byte) C. F. Ramuz

 

Kurze Inhaltsangabe

Als 1714 der erste Bergsturz auf die Weiden von Derborence niedergeht, glaubt niemand daran, dass einer der Männer, die oben waren, das Unglück überlebt haben könnte. Doch rund drei Monate später taucht der Hirt Antoine wieder im Dorf auf. Seine Frau Thérèse kann im abgemagerten und verwirrten Mann ihren Gatten kaum mehr erkennen. Antoine, der die Zeit in einer halbzerstörten Berghütte verbracht hat, gleicht wohl tatsächlich eher einem Geist, für den er gehalten wird, als einem Menschen.

Thérèse lässt sich davon nicht abschrecken. Auch nicht, als Antoine sich erneut in die Berge zurückzieht. Sie folgt ihm und holt ihn zu den Lebenden zurück. «Sie hatte das Leben, und sie ist dort gewesen, wo kein Leben mehr war; sie bringt zurück, was lebt, mitten aus dem, was tot ist.»

Textprobe

So sahen die Nachbarn sie kommen am nächsten Morgen, und die Nachbarn sagten zu ihr:

«Ach, da sind Sie ja!»

Man wunderte sich, dass sie nicht die Nacht bei ihrem Mann verbracht hatte; aber da es einmal geschehen und nichts mehr zu ändern war, sagte man:

«Das ist doch zu früh! ... Man muss ihn schlafen lassen. Diese Männer, wenn sie müde sind, man hat solche gesehn, die drei Tage schliefen ... Ja, drei Tage und drei Nächte an einem Stück.»

Es war aber schon spät, es war fast neun Uhr.

Und als Thérèse zögerte vor der Tür, sagten die Nachbarn:

«Oh, gehn Sie ruhig hinein. Entweder er schläft immer noch, und dann hört er Sie nicht; oder er ist wach, dann werden Sie ihn ja wahrscheinlich auch nicht stören ... »

Man lachte. Man hat gelacht, während sie hineinging. Die Tür war nicht zugesperrt; sie hat sie nur aufstoßen müssen. Und man hat sie nicht mehr gesehn, aber da kommt sie wieder heraus:

«Mein Gott!»

«Was gibt’s denn?»

«Habt ihr ihn nicht gesehen?»

«Wen?»

«Antoine.»

«Nein.»

«Ah! mein Gott – er ist nicht mehr da!»

Man sagte zu ihr:

«Ah, ist es nur das! Sie haben uns Angst gemacht. Er wird halt ausgegangen sein; er ist bestimmt im Dorf.»

Aber sie schüttelte den Kopf, sie schüttelte ihn viele Male.

«Oh nein», sagte sie, «ich weiß es; er ist wieder fort.»

«Fort, wohin?»

«Dort hinauf.»

Ein Beamter und ein Landjäger kamen gerade vom Tal herauf, sie sollten Antoines Aussagen aufnehmen. Sie hatten gefragt, wo er wohnte; man hatte ihnen das Haus gezeigt. Sie kommen heran; sie sehen eine Frau, die oben auf den Stufen zur Haustür den Kopf und die Arme heftig bewegt. Und sie sieht die beiden kommen und beginnt zu lachen, ein falsches Lachen.

«Ah! da sind Sie ja ... Ah! Sie kommen im richtigen Augenblick! genau im richtigen Augenblick ...»

Dann ändert sich ihr Ton:

«Oh, bitte, steigt schnell hinauf! ... Wenn er dort oben ist ... Oh bitte! ... Man weiß nicht, was da passieren kann.»

Pressestimmen

«So ist «Derborence» nicht allein eine der schönsten und gehaltvollsten Erzählungen des Dichters Ramuz – es ist darüber hinaus auch ein Buch, das reich ist an vitalen und spirituellen Bezügen, die den Leser zum Innehalten und Nachdenken anzuregen vermögen.» Schweizer Feuilleton-Dienst

«In einer Sprache, die sich nicht an den Massstäben klassischer Literatur orientiert, sondern das Fühlen und Denken der Leute in der ihnen eigenen Weise zu beschreiben versucht, die sich also am «Volksmund» schult, erzählt Ramuz, wie Antoine in eine Welt zurückkehrt, in die er sich erst wieder zurückfinden muss.» St. Galler Tagblatt

«Am stärksten beeindrucken die Landschaftsbeschreibungen: Ramuz zählt zu den Schriftstellern, die es meisterhaft verstanden haben, die Natur und Naturstimmungen zu beschreiben.» Schul- und Gemeindebibliotheken Kt. Luzern

«Das Buch ist ein ergreifendes menschliches Dokument und zugleich eine reife literarische Leistung.» Brückenbauer

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