Hermann Eberhard Löhnis
Die Tücken des Maultiers
Eine lange Reise durch Südamerika 1850–1853

Herausgegeben von Kurt Graf und Paul Hugger

2000, 420 Seiten, etwa 50 Illustrationen, broschiert
ISBN 3-85791-309-6

Das volkskundliche Taschenbuch 21

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Kurze Inhaltsangabe

Durch die Anden reiten

Vier Jahre bereist Hermann E. Löhnis um die Mitte des 19. Jahrhunderts Südamerika.

Zunächst arbeitet er einige Monate in einem Kontor in Buenos Aires. Dann macht er sich auf eine strapaziöse und oft gefahrvolle Reise, die ihn um das Kap Horn und durch den ganzen Kontinent über die Hochländer der Anden bis nach Panama führen wird. Weite Strecken legt er auf dem Rücken des Maultiers zurück, bergauf, bergab, hinunter in tiefe Schluchten und über reissende Ströme. Bei allen Entbehrungen bleibt Löhnis ein scharfer Beobachter. Sein Blick richtet sich nicht nur auf die wirtschaftlichen Verhältnisse der jungen Republiken. Löhnis berichtet auch eingehend über die politischen und sozialen Zustände, die Begegnung mit Menschen und von grossartigen Landschaften. So schildert er eindrücklich die Gewaltherrschaft des Präsidenten José Manuel Rosas in Argentinien, der sich als Prototyp moderner Diktatoren erweist, mit vollkommener Willkür, Korruption, Denunziation und Gesinnungsheuchelei. Löhnis bietet ein fesselndes Bild vom Leben in einem Kontinent, dessen Staaten die Kolonialherrschaft abgeschüttelt hatten und vor dem Umbruch zur Moderne standen.

Die Herausgeber: Kurt Graf, geboren 1944, Titularprofessor am Geographischen Institut der Universität Zürich, bereist Bolivien seit vielen Jahren für vegetations- und klimageschichtliche Studien. Paul Hugger, Prof. Dr. phil., em. Ordinarius für Volkskunde an der Universität Zürich, Forschungsgebiete: Altes Handwerk, Hirtenkulturen, Fotografie als Medium des Alltags, Stadtvolkskunde.

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Text

Inhalt

Paul Hugger
Hermann Löhnis – ein unermüdlicher Kundschafter in der
Neuen Welt

Kurt Graf
Ein anschauliches Dokument des langen Weges der
südamerikanischen Staaten zur eigenen Identität

Hermann Eberhard Löhnis

Süd America Reise
Notizen aus den Jahren 1850–1852

Teil I

Von Le Havre nach Buenos Aires (1850)

Alltag in Buenos Aires (1850)

Politische und wirtschaftliche Nachrichten.

Rosas’ Diktatur (1851)

Vom Kampf der Opposition gegen Rosas. Die kriegerischen

Wirren im benachbarten Uruguay

Die Geschichte der La Plata-Staaten. Eine Übersicht seit der Entdeckung und eine Chronik der aktuellen Ereignisse.

Höhepunkt und Zerfall der Diktatur Rosas

 

Teil II

Von Montevideo um das Kap Hoorn nach Valparaiso (1852)

Ein Blick auf Chiles Geschichte und die aktuellen Zustände

Valdivia und das Einwanderungsproblem

Weiterreise nach Lima (Mai 1852). Warnung an deutscheAuswanderer

Von Callao nach Quito (Juni 1852)

Notizen über Ecuador und General Flores

Durchs Hochgebirge nach Bogotá (August 1852)

Tabakanbau in der Region von Honda und die Silberminen von Santa Ana. Chinin

Auf dem Magdalena-Strom nach Santa Marta (September 1852)

Ankunft in Pánama und Überquerung des Isthmus

(September 1852). Geplante Weiterreise nach México undCalifornien

Politische und wirtschaftliche Zustände in Kolumbien

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Pressestimmen / Rezensionen
Rd_tri.gif (202 Byte)  Neue Zürcher Zeitung vom 21. Februar 2001
Neue Zürcher Zeitung vom 21. Februar 2001

