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Leo Tuor Settembrini Roman Aus dem Rätoromanischen von Peter Egloff
Titel der Originalausgabe: «Settembrini. Veta e meinis» 2011, 2. Auflage, 280 Seiten, gebunden sFr. 38.–, € 29.50 ISBN 978-3-85791-624-3
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Nach «Onna Maria Tumera oder Die Vorfahren» kehrt Leo Tuor mit «Settembrini» dorthin zurück, wo er am liebsten ist: auf die Berge. Wie Giacumbert Nau und Pieder Paul Tumera ist der Jäger Settembrini jemand, der an Geschichten glaubt statt an Gesetze. Er ist mit Geistern im Bunde und für jede Lebenslage mit einem Zitat bewaffnet. Settembrini, das sind eigentlich zwei: So werden die Zwillinge Gion Battesta Levy und Gion Evangelist Silvester genannt, wenn sie allein unterwegs sind. Denn keiner kann sie unterscheiden, und auch dem Erzähler verschmelzen sie immer wieder zu einer Person. So besteht «Settembrini» mal aus einem, mal aus zwei Onkeln des Erzählers, sie sind seine Lehrmeister, Jäger in den Alpen, die der Gemse auflauern und die Weltliteratur nach Sinn und Wesen der Jagd durchpirschen. Mit ihrem geballten Fachwissen über Gemsen und Bücher überschütten sie ihren Zögling, der damit alsbald an der Jagdprüfung brilliert. «Settembrini» ist ein fantasievoller Roman über die Jagd, voller Nachdenklichkeit über das Töten und wilder Geschichten aus dem Leben in den Bergen. «Schreiben solle ein Jäger nie. Bloß
nicht auf die Idee kommen, zu schreiben. Schreiben sei eine noch
zweifelhaftere Angelegenheit als das Auskochen von Trophäen. Zum einen gebe
es schon genügend Bücher, und zum andern erfahre man, wenn ein Jäger sich
entschließe, über die Jagd zu schreiben, mehr über den Mann als über die
Sache selbst. Diese sei auch viel zu simpel. Ein Jagdbuch sei nach zehn
Seiten geschrieben, und den Rest müsste man mit Bildern füllen, um auf einen
anständigen Umfang zu kommen. Das waren die Theorien meines Onkels über das
Schreiben.» |
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| Dies ist die
Geschichte meiner Zwillingsonkel, Gion Battesta und Gion Evangelist
Silvester, Settembrini genannt, wenn sie nicht beide beisammen waren.
Gemsjäger, Bewunderer des Himmels, Literaten. Literaten, ohne selber
Literatur zu machen. Literaten in dem Sinne, dass sie Homer und Herodot,
Plinius und Plutarch und all die anderen glänzenden Autoren unserer Kultur
lasen und mit ihnen lebten. Sie waren Bergler, nicht zuletzt darum, weil sie
schonungslos jenen fürchterlichen, per Kilo gehandelten «Monta Blau»
rauchten, und einen noch fataleren Montagner tranken. Montagner trinken und
Montaigne lesen, das war die Devise dieser beiden Meister im Pissen gegen
den Wind. Auf der Jagd arbeitet man immer gegen den Wind. Gemsen und Bücher
waren ihr Leben. Manch einer mag ebenso viele Gemsen ebenso viele Stunden zu
Tal gebuckelt haben wie Settembrini. Aber keiner hat so viele dicke Wälzer
über Grund und Grat geschleppt wie Settembrini. Die Literatur war sein
Seelenelixier. Settembrini hätte verunglücken müssen. Der Mythos will ja, dass der Mann der Berge in den Felsen zugrunde gehe. Settembrini hat es vorgezogen, sich einzuspinnen und ist ein Schmetterling geworden, so wie Kafka will, dass der Jäger sich verwandle und schließlich gaukelnd in die Lüfte entschwinde. |
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«Settembrinis Anarchie hat Leo Tuor
erzählerisch Gestalt gegeben. Nicht anders als in den früheren Büchern
erzählt er nicht von A bis Z (oder von Cäsar bis Nabokov, wie es Settembrini
sagen würde). Die Chronologie der Ereignisse zerfällt ihm in tausendundeine
Geschichten. Nie behauptet er, zu erzählen, wie es gewesen ist; immer stehen
seine Erzählungen unter dem melancholischen Vorbehalt des Konjunktivs und
des sanften Widerspruchs: «Eine Gemse schiessen kann jeder Jäger, aber nicht
jeder ist fähig, eine leben zu lassen.» So ist dieses Buch eine subtile
Meditation über das Töten und eine stille Hommage an die Toten, ein Hymnus
auf das Leben und die Literatur, schliesslich eine Verneigung vor den
Epiphanien der Imagination, die all dies erst möglich macht.»
