Aline Valangin

Raum ohne Kehrreim / Espace sans refrain

Gedichte Französisch und Deutsch
Mit drei Scherenschnitten von Hans Arp

Übertragungen aus dem Französischen von Hans Rudolf Hilty

Nachwort von Liliane Studer

2003, 80 Seiten, gebunden

ISBN 3 85791 428 9

 

Rd_tri.gif (202 Byte) Aline Valangin

Rd_tri.gif (202 Byte) Zum Buch

Rd_tri.gif (202 Byte) Text

Rd_tri.gif (202 Byte) Stimmen

       

Kurze Inhaltsangabe

Aline Valangins ausgewählte Gedichte entstanden zwischen 1925 und 1960 und erschienen erstmals 1961 in der Reihe «Quadrat-Bücher», herausgegeben von Hans Rudolf Hilty, der auch die deutschen Übersetzungen verfasste. Hans Arp schuf dazu drei Scherenschnitte.

Anders als in ihrer Prosa wendet sich Aline Valangin in den Gedichten dem Sprachexperiment und der Avantgarde zu. Sie dringt in die weniger fassbaren Bereiche des menschlichen Lebens vor, für die auch die Sprache weiter vom Alltag abrückt. Zweifel, Pessimismus und Melancholie bedrohen den sinnvollen Zusammenhang der Welt, in ihren symbolisch-surrealistischen Gedichten vermag Aline Valangin diesen Empfindungen und Gefühlen einen Ausdruck zu geben. Im Gedicht werden und bleiben die düsteren Momente und Stimmungen aufgehoben.

 

Textprobe

C’est mieux

Hier le chant du rossignol
dans les bois
Aujourd’hui son envol.
Fin du mois
des roses. Le tourment naît
de la croissance. Le feu
brûle le sol
tendre qu’il hait
sans pitié et fait
crouler le toit
brillant du roi.
C’est bien, c’est mieux.

Besser

Gestern Nachtigallschlag
im Gehölz.
Heute entfliegt sie.
Aus ist der Monat
der Rosen. Marter entspringt
dem Wachsen. Das Feuer
sengt den zärtlichen
Boden, den es hasst
ohne Mitleid, und lässt
einstürzen das glänzende
Dach des Königs.
Gut so, ja besser.

Vom Zug aus gesehen

1

Auf den Bergen Asche,
der Lack des Himmels gelb.
Am Hang Häuser, leer
oder von Toten bewohnt.
Träg blinkt der Fluss
aluminiumfarbig dem See zu,
darin er ertrinkt.

 

2

Bäume und Busch
wandern
über Kies in den Fluss.
Nebelnester in
schwarzem Gehörn
brüten den Wasserton aus.

 

3

Auf dem Maulwurfshügel
eine Windmühle.
Die Flügel erstarrt
die Uhr steht still.

 

4

Aus Seerose und Moos
steigt der Mondbaum auf,
perlenbehangen und von
Goldbienen umschwärmt.

 

5

Über die Mauer huscht
ein schwarzer Specht,
sucht zwischen Scharten
den Durchgang. Drüben
glitzert der See.
Im Nachen ein Ei.
Wer setzte es aus?

Pressestimmen

© Limmat Verlag

Limmat Verlag Homepage

Web-Betreuung