Südamerika vor 150 Jahren

Ein Reisebericht von Hermann Eberhard Löhnis

Es gilt einen Reisebericht anzuzeigen, der eineinhalb Jahrhunderte lang verschollen war. Und es gilt mit Verblüffung festzustellen, dass an den Unzulänglichkeiten des menschlichen Verhaltens wie der Verhältnisse dortzulande sich in dieser Zeit nicht viel geändert hat. Die Rede ist von der «Süd America Reise», die Hermann Eberhard Löhnis in den Jahren 1850-1852 unter grossen Strapazen unternommen und in sogenannten Briefen beschrieben hat. Wer Löhnis war, für wen er seine ausführlichen «Notizen» machte, in wessen Auftrag er reiste, das alles wussten die Herausgeber nicht, als sie die vor Jahren zufällig bei einer Hausratsliquidation in Lausanne gefundenen 236 engbeschriebenen Folioblätter gelesen hatten. Paul Hugger, der emeritierte Volkskundler an der Universität Zürich, musste mühsam recherchieren, um herauszufinden, dass Löhnis Rheinländer war, Sohn eines Gutsherrn auf Burg Rheindorf bei Bonn, der später in Köln ein Handelshaus führte.

Unser Autor, ebenfalls Kaufmann, interessierte sich offensichtlich für die neuen Exportmärkte in Übersee und für Auswanderungsfragen. Er hat sich später in New York und danach in London niedergelassen. Es sind weitere Erkundungsbücher von ihm bekannt: über die Vereinigten Staaten (1864/1869) und über die Levante (1882). Der farbigste, auch auf landschaftliche Schönheiten, auf das Klima, auf die sozialen und die politischen Zustände eingehende Bericht ist der hier erstmals in Zürich publizierte. Angesichts des bis in die 1920er Jahre überwiegenden Interesses an wirtschaftlicher Information über Lateinamerika ist es unerklärlich, weshalb dieser sensationelle, aus hautnaher Erfahrung entstandene Bericht bis heute nie veröffentlicht wurde. Er ist tatsächlich «ein anschauliches Dokument des langen Weges der südamerikanischen Staaten zur eigenen Identität», wie der andere Mitherausgeber, der Geograph Kurt Graf, sein Vorwort überschreibt.

Fast drei Jahre hat Löhnis' Reise gedauert, allein schon die auch nautisch gut beschriebene Segelfahrt von Le Havre nach Buenos Aires 54 Tage. Bei seinem langen Aufenthalt in Argentinien - 16 Monate - hat Löhnis sich erstaunliche Kenntnisse über die Geschichte des Landes und Einblicke in die politische Lage während der Diktatur Rosas' erworben. Dank seiner Gabe, wichtige Kontakte zu knüpfen, auch mittels einer Stafette von Empfehlungsschreiben, hat er immer wieder die richtigen Gesprächspartner gefunden. So konnte er seine Reise prompt an Bord einer Fregatte der holländischen Marine fortsetzen. Um das Kap Horn herum kam er so bis Valparaiso. Erstmals lernt er auf dem Weg nach Santiago die im Buchtitel verkündeten «Tücken des Maultiers» kennen. Ein ganzes Kapitel über die deutschen Einwanderer in Valdivia deckt den Schwindel gewisser beim Namen genannter Agenten in Deutschland und Chile auf. Im Mai 1852 reist Löhnis auf einem englischen Dampfer nordwärts weiter bis Lima und macht auch dort, gemessen an der Kürze seines Aufenthaltes, erstaunlich präzise Notizen über Land und Leute. Auf einem Küstenfahrer gelangt er über zahlreiche Stationen nach Guayaquil und - fortan auf dem Landweg - nach Quito. Die beschwerlichen Ritte durch das Hochgebirge nach Bogotá hindern ihn nicht, andauernd Historisches, Politisches und Wirtschaftliches aufzuschreiben.

Die Energie dieses reitenden Reporters muss unerschöpflich gewesen sein. Die Silberminen Kolumbiens, die Flussfahrt auf dem Río Magdalena, dann die mühselige Überquerung des Isthmus von Panama, der damals noch zu Kolumbien gehörte, das sind die weiteren Stationen. Von der Reise nach Mexiko und Kalifornien wurden nur noch die Pläne notiert. Der letzte Brief handelt von den politischen und wirtschaftlichen Zuständen in Kolumbien, von der «Untauglichkeit der Bewohner», und der Leser stellt erschüttert fest, wie zutreffend Löhnis für dieses Land jene traurige Zukunft voraussah, die inzwischen Vergangenheit und Gegenwart ist. Eine lesenswerte Publikation, nicht nur für Lateinamerika-Historiker, auch für Trekking-Liebhaber.

Gustav Siebenmann
© Neue Zürcher Zeitung

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