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der Stadtratssitzung vom 25. März 1998Geste gegenüber Kurt Meier («Meier
19»)
Der Stadtrat hat beschlossen, dem ehemaligen Detektivwachtmeister bei der Stadtpolizei, Kurt Meier («Meier 19»), ohne Anerkennung einer Rechtspflicht aus Billigkeitsgründen im Sinne einer Geste und Genugtuung eine einmalige Abfindung von 50'000 Franken auszurichten. Auf Ende September 1967 wurde das Dienstverhältnis von Kurt Meier wegen Amtsgeheimnisverletzung gekündigt. Dieser war, nachdem er die Vorgesetzten ergebnislos auf Unkorrektheiten in der Polizeiarbeit aufmerksam gemacht hatte, an die Öffentlichkeit gelangt. Die näheren Begleitumstände dieser Amtsgeheimnisverletzung führten zu erheblichen lokalpolitischen Turbulenzen, was den Gemeinderat am 6. September 1967 bewog, eine parlamentarische Untersuchungskommission einzusetzen. Deren Bericht vom 1 9. Juni 1968 bestätigte im wesentlichen die von Kurt Meier geltend gemachten Unkorrektheiten, gewichtete diese aber als Einzelfälle. Es ist ein Verdienst des von Paul Bösch über Kurt Meier verfassten Buches «Meier 19», unter anderem die Begleitumstände der Kündigung anhand von Originaldokumenten detailliert recherchiert und kürzlich veröffentlicht zu haben. Die damals auch vom Verwaltungsgericht bestätigte Rechtmässigkeit dieses Kündigungsverfahrens steht fest. Es erscheint aus der zeitgenössischen Situation (rund ein Jahr vor Ausbruch der 68iger Unruhen) heraus zwar als nachvollziehbar, aus heutiger Sicht hingegen wird es als mit erheblichen Mängeln und Ungerechtigkeiten behaftet wahrgenommen. Der Eindruck überwiegt, man hätte an «Meier 19» ein Exempel statuieren wollen. Kurt Meier leidet nach wie vor an den Auswirkungen der damaligen Vorgänge, die sein Leben einschneidend und entscheidend verändert haben. Ein rechtlicher Anspruch auf Entschädigung besteht nicht. Im Wissen darum, dass Rechtmässigkeit nicht immer dem hohen Anspruch von Gerechtigkeit zu genügen vermag, hat der Stadtrat nun aber beschlossen, ohne Anerkennung einer Rechtspflicht aus Billigkeitsgründen im Sinne einer Geste und Genugtuung Kurt Meier eine einmalige Abfindung auszurichten. |
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Kurt Meier zum Stadtratsbeschluss:Herr Stadtpräsident, ich danke Ihnen und dem gesamten Stadtrat für diese Anerkennung. Mithin haben Sie den «Nymbus» des Kriminellen, welcher jahrelang über mir war, gebrochen, worüber ich glücklich bin und von Herzen dafür danke. Lassen Sie mich gleichzeitig meine Freude darüber kundtun, dass nun vier mutige Damen im Stadtrat sind. Wäre das zu meiner Zeit schon so gewesen, hatte es den Fall «Meier 19» niemals gegeben und der Stadt Zürich wären dadurch viel Schmach, Pein und unermessliche Kosten erspart geblieben. Lange Jahre wurde ieh von unzähligen Sympathisantinnen und Sympathisanten wie es im Buch «Meier 19» dargestellt ist in Wort und Tat unterstützt, wofür ich hier herzlich danke. Einen ganz besonderen Dank schulde ich aber Paul Bösch, dem Buchautor, welcher in mehr als zweijähriger Recherchierarbeit mit mir keine Mühe und Arbeit scheute und in unzähligen Überstunden ein Werk erstellte, auf Grund dessen wir zuhanden von unsern Nachkommen einen Wall erstellen können, der einigermassen Gewähr dafür bietet, dass so etwas nicht mehr vorkommen kann. In der langen Zeit habe ich auch viele Zuschriften bekommen, aus welchen ich hier auszugsweise aus drei Briefen zitieren möchte: «Herr Meier, wir stehen alle in Ihrer Schuld.» «Soeben habe ich das Buch von Herrn Bösch über Ihr Leben und die Ihnen widerfahrene Ungerechtigkeit mit Entsetzen zu Ende gelesen.» «Auch ich habe gehört, dass beim Zahltagediebstahl nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein soll. Sollte die Bezirksanwaltschaft dabei betroffen sein, würde ich das bedauern.» Die letzten, sehr diplomatischen Zeilen, stammen von Bundesrat Leuenberger, als er Justizdirektor des Kantons Zürich war. Auch dieses zuletzt erwähnte Schreiben trug dazu bei, dass ich bis heute alles ertragen konnte. So haben meine 19 Dienstjahre bei der Stadtpolizei Zürich doch ein Resultat erbracht. Lassen Sie mich nach 30 Jahren Verbannung, absitzen einer Gefängnisstrafe, wiederholter Arbeitslosigkeit, erdulden von Mobbing, Schimpf Not und Schande, hier erklären, dass ich im Wesentlichen alles nochmals gleich machen würde, weil es damals keine andere Möglichkeit gab.
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Paul Bösch zum Beschluss des Zürcher Stadtrats«Der Zürcher Stadtrat ist in bemerkenswerter Spontanität über den Schatten seiner Vorgänger gesprungen. Er schafft ein Stück Gerechtigkeit für einen Mann, der jahrelang gegen Vetternwirtschaft und Korruption gekämpft und mit verheerenden Folgen alles aufs Spiel gesetzt hat. Diese Geste der Wiedergutmachung und der Anerkennung stärkt die Zivilcourage und das Gerechtigkeitsempfinden, nicht zuletzt in den öffentlichen Verwaltungen. Ich habe Kurt Meier als liebenswürdigen Menschen schätzen gelernt und freue mich sehr, dass ich einen Beitrag zu seiner langst fälligen Rehabilitierung leisten konnte.»
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Die Chronologie des Falles1. Juni 1948 26./27. März 1963 1. Januar 1965 1. Juli 1966 Februar/März 1967 20./21. März 1967 14. April 1967 8. Mai 1967 1. Juni 1967 26. Juni 1967 23. August 1967 26. August 1967 4. September 1967 6. September 1967 30. September 1967 8. Dezember 1967 4. Januar 1968 12. Januar 1968 26. Januar 1968 14. März 1968 13. Mai 1968 24. Mai 1968 31. Mai 1968 15. Juni 1968 24. Juni 1968 25. Juni 1968 29. Juni 1968 3. Juli 1968 1. und 15. August
1968 25. September 1968 3. Dezember 1968 13. Januar 1969 23. März 1969 1. April 1969 8. April 1969 15. September 1969 18.
September 1969 27. November, 10.
und 24. Dezember 1969 21. Juli 1970 24. September 1970 18. Januar 1971 7. April 1971 29. Juni 1971 1. Februar 1972 16. Februar 1972 28. April 1972 18. August 1972 21. Mai 1973 25. Juni 1973 21. August 1973 6. September 1973 21. Juni 1974 4. Juli 1975 13.15.
Oktober 1975 |
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