Charles Ferdinand Ramuz

Farinet oder das falsche Geld

Aus dem Französischen von Hanno Helbling

180 Seiten, Pappband

ISBN 3 85791 440 8

 

Rd_tri.gif (202 Byte) C. F. Ramuz

 

Kurze Inhaltsangabe

Ein schlichtes Holzkreuz schmückt Farinets Grab in Saillon, das am Rande des Kirchenbezirks liegt, wie es sich gehört für einen, der seine individuelle Freiheit höher schätzte als Staat und Gesetz. Als der junge Mann im abgelegenen Tal mit der Geldfälscherei begann, ging es ihm nicht um persönliche Bereicherung, er wollte geben, schenken, Freude bereiten. Dieses Angebot nahmen die Leute gerne an, sie hielten Farinets Gold sowieso für echter als das der Regierung. Von Männern geschätzt, von Frauen verehrt, fand er Unterschlupf vor der Staatsgewalt, bis er von seiner Freundin aus Enttäuschung verraten wurde.

Er hat etwas Anarchisches, dieser Farinet, wie ihn Ramuz beschreibt. Ein Verführer ist er, einer, der keine Grenzen anerkennen mag, der mit Bick auf die Berge ausruft: «Aber, was ist Freiheit? … Freiheit ist: zu tun, was man will, wie man’s will, wann man Lust hat.» Heute ziert Farinet die «Bank»-Noten alternativer Tauschkreise, während Ramuz auf dem echten Geld abgebildet ist.

Textprobe

Genau drei Tage später, am 30. August, kommen ein paar kleine Mädchen nach Hause, die Brombeeren suchten über dem Dorf; sie sagen, sie hätten ihn gesehen.

«Wen denn?»

«Farinet.»

«Wo denn?»

«Unten an den Steinen.»

Es gibt zwischen der Stelle, wo die Felsen aufhören, und der Stelle, wo die Wiesen anfangen, eine schmale Geröllzone, in der Fichten wachsen und gegen den Rand hin Brombeersträucher; dort, sagten sie, sei er auf einmal aufgetaucht.

«Und ihr seid auch ganz sicher, dass er es war?»

«Oh, ja!»

Am dreißigsten Tag im August (der einunddreißig Tage hat).

«Hat er nichts zu euch gesagt?»

«Nein.»

«Und dann?»

«Oh, wir trauten uns nicht zu bleiben.»

Das sagen die Mädchen, da sie gegen fünf Uhr ins Dorf zurückkommen, und ihre Kesselchen waren nur halb gefüllt. Sie sagten die Wahrheit.

Er kam zurück, aus den Bergen herab.

Er hatte seinen Weg offenbar quer durch die Felsen abgekürzt und sich grade hinuntergelassen auf einen Punkt, den er im voraus bestimmt hatte - da war er erschienen, mit einemmal, zwischen den niedrigen Ästen eines Haselnussstrauchs, die er zur Seite schob. Oben an der Böschung hockte er, ließ sich herunter, während die kleinen Mädchen davonliefen, mit klappernden Holzböden und scheppernden Kesselchen.

Da fängt es an, oder wieder an. Farinet dampfte noch ein wenig, denn es war heiß. Es hatte bis Mittag geregnet, dann hatte das Wetter sich aufgehellt; er dampft in seinen dicken Kleidern aus brauner Wolle, an denen es dunklere Stellen gab, dort wo sie noch feucht waren, und andre, fast graue Stellen. Man sieht, er trägt einen Sack auf dem Rücken. Die Hutkrempe hängt zur Seite hinab, man sieht eine Haarsträhne und den Rand des Ohrs.

Pressestimmen

«Die Sprache des Schriftstellers ist karg und elementar wie die Natur der Walliser Alpen, wo Farinet nach Gold gräbt und wo er Unterschlupf findet.» Basler Volksblatt

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