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Paul Hugger Die Barfüssler Eine Jugend in St. Gallen 1939—1945 Das volkskundliche Taschenbuch 28 2002, 140 Seiten,
broschiert, etwa 30 Fotografien |
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Bubenjahre mit Sirenengeheul Eine Schulklasse in St.Gallen, Jahrgang 1930 Auf Grund von Interviews mit 18 Klassenkameraden zeichnet der Autor das Bild einer Jugend in der Stadt St. Gallen zur Zeit des Zweiten Weltkriegs, als jenseits des Bodensees nachts die alliierten Bomber deutsche Städte zertrümmerten. Behütet und doch mit dem dumpfen Gefühl des Bedrohtseins und einer ungewissen Zukunft kannten auch diese Jungen Hochs und Tiefs, mit vielen guten Stunden trotz Lebensmittelknappheit und materieller Bedürftigkeit. Und während die meisten Väter in längeren Perioden Aktivdienst leisteten, belebten ihre Kinder im Sommerhalbjahr barfuss die Stadt, gingen schuhlos zur Schule und fühlten sich wohl. Ein facettenreicher Bericht aus der Zeit, die nur fünfzig Jahre zurückliegt und doch fremd wirkt. Und zugleich ein Beitrag zu einem besseren Verständnis jener Periode, die im Nachhinein so engagierte Diskussionen aufgeworfen hat. Paul Hugger, em. Ordinarius für Volkskunde an der Universität Zürich, Forschungsgebiete: Altes Handwerk, Hirtenkulturen, Fasnacht, Fotografie als Medium des Alltags, Stadtvolkskunde; Herausgeber der Reihe «Das volkskundliche Taschenbuch». |
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Die Fischli-Klasse Die Idee, ein Buch über meine Klassenkameraden aus der Primarschulzeit und ihre Erinnerungen zu machen, hat sich bei mir langsam ausgesintert. Als Einzelgänger, der ich als Schüler war und wonach ich am liebsten meine eigenen Wege ging, um Träumereien nachzuhangen, hatte ich kaum engere Beziehungen zu den Mitschülern, mit Ausnahme von Rolf Ehinger. Trotzdem waren natürlich die Jahre, die ich auf den Bänken des Leonhard Schulhauses1 in St. Gallen verbrachte, eine wichtige Phase meiner Jugend. Seit den späten 1970er Jahren stellte sich eine neue Beziehung zu meinen ehemaligen Mitschülern ein, eine Beziehung, die sich an den in grösseren Zeitabständen organisierten Klassenzusammenkünften angebahnt und regelmässig vertieft hat. Fünfmal bisher traf sich die Klasse, an drei Treffen nahm ich teil: 1977, 1992 und 2000. Immer mehr überraschte mich, was aus den einfachen, ungehobelten Jungen von damals - wir waren eine reine Bubenklasse - geworden war, zu einem guten Teil erfolgreiche und verantwortungsbewusste Berufsleute mit gepflegten Umgangsformen. Vor allem beeindruckte mich die Herzenskultur, wie sie sich mir besonders 1992 zeigte, wo spontan beschlossen wurde, allen Abwesenden zu schreiben und den Kranken durch eine Delegation die guten Wünsche und ein Geschenk zu überbringen, was z.B. bei zwei Kameraden geschah, die durch einen Schlaganfall teilweise gelähmt waren. Die letzte Zusammenkunft in der Karthause Ittingen vom Spätherbst 2000, mit besonderer Sorgfalt von Karl Stillhardt organisiert, brachte den Durchbruch. Ich trug meinen Kameraden und den ebenfalls anwesenden Ehefrauen die Idee eines Erinnerungstextes vor und stiess auf spontane Zustimmung und die Bereitschaft, sich für Interviews zur Verfügung zu stellen.2 Was erhoffte ich mir daraus? Bald werden wir die letzte Generation sein, die noch die 30er und 40er Jahre des 20. Jahrhunderts erlebt hat, und zwar als Kinder und Jugendliche, jene Zeit also, die in den letzten Jahren offiziell soviel zu reden gegeben hat. Politiker und Zeitzeugen, vor allem aus der Aktivdienst-Generation, haben sich dazu geäussert; Historiker haben die Archivbestände durchforscht, um ein kritisches Bild der Zeit zu gewinnen. Das alles ist kontrovers geblieben. Es dürfte deshalb aufschlussreich sein, wie sich diese Jahre aus der Sicht der Jungen von damals darstellen, welches ihr Erlebnishorizont war. Dabei interessieren den Volkskundler naturgemäss weit mehr Bereiche als nur die Fragen nach der seinerzeitigen Einstellung zu den weltpolitischen Machtverhältnissen und Ereignissen, dem Verhalten gegenüber den Flüchtlingen usw. Für ihn steht der frühere Alltag insgesamt im Zentrum, d.h. die materiellen und seelisch-geistigen Bedingungen des Daseins und Werdens junger Menschen in einer Schweizer Stadt mittlerer Grösse, eben St. Gallen. Nun sind Erinnerungen ausserordentlich subjektiv und selektiv, die individuellen und kollektiven Verdrängungsprozesse spielen auch bei unseren Interviews mit. Ein Korrektiv liegt allerdings darin, dass hier viele Erinnerungen getrennt und unabhängig voneinander aufgezeichnet wurden und dass ich als Interviewer und Bearbeiter selber die Zeit in der Gruppe erlebt habe und somit manches nach seiner Zuverlässigkeit beurteilen kann. 2 So ganz neu ist das Unterfangen nicht. In der Kantonsbibliothek St. Gallen liegt eine bibliophil gestaltete Handschrift von 477 Seiten, in Pergament gebunden: „Geschichte der St. Galler Primarschulklasse 1-6f in den Jahren 1898-1904“, das sich als „Gemeinschaftswerk ehemaliger Schulkameraden in 1 Exemplar“ kennzeichnet. Der Untertitel lautet: „Ein Rückblick durch ein halbes Jahrhundert in die Zeit unserer Jugend“. Der eigentliche Initiant war offenbar Anton Quadri, auf den auch die kommentierenden Texte und die Heraldik zurückgehen, die Photos wurden vom Fotografen und Mitschüler Oscar Rietmann beigesteuert, Schrift und Gestaltung lagen in den Händen von Lucie Scherrer. Im Vorwort gibt Quadri als eines der Motive der Redaktion des Werks das „einzigartige Zusammenhalten unserer Primarschulklasse“ an, ähnlich wie ich es auch in meiner Einleitung gemacht habe. Sechsmal trafen sich die Schüler zwischen 1941 und 1958, die jeweiligen Zusammenkünfte werden ebenfalls im Text rapportiert. Nach einer Würdigung der wichtigsten Lehrer folgt der Hauptteil mit den kurzen Autobiografien der noch lebenden Mitschüler, jeweils eingeleitet mit einem fotografischen Porträt und dem Familienwappen. Diese Berichte sind naturgemäss von unterschiedlichem Interesse, nebst einlinear verlaufenden gibt es gewundene und abenteuerliche Lebensläufe, welche die jungen St. Galler in die weite Welt führten. Insgesamt spiegeln sie die Verhältnisse in einer anfänglich stark expandierenden Textilstadt wieder, mit den Handelsbeziehungen nach Übersee und den technischen Möglichkeiten, aber auch die folgenden Krisen und Rezessionen. Besonderes Interesse erwecken die Erinnerungen des ehemaligen Polizeikommandanten Paul Grüninger und von Bundesrat Karl Kobelt. |
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