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Inge Horstmann «Das Lied von der Arbeit Bürokultur im kriegszerstörten Berlin Herausgegeben von Burkart Lauterbach Das volkskundliche Taschenbuch 39 2005, 72 Seiten, Pappband ISBN 3 85791 482 3 |
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Überstunden mit dem Chef Diesem Fundstück unbekannter Herkunft scheint Wilhem Busch Pate gestanden zu haben. Es schildert mit Zeichnungen und gereimten Versen das Arbeitsleben in einer Versicherungsfirma inmitten der Trümmer an der Bismarckstrasse 113 im Nachkriegsberlin. Gearbeitet wird, als gelte es, den
verlorenen Krieg doch noch zu gewinnen. Der «verehrte Chef» – «ruhig,
sicher, imponierend, mit fester Hand die Zügel führend» – ist ein gerechter,
aber strenger Patron mit Ansprüchen: «ein vorwurfsvoller Blick genügt, dass
alles um die Wette ‹fliegt›».
Ihm zur Seite «waltet tatenlustig sie, die ‹Mutter
der Kompanie›»: eine Sekretärin mit «blauen
Augen, blondem Schopf». Und alle widmen «mit vereinten
Kräften sich den Versicherungsgeschäften», Überstunden und Nachtarbeit
inbegriffen: ein munteres, fleissiges, umsichtiges Treiben meistert alle
Schwierigkeiten «still und friedlich, zuverlässig, unermüdlich». – Es ist
das reine Fest der deutschen Sekundärtugenden. |
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«Eine Geschichte wie von einem fremden Planeten hat der Limmat Verlag da ausgegraben - dabei handelt es sich doch nur um ein paar Tuschezeichnungen und Verse (à la Wilhelm Busch), die eine gewisse Inge Horstmann Ende der 1940er Jahre in Berlin über ihren Arbeitsalltag in einer Versicherungsgesellschaft hinterlassen hat. Man kann die Beschreibungen des fleißigen, allmächtigen Chefs, der Betriebsfeier und der arbeitsamen Sekretärinnen wahlweise als unterhaltsames Relikt vergangener Tage, als Fortsetzung des Angestelltenromans der Weimarer Republik oder als Spott und Satire lesen.» Literaturkurier (Deutschlandfunk) «Man will es mal eben durchblättern, bleibt dann aber doch hängen – und begreift plötzlich etwas von der Zeit zwischen 1945 und 1948.» Tagesspiegel «Die Wiederkehr der Aufbautugenden aus der Wirtschaftswunderzeit wird derzeit ja überall angemahnt. Als Anregung dafür eignet sich hervorragend ein Zeitdokument aus dem Berliner Arbeitsalltag vor der Währungsreform, das nun ausgerechnet in einem Schweizer Verlag als ‹volkskundliches Taschenbuch› veröffentlicht wurde. (…)Der Chef ist eine Gestalt, wie sie aus dem Wirtschaftsleben völlig verschwunden ist: Von gottähnlicher Autorität und Einsatz bis zur Erschöpfung fordernd, aber ohne Launen, Mobbing und Psychotricks. Der Herausgeber Burkhard Lauterbach schreibt im Vorwort: ‹Hinter Titeln wie Chef und Direktor verbirgt sich noch nicht, wie heutzutage, eine anonyme Gruppe von Führungskräften, die, von weltbekannten Kunstwerken und exotischen Pflanzenarrangements umgeben, in obersten Stockwerken von Bürotürmen hinter sündteuren Designerschreibtischen residieren und damit für ihre Angestellten räumlich sowie sozial unerreichbar sind.›» Die Welt |
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