Alfonsina Storni

Poemas de amor | Liebesgedichte

Spanisch und Deutsch

Übersetzt und mit einem Nachwort von Reinhard Streit
Mit Texten von Alberto Nessi und Christoph Kuhn

2003, Originalausgabe: «Poemas de amor», Porter Hermanos, Buenos Aires 1926

96 Seiten, gebunden

ISBN 978 3 85791 437 9

 

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Kurze Inhaltsangabe

Die Dichterin Alfonsina Storni publiziert von 1916 bis 1938 sieben Lyrikbände. Ihre lyrische Sprache ist unkapriziös und gleichsam ungeschminkt.

Trotz oder gerade wegen ihrer Jahre zurückliegenden Erfahrung mit einer Liebschaft, die sie bereits als ganz junge Erwachsene Mutter werden ließ, zeigt ihre Poesie vor allem zu Beginn ein starkes und nahezu ungetrübt idealistisches Verlangen nach Liebe. Das persönliche Liebesglück und der unmittelbare Liebeskummer sind Elemente eines selbst bestimmten Gefühlslebens und essenzielle Beweggründe Stornis. Ihr leiser Traum von Liebe und Sinnlichkeit, ihre Sehnsüchte und ihre Einsamkeit sind beherrschende Themen der frühen Lyrikproduktion.

1926 veröffentlicht Storni die lange zuvor geschriebenen «Poemas de amor», in denen sie die prägende Erfahrung jener einzigen Liebe festhält. Storni lässt die Liebesgedichte in beiden von ihr selber zusammengestellten «Gesammelten Werken» unberücksichtigt und wertet den letztlich doch publizierten Band im Prolog ausdrücklich ab. Ungeachtet dessen handelt es sich bei den «Poemas de amor» um Gedichte von großer Eindringlichkeit und «Echtheit», in denen die Enttäuschung über die zerbrochene Liebesbeziehung durch dringt. Aber gleichzeitig ist die Widerstandskraft spürbar, die Alfonsina Storni in ihrem Leben als allein erziehende Mutter und als Eingewanderte dringend benötigte.

Textprobe

Alfonsina Storni oder die Unmöglichkeit der Liebe

Aus dem Nachwort von Christoph Kuhn

Als Alfonsina Storni 1912 aus der argentinischen Provinz nach Buenos Aires kam, eine 20-jährige Tochter von Emigranten, ohne Geld, ohne Verbindungen, mit einem ein paar Monate alten Kind, das nicht den Namen des Vaters trug, fand sie sich in einer brodelnden Millionenstadt wieder, die sich anschickte, eine kontinentale Metropole zu werden, mit allem Glanz und Elend, die mit derartigen Ambitionen verbunden sind. Die Stadt, stolz seit eh und je auf ihre europäische Provenienz, entwickelte sich in schnellem Tempo, modernisierte, industrialisierte sich, versuchte architektonisch Paris nachzuahmen, sog Immigranten aus allen Regionen der alten Welt auf und absorbierte sie, wurde erschüttert von Verteilerkämpfen, sozialen Unruhen und profitierte vom wachsenden Reichtum der Grossgrundbesitzer. Alfonsina gelang es in verhältnismässig kurzer Zeit, diesen Moloch und seine intellektuelle Elite zu erobern.

Am Schluss ihres kurzen Lebens war Storni in Argentinien, in Uruguay, aber auch in Chile, in Spanien eine anerkannte Lyrikerin. Ihre Deklamationsabende und Vorlesungen zogen ein interessiertes Publikum an und den Lesern von Zeitungen und Zeitschriften war sie als oft porträtierte und interviewte Figur des öffentlichen Lebens vertraut. In einer im argentinischen Senat verlesenen Würdigung griff ein sozialistischer Abgeordneter einen Monat nach ihrem Tod, im November 1938, tief ins pathetische und patriotische Vokabular, um sie zu ehren. Innerhalb zweier Jahre hatten drei der grössten argentinischen Dichter, Horacio Quiroga, Leopoldo Lugones und Alfonsina Storni, Selbstmord begangen. Der Abgeordnete brachte ihr Leben mit dem Leben der Nation in Zusammenhang, warf den Staatsorganen eisige Gleichgültigkeit vor und machte sie, indirekt, für den Tod der Dichter verantwortlich. Tatsächlich waren Argentinien und Buenos Aires nach Jahren des Aufschwungs, der kulturellen Blüte, in Depressionen verfallen. Seit 1930 regierten Generäle oder von Generälen abhängige konservative Hampelmänner das Land – für unkonventionelle, für hochkarätige und unbequeme Intellektuelle und Dichter eine schlechte Zeit.

(...)

 

XXV

Es media noche. Yo estoy separada de ti por la ciudad: espesas masas negras, ringlas de casas, bosques de palabras perdidas pero aún vibrando, nubes invisibles de cuerpos microscópicos. Pero proyecto mi alma fuera de mí y te alcanzo, te toco. Tú estás despierto y te estremeces al oírme. Y cuanto está cerca de ti se estremece contigo.

Es ist Mitternacht. Die Stadt trennt mich von dir – dichtgedrängte schwarze Masse, Häuserreihen, Wälder verlorener und dennoch nachklingender Wörter, unsichtbare Wolken mikroskopisch kleiner Körper. Meine Seele aber entfalte ich außerhalb meiner selbst; ich erreiche dich, ich berühre dich. Du bist wach, du erbebst, als du mich hörst. Und so nahe meine Seele dir ist, so sehr erbebt sie gemeinsam mit dir.

Pressestimmen / Rezensionen

Rd_tri.gif (202 Byte) Weltwoche vom 15. Januar 2004
Rd_tri.gif (202 Byte) WochenZeitung WoZ vom 27. Mai 2004
Rd_tri.gif (202 Byte) Wir Frauen, Sommer 2004
Rd_tri.gif (202 Byte) Wagnis 5/2005
Rd_tri.gif (202 Byte) Tessiner Zeitung vom 18./19. Mai 2004
Rd_tri.gif (202 Byte) Der Bund, 25. Oktober 2008

«Was ist los mit all diesen klugen, begabten Frauen, welchen Druck konnten sie nicht mehr ertragen? Alfonsina Storni schreibt in einem ihrer Sonette: ‹Wir geistigen Frauen / enden als Verliererinnen in Liebesgeschäften.› Solche Bücher interessieren mich.»  Elke Heidenreich

«Leidenschaftliche, schmerzerfahrene Verse.»  Neues Deutschland

«Stornis Gedichte sind Lektionen für Verliebte und solche, die es werden wollen, Gesänge auf einen unberechenbaren Zustand der irrationalen Ekstasen.»  WoZ

«Das Erschütterndste an den ungebärdigen Gedichten ist aber vielleicht die enge motivische Verbindung, die die Liebe darin mit dem Tod eingeht.»  Die Weltwoche

«Am grossartigsten zu Poesie gemacht hat Alfonsina Storni die Sehnsucht in den 67 ‹Poemas de amor› von 1926, wo sie endgültig Abschied von einem namenlosen Geliebten nahm. Nach dem Vorbild Baudelaires, aber viel leidenschaftlicher, hat sei in diesen Poèmes en prose eine von der Krankheit Liebe befallene Seele mit Texten ausgeleuchtet, die einen ganzen Kosmos aus Licht, Luft, Holz, Wasser, Rosen, Blättern, Fischen und Wolken evozieren und so ganz nahe an die moderne konkrete Poesie heranrücken.» Der Bund

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