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Robert Eugen Zehnder Herausgegeben von Paul Hugger Das volkskundliche Taschenbuch 24
2001, 96 Seiten, mit 14 vierfarbigen Abbildungen und 20 Fotos, broschiert |
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| Kurze Inhaltsangabe | |||
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Körperkultur und soziale Gemeinschaft 45 Jahre lang unterrichtete Robert Eugen Zehnder (1878–1953) an der Primarschule Thalwil – vor allem aber war er Turner. Und dies mit unglaublicher Leidenschaft. Er war Oberturner, Mitbegründer der Damenriege und deren langjähriger Leiter, Dirigent der Gesangssektion und des Liederquartetts, Chef der eidgenössischen Oberturnerkurse, Kampfrichter auf allen Stufen, Chefredaktor der Schweizerischen Turnerzeitung, Mitverfasser von Lehrmitteln für die Schulen usw. Die Aufzählung macht einen perplex, und man fragt sich, wie Zehnder überhaupt noch unterrichten konnte. Er tat es offenbar mit Erfolg. Aus den bescheidenen Lebenserinnerungen erwächst das Bild eines Pioniers der Turnbewegung, der ihr seine ganze Freizeit widmete, aus Idealismus und mit pädagogischem Elan. Zugleich zeigt sich die damalige Bedeutung der Turnbewegung für das Gemeinschaftsleben auf lokaler und nationaler Ebene. Und die vierfarbigen Abbildungen von Festkarten aus Zehnders Sammlung dokumentieren die Entwicklung von Ästhetik und Design von 1875 bis 1910. |
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| Pressestimmen / Rezensionen | |||
Tages-Anzeiger vom 24. August
2001
Das Leben eines OberturnersDer Thalwiler Primarlehrer Robert Eugen Zehnder (1878-1953) war ein Pionier der schweizerischen Turnbewegung. Im Zürcher Limmat-Verlag gibt es eine kleine, aber feine Reihe der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde: Das volkskundliche Taschenbuch. Es bringt bisher unveröffentlichte Originaltexte und soll hier nicht nur deshalb erwähnt werden, weil diesmal ein Thalwiler an der Reihe ist, sondern weil diese Bädchen so schön abseits des Mainstreams stehen. Sie wenden sich an ein Publikum, das gerne volkskundliche Sachen liest, aber nicht im Dornengestrüpp der Wissenschaft hängen bleiben will. Ausserdem ist der neuste Band sehr schön gemacht, genauso wichtig wie der Text sind die vielen Fotografien aus der Welt der Turnerbewegung, vor allem auch die lithografierten Festkarten von Turn- und Schwingfesten von 1875 bis 1910. Eugen Zehnder ist keine Berühmtheit, die Wellen, die sein Leben verursacht hat, wären schon längst am Ufer aufgeschlagen - wäre da nicht seine "Lebensgeschichte", die er niedergeschrieben hat. "Es geht mir einfach darum, bevor sich mein Schicksal erfüllt, eine gewisse Lebensbilanz zu ziehen, mir gesamthaft Rechenschaft zu geben, in welchem Grade ich mein Pfund verwaltet habe", schreibt er im Vorwort. Doch ganz so unprätentiös wie in der Ankündigung ist er nicht. Zehnder weiss sehr wohl auch mit den Pfunden zu wuchern. Er war Primarlehrer in Thalwil - und ein Vorzeigefreiwilliger: Mitgründer der Damenriege, Leiter des Liederquartetts des Turnvereins, im Vorstand des Kantonalturnvereins, Chefredaktor der Turnerzeitung, Kampfrichter auf allen möglichen Stufen, Leiter der eidgenössischen Oberturnerkurse, Mitglied der Propagandakommission des Eidgenössischen Turnvereins und, und, und. Alles ehrenamtlich: Zehnder wäre wer, heute, im Jahr der Freiwilligen. Wein für die Buben Merkwürdigerweise erzählt er gar nicht so viel vom Turnen, wie man erwarten würde, viel mehr plaudert er über seine Jugendzeit. Er wuchs in der Neuwiesen in Winterthur auf. Vater arbeitete bei Sulzer, später als Drehermeister bei der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik. Offenbar verdiente er gut, Zehnders konnten sich ein Haus kaufen. Und "es gab jeden Tag Suppe, Fleisch, Gemüse oder Teigwaren, reichlich Brot, auch zum Zabig". Zu den Hauptmahlzeiten tranken sogar die Buben ein halbes Glas Wein. (...) Nach der Ausbildung im Seminar Küsnacht fand er eine Anstellung als Primarlehrer im Knonauer Amt, dann in Thalwil. Er unterrichtete die 1. und 2. Klasse, insgesamt 93 Schüler. Darunter waren viele Kinder von italienischen Seidenwebern, die kein Wort Deutsch redeten oder verstanden. Schon um die Jahrhundertwende klagten die Lehrer über die Jugend, die "laut, unruhig und schwer im Zaum zu halten" sei. Thalwil bezahlte damals die besten Lehrerlöhne im Kanton. Stellenweise kommt der Autor ins Aufschneiden, verliert sich in der Exaktheit des belanglosen Details, und der Untertitel des Buches "Ein Leben für das Turnen" wird im Text kaum eingelöst. Zehnder plaudert über Gott und die Welt, wenig übers Turnen. Wer sich aber für regionale Alltagsgeschichte um die Jahrhundertwende interessiert, dem sei das Büchlein empfohlen. Christoph Schilling |
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