Neue Zürcher Zeitung «Settembrini ist ein erstaunliches, angenehm selbstbewusstes Buch, die Übersetzung ist mit den Ramuz-Übersetzungen von Hanno Helbling zu vergleichen: absolut preiswürdig.» Frankfurter Allgemeine Zeitung «Brillantes Beispiel zeitgenössischer Narrenliteratur. Ein kluger und subtiler Lobgesang auf die Jagd.» DRS2aktuell «Leo Tuor darf inzwischen als einer der wichtigsten Schweizer Autoren bezeichnet werden..» literaturkritik.de |
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| «In
einer kurzen Vorrede empfiehlt Tuor den Lesern, wenn sie am klaren
Sternenhimmel den Jäger Orion erblickten, dann sollten sie sich in sein
«närrisches Buch» versenken. Indem «man die Wahrheit zum Lachen bringt»,
lassen sich sogar die Gurus der Jagd vertreiben.»
Mittellandzeitung «Von Gemsen, Hasen, Murmeltieren, aber auch von aller Art Engeln, von bestirnten Himmeln, von Geistern und Toten. Manchmal bruchstückhaft, immer fantasievoll, eigenwillig und oft entlarvend fabuliert und philosophiert mal Settembrini, mal der Erzähler. Man taucht ein in die karge Welt der Bündner Alpen oberhalb des Vorderrheins, pirscht sich an so manchen Bock heran. Und erfährt dabei, wie sich die Bündner Jagd verändert hat - seit der Bock geschont wird.» Kulturtipp «In dieser Ausgabe mache ich hemmungslos Reklame für ein neu erschienenes Buch des rätoromanisch schreibenden Bündner Autors Leo Tuor, den ich in der ersten Reihe der Schweizer Gegenwartsliteratur sehe und dessen Roman ‹Settembrini, Leben und Meinungen› das Prädikat Meisterwerk (ohne Anführungszeichen) verdient.» Karl Lüönd, Jagd & Natur «Der Roman gehört zur Narrenliteratur, ist witzig und tiefgründig zugleich, geprägt von Achtung von Leben und Tod. Der Autor schreibt an gegen alles Nivellierende und Angepasste, zeigt das Wilde der Berge, die Anziehung des nicht Fasslichen wie Wiedergänger, Sterne und Engel.» P.S. «Ein
Buch voll treffsicherer Weisheiten, jeweils mit einem Schuss schelmischen
Augenzwinkerns. Zur Benutzung: Bitte laut vorlesen und gemeinsam lachen. Die
Sprache Tours (sic!) muss den Raum durchdringen, muss gesprochen, gesungen
werden, variierend zwischen Staccato und lyrischen Bögen, dann kann sich das
Rauhe, das Bissige, das Närrische, das Träffe entfalten.» zalp «Dieses Buch ist eine subtile Meditation über das Töten und eine Stille Hommage an die Toten, ein Hymnus auf das Leben und die Literatur.» Schweizer Jäger «Eine abschliessende, alle moralischen Bedenken beschwichtigende Antwort auf die Frage, warum Jagen und Töten notwendig seien, gibt Leo Tuor nicht. Dafür aber bezaubert er den Leser mit einer unglaublichen Fülle von bald hart realistischen, bald surrealen, märchenhaften und oft von grimmigem Humor geprägten Episoden aus seinem und seiner Onkel Jägerleben, in dem neben wirklichen Figuren auch solche aus historischer Überlieferung oder lokaler Legende auftregen – etwa die des ‚zweimal geborenen Alpenführers Barlichin‘, der im Jahr 1509 Erasmus von Rotterdam über den Splügen geleitet haben soll.» Basler Zeitung «Der Roman ist ein brilliantes Beispiel für Narrenliteratur, er ist witzig und tiefgründig, zudem gewürzt mit kulturhistorischen Rückgriffen und philosophischen Einschüben. Er ist ein wunderbares Buch über die Magie der Jagd sowie die des bestirnten Nachthimmels.» Jagen Weltweit «Gerne folgt man dem eigenwilligen, sprachlich starken rätoromanischen Autor – ein schriftstellerisches Kaliber, und was für eines! – in die karge Welt der Bündner Berge.» Österreichs Weidwerk |
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