Laure Wyss

Das blaue Kleid

und andere Geschichten

1989, broschiert, 150 Seiten

ISBN 3 85791 154 9

rd_tri.gif (899 Byte) Laure Wyss rd_tri.gif (899 Byte) Zum Buch rd_tri.gif (899 Byte) Text rd_tri.gif (899 Byte) Stimmen
Kurze Inhaltsangabe

Neun Geschichten von Laure Wyss über Menschen. Sie vermitteln kein Anliegen, keine Moral, keine didaktischen Absichten; sie erzählen in einer subtilen und nuancenreichen Sprache vom Leben; von Nadines «Hotel Bar Restaurant du Port» zum Beispiel, oder vom neunjährigen Clément, der «draussen» nie redet, von Margret, ihrem Sohn Jürg und ihren Arbeitskolleginnen, von der alten Frau, die nicht mehr ins Altersheim zurückkehrt, von einer Frau und ihrer Reise in die Vergangenheit des eigenen Lebens. Alle Geschichten bezeugen Persönliches, doch nicht in platt autobiographischer Weise, vielmehr distanziert durch Form und Poesie.

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Textprobe

Der Knabe fliegt, ich muss meine Schritte beschleunigen, um immer atemloser zu lesen, was er in den Sand schreibt: «das Meer», «der Sand», «die Muscheln», «die Fische», «die Netze», «die Austern»; dies ein schwieriges Wort, und das Kind mustert mich, ob vielleicht ein Akzent falsch gesetzt sei? Nach den «Hügeln», dem «Himmel» und den «Sternen», der «Sonne» und dem «Mond» fängt das Kind an zu kommentieren. So lese ich, als wir uns dem Ende der Bucht nähern, den kleinen Satz «es ist schade». Wir rufen jetzt den Hund herbei, wir müssen umdrehen, zurückkehren, es ist Zeit. Noch einmal bückt sich das Kind und schreibt, diesmal mit der Hand das Wort «Ende».

Aber gleich danach jubelt es: «Jetzt werden wir alles noch einmal lesen, wir werden rückwärts lesen, was ich geschrieben habe, können Sie Wörter lesen, die auf dem Kopf stehen?» Ein paar Schritte zurück, wir lesen «es ist schade», das Kind lacht, aber dann ist nichts mehr zu finden. Keine Schrift im Sand. Das Wasser ist, für uns unmerklich, gestiegen und die Wellen haben unser Buch überspült. Ausgelöscht. Das Kind ist nicht traurig. Es sagt: «Das Meer hat meine Wörter genommen.» Wir suchen nach Schriftspuren, vielleicht ist noch ein Endbuchstabe sichtbar? Das Kind bleibt nun auf meiner Höhe und passt sich meiner Gangart an. Es ist nicht mehr neu-gierig. Ich schlage vor, dass seine Wörter vielleicht mit dem grossen Atlantik nach Amerika gespült werden? Das Kind, mit grosser Gebärde: «weit weg». Ihm ist nichts verloren, es fühlt sich allmächtig, es sagt: «Ich kann meine Wörter auch mit dem Wind schicken. Durch die Luft. Ich kann alles.»

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Pressestimmen

«So klein die Schritte sind, die die Protagonisten(-innen) von Laure Wyss tun, sie zeugen alle von menschlicher Einsicht und vom Mut, den Schritt ins Ungewisse zu wagen, um dort sich selber zu begegnen. So sind diese Geschichten zwar nicht vordergründig kömpferisch, vermitteln keine Moral und keine didaktischen Absichten; hier geht es vielmehr um ein ruhiges, ja distanziertes Betrachten vom Leben, das in jeder von Laure Wyss' Protagonistinnen und in jedem Protagonisten seine eigenwillige Gestalt findet.» Zürcher Oberländer

«Die neun Geschichten der Laure Wyss sind in subtile und schnörkellose Sprache gekleidet, sie stehen ohne moralisierende Absichten im Raum wie die Menschen, von denen in diesem Buch die Rede ist.»
Brückenbauer

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