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Ein schlichtes Holzkreuz schmückt
Farinets Grab in Saillon, das am Rande des Kirchenbezirks liegt, wie es sich
gehört für einen, der seine individuelle Freiheit höher schätzte als Staat
und Gesetz. Als der junge Mann im abgelegenen Tal mit der Geldfälscherei
begann, ging es ihm nicht um persönliche Bereicherung, er wollte geben,
schenken, Freude bereiten. Dieses Angebot nahmen die Leute gerne an, sie
hielten Farinets Gold sowieso für echter als das der Regierung. Von Männern
geschätzt, von Frauen verehrt, fand er Unterschlupf vor der Staatsgewalt,
bis er von seiner Freundin aus Enttäuschung verraten wurde.
Er hat etwas Anarchisches, dieser
Farinet, wie ihn Ramuz beschreibt. Ein Verführer ist er, einer, der keine
Grenzen anerkennen mag, der mit Bick auf die Berge ausruft: «Aber, was ist
Freiheit? … Freiheit ist: zu tun, was man will, wie man’s will, wann man
Lust hat.» Heute ziert Farinet die «Bank»-Noten alternativer Tauschkreise,
während Ramuz auf dem echten Geld abgebildet ist. |
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Genau drei Tage später, am 30. August, kommen ein paar
kleine Mädchen nach Hause, die Brombeeren suchten über dem Dorf; sie sagen,
sie hätten ihn gesehen.
«Wen denn?»
«Farinet.»
«Wo denn?»
«Unten an den Steinen.»
Es gibt zwischen der Stelle, wo die Felsen aufhören, und der
Stelle, wo die Wiesen anfangen, eine schmale Geröllzone, in der Fichten
wachsen und gegen den Rand hin Brombeersträucher; dort, sagten sie, sei er
auf einmal aufgetaucht.
«Und ihr seid auch ganz sicher, dass er es war?»
«Oh, ja!»
Am dreißigsten Tag im August (der einunddreißig Tage hat).
«Hat er nichts zu euch gesagt?»
«Nein.»
«Und dann?»
«Oh, wir trauten uns nicht zu bleiben.»
Das sagen die Mädchen, da sie gegen fünf Uhr ins Dorf
zurückkommen, und ihre Kesselchen waren nur halb gefüllt. Sie sagten die
Wahrheit.
Er kam zurück, aus den Bergen herab.
Er hatte seinen Weg offenbar quer durch die Felsen abgekürzt
und sich grade hinuntergelassen auf einen Punkt, den er im voraus bestimmt
hatte - da war er erschienen, mit einemmal, zwischen den niedrigen Ästen
eines Haselnussstrauchs, die er zur Seite schob. Oben an der Böschung hockte
er, ließ sich herunter, während die kleinen Mädchen davonliefen, mit
klappernden Holzböden und scheppernden Kesselchen.
Da fängt es an, oder wieder an. Farinet dampfte noch ein
wenig, denn es war heiß. Es hatte bis Mittag geregnet, dann hatte das Wetter
sich aufgehellt; er dampft in seinen dicken Kleidern aus brauner Wolle, an
denen es dunklere Stellen gab, dort wo sie noch feucht waren, und andre,
fast graue Stellen. Man sieht, er trägt einen Sack auf dem Rücken. Die
Hutkrempe hängt zur Seite hinab, man sieht eine Haarsträhne und den Rand des
Ohrs. |